Richterin mit Hammer
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Das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen verurteilte einen Mittenwalder zu 5400 Euro Geldstrafe. (Symbolbild)

Prügelei beim Faschingsball

Opfer landet im Krankenhaus: Mittenwalder zu 5400 Euro Strafe verurteilt

Beim Faschingsball in der TSV-Turnhalle kam es zu einer Schlägerei, an dem zwei Mittenwalder beteiligt waren. Für einen 23-Jährigen endete die Nacht im Krankenhaus.

Diesen Geburtstag wird ein Mittenwalder nicht so schnell vergessen. Beim Faschingsball in der TSV-Turnhalle ist er Ende Januar gegen 0.40 Uhr von einem anderen Gast verprügelt worden. Um Mitternacht war der Mann 23 Jahre alt geworden. Eine knappe Dreiviertelstunde später war er bewusstlos. Mittels eines Täter-Opfer-Ausgleichs hat der Geschädigte bereits 2000 Euro erhalten. Vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen wird der Angeklagte nun zu einer Geldstrafe von 5400 Euro verurteilt.

„Wenn Sie künftig zum Saufen gehen, dann benehmen Sie sich!“, empfiehlt Andreas Pfisterer dem Beschuldigten, der ebenfalls aus Mittenwald kommt. „Ich weiß nicht, was mich geritten hat. Ich habe zu viel getrunken“, sagt der 26-Jährige.

Der Richter verübelt das „mehr als rabiate Vorgehen“ des Forstwirts. „Ein Faschingsball ist doch eigentlich eine friedliche Veranstaltung. Da bleiben die kriegerischen Elemente außen vor“, gibt der Amtsrichter zu bedenken. Der Angeklagte war ratlos. Er sei einfach außer Kontrolle geraten. Gegen den Strafbefehl legte er Einspruch ein – 7200 Euro hätte er zahlen müssen.

 „Ich war recht lustig angezogen. Mit Lederhose und buntem T-Shirt. Als Isarpreiß.“

Das 23-jährige Opfer der Attacke.

Vielleicht war es das Kostüm des Opfers, durch das sich der 26-Jährige provoziert fühlte. „Ich war recht lustig angezogen. Mit Lederhose und buntem T-Shirt. Als Isarpreiß.“ Detailliert schilderte der Verprügelte den Vorfall. Erst sei er beleidigt worden – der Forstwirt bezeichnet ihn als „Schwuchtel“ –, „dann hat er versucht, mich über den Tresen zu lupfen.“ Der 23-Jährige konnte sich dem Griff gerade noch entziehen. Anschließend versetzte der Angeklagte ihm eine Watschn. „Dann weiß ich nichts mehr“, berichtet der Geschädigte. Aus der Bewusstlosigkeit erwachte er im Nebenzimmer. Eine Nacht verbrachte er im Krankenhaus, die Schmerzen zogen sich über eine Woche hin.

Noch vor dem Gerichtsverfahren einigten sich die beiden im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs. „2000 Euro kann man sicherlich gut vertragen. Alles wieder verheilt?“, erkundigt sich Pfisterer. „Ja“, versichert das Opfer, der von einem Anruf des Angeklagten berichtet. „Aber da war ich im Krankenhaus. Da konnte ich ihm noch nicht verzeihen.“

Ingo Kaus, der Rechtsanwalt des Übeltäters, lobt das Vorgehen seines Mandanten und spricht von einem „Bilderbuch-Täter-Opfer-Ausgleich“. Pfisterer fällt ihm jedoch ins Wort. Es sei keine besondere Leistung, Schadenersatz zu zahlen. Das Abkommen hätten die Anwälte getroffen, es fand kein Treffen von Täter und Opfer statt, es gab kein persönliches Gespräch.

Doch auf irgendeine Weise scheint der Geschädigte den Frieden mit seinem Peiniger gefunden zu haben. Rechtlich belangen wird ihn der Mittenwalder nicht. Das bewahrte den Angeklagten jedoch nicht von einer Bestrafung durch das Gericht. Kaus fordert, den Einspruch gegen den Strafbefehl auf die Tagessatzhöhe zu beschränken. Dem kommt Dominic Pichler nach. Der Staatsanwalt hält 50 Euro statt 60 Euro als Satz für angemessen. Richter Pfisterer bleibt sogar darunter. Aufgrund des weniger üppigen Einkommens des Angeklagten und dessen hohe Belastung durch seine monatliche Rentenvorsorge kommt ihm der Richter entgegen. Seine Entscheidung: das Strafmaß liegt bei 120 Tagessätzen zu 45 Euro.

VON ALEXANDER KRAUS

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