Präsentieren die neuen Beratungsangebote im Landkreis: (v. l.) Claudia Baur, Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Landrat Anton Speer, Daniela Bittner, Lothar Roscher und Claudia Großklaus.
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Präsentieren die neuen Beratungsangebote im Landkreis: (v. l.) Claudia Baur, Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Landrat Anton Speer, Daniela Bittner, Lothar Roscher und Claudia Großklaus.

Orientierung im Pflege-Dschungel

Immer mehr Pflegebedürftige: Landkreis startet Beratungsstützpunkt

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Deutschland wird älter. Die Folge: Immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen und der Bezirk Oberbayern haben daher gemeinsam zu dem Thema einen Beratungsstützpunkt ins Leben gerufen. Die Nachfrage, das zeichnet sich schon jetzt ab, ist enorm.

Landkreis – Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Die Anzahl der Pflegebedürftigen, die im Freistaat leben, nimmt im Zuge des demografischen Wandels rasant zu. Waren es 2019 noch 492 000, sollen es 2050 laut Prognosen bereits bis zu 880 000 sein – also fast doppelt so viele. Tritt in einer Familie plötzlich ein Pflegefall ein, stehen die Angehörigen vor vielen offenen Fragen – und fühlen sich nicht selten überfordert.

Hier setzt ein neues Angebot des Landkreises Garmisch-Partenkirchen und des Bezirks Oberbayern an: der so genannten Pflegestützpunkt. Dabei handelt es sich um eine Beratungsstelle im Landratsamt, die im bürokratischen Dickicht der Pflege eine Orientierung liefern und maßgeschneiderte Hilfe leisten soll. Die Rede ist von „individuell passenden Unterstützungspaketen“.

Thema Pflege ist kompliziert und umfangreich - Fachberater helfen

Das Thema ist breit gefächert und kompliziert: Das fängt bei den Anträgen an, um Pflegeversicherungs- und andere Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen, und hört beim barrierefreien Umbau der eigenen vier Wände auf, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die vertrauliche Beratung ist kostenlos, findet telefonisch, in der Kreisbehörde oder zu Hause bei den Betroffenen statt.

Am 1. Februar haben die beiden Fachberater Claudia Großklaus und Lothar Roscher – beide bringen eine einschlägige Berufserfahrung mit – unter der Leitung der Sozialpädagogin Daniela Bittner die Arbeit aufgenommen. Langweilig wird ihnen bestimmt nicht: In der kurzen Zeit kamen bereits rund 80 Kontakte zu Ratsuchenden zustande. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) ist sich daher sicher: „Der Bedarf ist da. Es gibt genügend Arbeit“, sagte er im Rahmen eines Pressegesprächs, in dem das Projekt vorgestellt wurde. Dies treffe erst recht auf eine Region wie diese zu, in der überproportional viele Senioren leben. So gibt es bereits Überlegungen, den Service auszudehnen, etwa in Form von Sprechstunden, die in Außenstellen in Murnau oder Oberammergau stattfinden.

Zusätzliches Angebot geplant: Vor-Ort-Sprechstunde für Angehörige

In ganz Bayern gibt es momentan 16 solcher Pflegestützpunkte – Tendenz steigend. Das Ziel ist ehrgeizig: Eines Tages sollen es circa 60 sein. Träger der Einrichtung in Garmisch-Partenkirchen ist der Landkreis. Er übernimmt zusammen mit dem Bezirk ein Drittel der Kosten. Den Rest schultern die Kranken- und Pflegekassen. Wie hoch die Ausgaben sind, steht laut Speer noch nicht fest. „Wir brauchen erst Erfahrungswerte“, erklärte der Landrat. Eingeplant sind vorerst eineinhalb Stellen.

Doch damit nicht genug: Der Bezirk will zusätzlich im Landratsamt eine Vor-Ort-Sprechstunde schaffen. Immer donnerstags erhält man dort Informationen zu den Sozial- und Eingliederungshilfen sowie Unterstützung bei der Antragstellung. „Ich möchte ein Lotse sein“, sagte Claudia Baur, die dafür zuständig und schon jetzt per Telefon oder E-Mail erreichbar ist (siehe Kasten unten).

Für Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) – der Bezirk hat seine Aufgabenschwerpunkte in den Bereichen Soziales und Kultur – kommt es darauf an, nah dran an der Bevölkerung zu sein: „Wir lassen die Menschen nicht allein“, betonte er. Und man wolle Hürden abbauen, die „Zuständigkeitsbarrieren wegbekommen“, verdeutlichte er weiter. Die Beratungen seien anspruchsvoll, denn: „Da braucht man viel Gespür und Einfühlungsvermögen.“

Der Pflegestützpunkt: So erreicht man ihn

Der neue Pflegestützpunkt im Landratsamt ist unter den Telefonnummern 0 88 21/751 556 und 751 557 oder per E-Mail an psp@lra-gap.de und pflegestuetzpunkt@lra-gap.de zu erreichen. Die Öffnungszeiten sind montags bis donnerstags von 8 bis 12.30 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung.

Die Sprechstunde des Bezirks soll immer donnerstags stattfinden. Kontakt unter Telefon 089/219 82 10 56 und per E-Mail an beratung-gap@bezirk-oberbayern.de

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