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Zimmernachbarn und Feierbiester: Marcus Kink (l.) und Yannick Seidenberg jubeln nach dem 4:3-Erfolg im Halbfinale gegen Kanada.

Olympia 2018 - Marcus Kink schreibt Geschichte mit 

Silber im Eishockey sicher  - Spielervater Kink: „Die Sensation“

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Deutschland im Finale des olympischen Eishockey-Turniers – ein Stück Geschichte, das Marcus Kink mitgeschrieben hat. Am Sonntag spielt er um Gold. Sein Vater sagt schon jetzt: „Das ist die Sensation.“

Garmisch-Partenkirchen/Pyeongchang – Georg Kink schaut sich Eishockeyspiele seines Sohnes nur noch alleine daheim an. Mit seiner Frau. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es ihm in der großen Gruppe zu hektisch ist. Zuhause hat er seine Ruhe. Er darf jubeln, wann er will, wie oft er will und wie laut er will.

Gestern Nachmittag gegen 16 Uhr war Kink nicht mehr alleine. Die Nachbarn kamen. Vielmehr stürmten sie auf sein Grundstück in Garmisch-Partenkirchen. Kink? Der schrie nur noch. Das Wort „unglaublich“ wiederholte er zig Male. So hört sich das an, wenn ein ehemaliger Spitzen-Eishackler, der selbst bei Olympia gespielt hat, nicht fassen kann, was gerade dem Deutschen Eishockey-Team in Pyeongchang gelungen ist. „Das ist so was von brutal, so etwas Schönes, so unglaublich“, jubilierte er und stieß einen Juchzer aus, den alle in der Nachbarschaft gehört haben dürften.

Sohn Marcus am Wunder beteiligt - eine neue Dimension

Georg Kink, der zweimal Deutscher Meister war, hätte sich so oder so über den Finaleinzug gefreut, über den 4:3-Erfolg gegen Kanada – also die Weltmacht in dieser Sportart, die bei jedem Turnier Gold für sich beansprucht, auch wenn sie nur mit einer Auswahl der besten Export-Spieler aus Europa und nicht mit ihren millionen-schweren NHL-Stars antritt. „So etwas kriegst du nicht zweimal in deinem Leben mit“, sagt er. Aber dass sein Sohn Marcus Kink an diesem Wunder beteiligt ist, das dem Deutschen Eishockey für das nächste Jahrzehnt einen Aufschwung ermöglichen soll, verleiht dem Erfolg eine neue Dimension, die er erst begreifen muss.

Vielleicht keiner im Team hat einen vergleichbaren Weg voller Leiden hinter sich, der am Ende seiner Karriere doch noch zu Olympia führt, wie Kink junior. Vor den Spielen 2006 hatte er sich verletzt. 2010 strich ihn der Bundestrainer als Letzten aus dem vorläufigen Aufgebot. 2014 blamierten sich die Deutschen in der Qualifikation. Man hatte das Turnier nicht sonderlich ernst genommen, sich nicht professionell genug darauf vorbereitet. „Er hat sich immer gewünscht, bei Olympia zu spielen“, sagt Kink senior. Sein Sohn spielt nun am Sonntag um 5.10 Uhr um Gold gegen Russland. Aber an Gold glaubt der Vater nicht mehr. „Es ist vorbei“, sagt er. „Silber – das ist die Sensation.“

Kein Jubel - aus Rücksicht auf die Schweden

In der Heimat, das war ja schon beim Bronze-Coup 1976 so, mag keiner an eine Medaille geglaubt haben. Etwas anders verhielt sich das beim Deutschen Team. Nach dem Verlängerungssieg gegen die Schweiz telefonierte Kink und sein Vater. Ob es denn nicht langsam anstrengend wird, fragte Georg Kink. Das Turnier ziehe sich schon recht lang hin, antwortete Marcus Kink. „Aber wir möchten doch etwas Besonderes schaffen.“ Nur eine Stunde nach der nächsten Sensation gegen Schweden (4:3) riefen sich die beiden wieder zusammen. Kink saß in der Mensa, er verhielt sich ruhig, jubelte nicht. Was denn los sei, wollte der Papa wissen. Nun ja, die traurigen Schweden speisten neben ihnen. Die Deutschen wollten nicht geschmacklos sein. Da lachte Kink senior. Dieser Fairness-Gedanke zeichnet die Olympischen Spiele genauso wie Medaillen und Triumphe aus. 

Vor 46 Jahren, 1972 in Sapporo, hat Georg Kink diese Magie selbst miterlebt. „Du kommst hin – und Olympia verzaubert dich. Das bleibt dir, das lässt dich nicht mehr los.“ Obwohl das Team damals nichts gewonnen habe, sei es schon so schön gewesen. Sein Sohn kehrt mindestens mit Silber zurück. „Das ist doppelt oder dreifach so schön.“

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