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Feiert Bronze wie Gold: Laura Dahlmeier.

Auch ihr Ski-Wachsler ist zufrieden mit der Ausbeute

Bronze fühlt sich für Dahlmeier an wie Gold

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Sie hat es wieder getan: Laura Dahlmeier hat im dritten Wettkampf die dritte Medaille abgeräumt. Und trotzdem scheint das manchen nicht genug zu sein.

Pyeongchang – Erfolg macht anspruchsvoll. Um das klarzustellen: Für Laura Dahlmeier gilt das in einem gewissen Maß nicht. Aber natürlich für alle anderen, die Medaillen von der Biathletin aus Garmisch-Partenkirchen erwarten. Mittlerweile hat der Hype eine Dimension erreicht, in dem offenbar nur noch goldene Plaketten zählen. Man las also im Internet, dem größten Schaukasten der Welt, nach ihrem Bronze-Coup im Einzel: „Dahlmeier verpasst Gold“ und solche Dinge. Nur noch Gold ist gut genug. Die Laura stört das gewaltig. Nach dem Rennen wollte sie einmal eines klarstellen. Sie sei doch Dritte geworden und nicht 60. bei Olympia – also auf der größten Bühne, die die Sportwelt zu bieten hat. Andere jagen ein Leben lang vergeblich ihrem Traum von einer Olympia-Medaille nach. Und nur weil sie den Biathlon-Sport dermaßen dominiert, soll Bronze nichts mehr wert sein? Nein. „Einfach nur grandios“ seien die drei Medaillen. „Das ist absolut nicht normal.“

Entsprechend verhielt sie sich bei der ersten kleinen Siegerehrung, die direkt nach dem Rennen vor Ort organisiert wird. Sie tat noch einmal, was sie als Kind schon auf dem Bett geübt hat: Mit Anlauf sprang sie auf das Podest, diesmal auf die dritthöchste Stufe. Aber es sah nicht anders aus als bei ihren Gold-Triumphen. Diesmal riss sie sogar eine Hand gen Himmel. Das sah aus wie die Laura-Version von Usain Bolts legendärer Jubel-Pose. Der Jamaikaner hat dreimal Gold bei zwei Olympischen Spielen gewonnen. Um diesen Erfolg zu schaffen, fehlte Dahlmeier am Donnerstag ein Treffer, nur einer.

Der Hackl-Albert wachst Dahlmeiers Ski.

Mit der Medaillen-Ausbeute kann auch Albert Neuner zufrieden sein. „Ein Wahnsinnsbeginn“, meldet sich der Ski-Wachsler von Gold-Laura zu Wort. Der 30-jährige Wallgauer ist seit 3. Februar mit dem Biathlon-Serviceteam in Südkorea. Wie viele Aktive hat auch der „Hackl-Albert“ mit den frostigen Temperaturen zu kämpfen. „Doch die Kälte alleine ist’s nicht“, meint Neuner, „der Wind zieht einen regelrecht aus“. Überrascht zeigt sich der Isartaler von dem Desinteresse der Asiaten am Biathlon. „Beim Skispringen und Langlaufen ist viel mehr los.“ Bei den Siegerehrungen blickt Dahlmeier regelmäßig auf mehr freie, blaue Sitze als auf Fans. Dafür trösten Neuner die Top-Einschaltquoten. „Die ganze Welt schaut zu“, sagt der ansonsten eher zurückhaltende Wallgauer fast frenetisch. Die Stimmung im deutschen Lager ist angesichts der goldigen Laura prächtig. Obendrein bleibt Neuner Zeit für das eine oder andere Gespräch. So hat er unter anderem den kultigen Fahnenträger der Tonga-Inseln, Pita Taufatofuan, getroffen, der bei der Eröffnungsfeier bei Eiseskälte mit nacktem Oberkörper ins Olympiastadion einzog. „Ein netter Hund.“


Christof Schnürer


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