Eine Frau mit Brille und Maske steht an einem Rednerpult.
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Wird wohl nicht im Bundestag sitzen: Dr. Sigrid Meierhofer, hier bei ihrer Nominierung als SPD-Kandidatin für den Wahlkreis 226.

Ex-Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen: Nur Listenplatz 38

Dr. Sigrid Meierhofer: Wohl keine Chance auf den Bundestag

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Operation aussichtslos. So könnte man die Kandidatur von Dr. Sigrid Meierhofer, Ex-Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, für den Bundestag bezeichnen. Auf der Liste der Bayern SPD steht sie nur auf Platz 38. Sie nimmt‘s sportlich. Und ehrgeizig.

Landkreis – An dem Tag, an dem sich entschied, auf welchem Platz sie landen wird, war Dr. Sigrid Meierhofer nicht vor Ort. „Ich hatte einen anderen wichtigen Termin“, sagt Garmisch-Partenkirchens Ex-Bürgermeisterin. Der Verzicht auf die Fahrt nach Schwabach fiel ihr nicht schwer. In der mittelfränkischen Kleinstadt bastelte die Bayern-SPD vergangenen Samstag ihre Landesliste für die Bundestagswahl im Herbst zusammen.

Dass für Meierhofer kein Platz in der Spitzengruppe, die sich Hoffnungen machen darf, über die Landesliste nach Berlin zu kommen, drin sein würde, war von vorneherein klar. Sie hatte mit diesem Ergebnis gerechnet. „Deswegen bin ich auch nicht enttäuscht.“ Die oberbayerischen Delegierten hatten sie im Vorfeld auf Platz sieben gelistet, in Bayern blieb für Meierhofer, die vor Kurzem in Rente gegangen ist, Rang 38.

Meierhofer fordert Dobrindt heraus: „Dann gewinne ich eben das Direktmandat“

Der Sprung in den Deutschen Bundestag – damit aussichtslos. Davon geht die Welt für Meierhofer nicht unter. Sie sieht ihr Abschneiden sportlich und scherzt: „Dann gewinne ich eben das Direktmandat.“ Sollte ihr das gelingen, wäre ihr Erfolg mit Sensation völlig ungenügend beschrieben. Die Ärztin, die zuletzt an der Krankenpflegeschule in Garmisch-Partenkirchen unterrichtete, tritt im Bundeswahlkreis Weilheim, zu dem auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehört, gegen Alexander Dobrindt (Peißenberg) an. Der derzeitige CSU-Landesgruppenchef hat seit 2002 stets die meisten Erststimmen auf sich vereinigt. 2017 hatte Dobrindt 47,9 Prozent erhalten, der damalige SPD-Kandidat Enrico Corongiu kam als Zweitplatzierter auf 14,8 Prozent. Ein respektables Resultat.

Wer Meierhofers Ehrgeiz kennt, weiß, dass sie mindestes ähnlich oder besser abschneiden möchte. Dabei hat sie sich zur Kandidatur erst entschlossen, als klar war, dass sich die SPD schwertut, geeignete, vor allem junge Bewerber zu finden. „Ich habe nicht gleich ,hier‘ geschrien“, sagt sie. „Es ist aber unsere demokratische Pflicht, dass wir eine Wahl anbieten. Die SPD hat Themen wie Solidarität und Gemeinwohl, die gerade jetzt von großer Bedeutung sind. Und es ist wichtig, dass diese kommuniziert werden. Deswegen habe ich beschlossen zu kandidieren.“ Die Dinge, mit denen sie punkten möchte, heißen Gesundheit, Mobilität und Wohnen.

Meierhofer geht neue Wege: Nun in den sozialen Medien aktiv

Wenn Meierhofer etwas tut, dann mit voller Überzeugung und Leidenschaft. Und sie ist flexibel genug, alte Pfade zu verlassen und sich den Gegebenheiten der Zeit anzupassen. Während sie in ihrer Zeit als Gemeindeoberhaupt (von 2014 bis 2020) in der Kommunikation mit den Bürgern eher old school agierte – sie verzichtete darauf, ihren Facebook-Account zu bespielen – nutzt sie jetzt die Social-Media-Kanäle für ihre Verhältnisse fast exzessiv. Aktiv ist sie bei Instagram (@sigrid_meierhofer), Facebook (sigrid.meierhofer) und sie betreibt eine eigene Website. Die Zahl der Follower ist allerdings überschaubar. „Für mich ist das eine völlig neue Erfahrung. Ich lerne viel über soziale Medien.“ Wahlkampf in Corona-Zeiten, meint Meierhofer, sei anders gar nicht möglich. „Veranstaltungen verbieten sich ebenso, wie die Wähler an der Haustür zu besuchen.“ Die SPD sieht sie nach dem Wahlerfolg in Rheinland-Pfalz auch bundesweit im Aufwind. „Kanzlerkandidat Olaf Scholz und Generalsekretär Lars Klingbeil machen einen guten Job.“ Damit die Sozialdemokraten beim Urnengang am 26. September gut abschneiden, „dazu möchte auch ich meinen Beitrag leisten“.

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