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Ein Herrscher mit Charisma: Sultan Qabus bin Said salutiert 2010 im Rahmen einer Militärparade.

„Trage ihn immer im Herzen“

Der Sultan des Oman ist tot: Für seinen Hausmeister in Garmisch-Partenkirchen war er wie ein Vater

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Sultan Qabus bin Said ist tot. Er verstarb mit 79 Jahren. Der Herrscher des Oman hinterlässt eine große Lücke. Nicht nur im Oman - auch in Garmisch-Partenkirchen.

  • Qabus bin Said, der Sultan des Oman, ist tot.
  • Er starb im Alter von 79 Jahren in seinem Heimatstaat.
  • 45 Jahre lang gehörte ihm ein Anwesen in Garmisch-Partenkirchen. Auch hier hinterlässt er eine Lücke.

Garmisch-Partenkirchen– Einen Techniker hat man in Garmisch-Partenkirchen gesucht. Einen Verwalter für ein Anwesen an der Maximilianshöhe. Der Mann, damals 27 Jahre alt, hat sich beworben – und bekam die Stelle, zog von München in die Gemeinde. Fand dort als gebürtiger Italiener eine neue Heimat. Viel mehr noch: Er fand einen Menschen, „der fast wie ein Vater für mich war“.

Der Mann, mittlerweile 71, spricht von Sultan Qabus bin Said, Herrscher des Oman, für den er 44 Jahre lang in Garmisch-Partenkirchen als Hausmeister gearbeitet hat. Am Samstag ist Qabus bin Said im Alter von 79 Jahren gestorben. Sein Hausmeister will anonym bleiben, erzählt keine Details zu Erlebnissen mit dem Sultan und seiner Familie. „Zu privat.“ Doch er betont, welch „guter Mensch“ sein Arbeitgeber war. „Er hat meine Familie behandelt wie seine eigene.“ Einmal machten sie sogar ein Picknick am Kochelsee.

Sultan des Oman ist tot: Anwesen in Garmisch-Partenkirchen 1974 gekauft

1974 hatte der Sultan sein Anwesen am Kramerplateau gekauft. Angeblich für elf Millionen Mark. Sukzessive baute er es aus. Mittlerweile umfasst das Areal um die zehn Gebäude, darunter ein Gäste- und Ärztehaus. „In Garmisch-Partenkirchen war er glücklich“, sagt sein Hausmeister.

Das wusste man in seiner Heimat. Wer aus der Marktgemeinde den Oman bereist hat, machte dieselbe Erfahrung. Wie Elisabeth Koch zuletzt Ende 2018: „Jeder dort kennt Garmisch-Partenkirchen.“ Manch einer sagt dem Sultan daher einen enormen Werbeeffekt nach. Weil seine Untertanen dort Urlaub machen wollten, wo sich ihr Übervater so wohl fühlte.

Sultan des Oman spendete großzügig an Kirchen in Garmisch-Partenkirchen

Dazu gehört Rashid Dhiyabis. Ende 2016 brachte er eine Biografie in die Redaktion. Gerade die Garmisch-Partenkirchner sollten den Mann kennenlernen, der die Moderne in den Oman gebracht hatte. Der ein Land regierte, das von Konflikten und Kriegen umzingelt ist. „Bei uns herrscht Frieden und Toleranz“, sagte Dhiyabis.

Toleranz scheint den Sultan, der seinen Nachfolger in einem Brief festgelegt hat,  ausgezeichnet zu haben. Der Muslim respektierte und ehrte alle Religionen, betont sein Hausmeister. Die Moschee in Garmisch-Partenkirchen soll er großzügig unterstützt haben, die evangelischen Pfarreien ebenso, ganz sicher die katholischen. Bis 2012 wirkte Martin Karras in Garmisch als Pfarrer. Um 2009 besuchte ihn und seinen Partenkirchner Kollegen ein persönlicher Sekretär des Sultans. Dieser wolle jeweils 100 000 Euro für die Renovierung der Kirchen spenden. Nachdem das Ordinariat seine Genehmigung gegeben hatte, brachte der Mann einen Scheck vorbei.

Kaum einer bekam den Sultan des Oman in Garmisch-Partenkirchen zu Gesicht

Ein weiteres Mal übergab er ein Geschenk: um die drei Kilogramm Weihrauch aus dem persönlichen Bestand des Sultans. Eine Sorte, die nur für ihn hergestellt wurde, die es nirgends zu kaufen gab. „Den haben wir in Ehren gehalten“, sagt Karras.

Hunderte Omanis gedenken am 11. Januar vor der Moschee in Maskat ihres toten Herrschers, Sultan Qabus bin Said.

Persönlich kennengelernt oder gesehen hat er den Herrscher nie. Wie kaum jemand in Garmisch-Partenkirchen. In den 1980er Jahren soll er ab und zu nachts, ohne Leibwächter, durch die Fußgängerzone marschiert sein. Wer ihn getroffen hat – ein Glücksfall. Denn nicht einmal alle Nachbarn haben ihn zu Gesicht bekommen. Sehr wohl aber wussten sie, wenn er zu Besuch war: sobald am Kramerplateau schwarzes Auto an schwarzem Auto parkte.

Sultan des Oman ist tot: Er schätzte Natur und Menschen in Garmisch-Partenkirchen

Sein ganzes Staatsgefolge brachte der Sultan meist mit. Von um die 200 Menschen war die Rede. „Ich habe das nie gezählt“, sagt der Hausmeister. Um die 30 aus dem Tross, schätzt er, übernachteten in einem der Häuser, der Rest im Hotel – gut für den Tourismus. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) weiß um den Stellenwert des Sultans. Selbstverständlich werde die Gemeinde kondolieren. Gleich heute wird sie sich bei der Staatsregierung über das Vorgehen in einem solchen Fall informieren.

Warum Qabus Garmisch-Partenkirchen ausgewählt hat? „Er mag die freundlichen Menschen, die Berge, die Natur“, sagte Dhiyabis gegenüber dem Tagblatt. Zudem liebte der Sultan Militärmusik. Seine Leibgarde, die „Royal Guard of Oman“, spielte im Michael-Ende-Kurpark, auch zum Internationalen Militärmusikfestival hat er sie kommen lassen. Zudem lud er die Blaskapellen Garmisch und Partenkirchen zum großen Militärmusikfestival in die Hauptstadt Maskat ein.

Sultan des Oman an Krebs erkrankt? Achtmonatiger Aufenthalt in 2014

Zuletzt wurde die ärztliche Versorgung ein entscheidender Grund für seine Besuche. 2014 blieb er gut acht Monate – ein weltweit beachteter Besuch. Zum ersten Mal verpasste der Sultan den Nationalfeiertag am 18. November und damit seinen Geburtstag. Er war schwer krank, man vermutete Krebs. Angeblich wurde er in der LMU-Klinik Großhadern behandelt. Als offiziell geheilt kehrte er in seine Heimat zurück. Sein Hausmeister zweifelte daran.

Per Whatsapp von jemandem aus dem Umfeld des Herrschers erhielt er die Nachricht von dessen Tod. Sie machte ihn und seine Familie traurig, „wir waren nicht darauf vorbereitet“. Nach der schweren Diagnose vor gut fünf Jahren aber stand die Krankheit im Raum. „Ich habe immer gebetet, dass er sie übersteht und lange bleibt“. Für den 71-Jährigen tut er das auch. „Ich trage ihn immer im Herzen.“

Lesen Sie auch:
2016 - Darum weilt der Sultan von Oman in Garmisch-Partenkirchen

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Kommentare

odin1000
(4)(0)

An dem könnte sich wohl so mancher Politiker ein Vorbild nehmen.

Oberlausitzerin
(0)(1)

Seltsamer Schreibstil.

Chat noir
(4)(0)

Der Sultan hat den Oman nicht nur modernisiert, sondern auch wirtschaftlich vorangebracht. Als besonderes Beispiel möchte ich erwähnen, dass er sich an die alte arabische Parfumeurskunst erinnert und eine staatliche Parfümproduktion gegründet hat, die die besten und wertvollsten Parfüms herstellt. Sie sind zwar sehr teuer, aber ihr Geld wert. Der Export dieses Luxusartikels in alle Welt ist ein großer Erfolg.