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Fliegendes Bushäuschen in Oberammergau: Das Orkantief Sabine hatte es aus seiner Verankerung gerissen.

Mit blauem Auge davongekommen

Orkantief Sabine: Bushaus fliegt durch die Luft, Autofahrer übersieht im Sturm Gegenverkehr

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Das Orkantief Sabine hat den Landkreis Garmisch-Partenkirchen glücklicherweise nur gestreift. Dennoch ist es zu Schäden gekommen.

Landkreis – In Bayern wütete das Orkantief Sabine – der Landkreis Garmisch-Partenkirchen blieb weitestgehend verschont. Lediglich im Norden flog ein Bushäuschen durch die Luft, zudem hatte ein Fahrzeuglenker im Sturm den Gegenverkehr übersehen. Schulen und Bergbahnen blieben geschlossen. Nur das Isartal blieb komplett verschont.

GARMISCH-PARTENKIRCHEN: Für Verena Lothes, Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB), war es ein ruhiger Arbeitstag. Zwar ist um 7 Uhr morgens regulär der Dienstzug für die Mitarbeiter auf die Zugspitze hoch gefahren. Allerdings hat BZB nach den Prognosen des Deutschen Wetterdienstes sofort verkündet, dass der Betrieb für Montag eingestellt wird. Bis zu 157 Stundenkilometer wütete der Orkan auf über 2000 Höhenmeter. Auch das Garmisch-Classic-Skigebiet hatte deshalb nicht geöffnet. Bis zum Redaktionsschluss war noch nicht klar, ob die BZB heute wieder den regulären Betrieb aufnimmt. „Das besprechen wir erst Dienstagfrüh“, sagt Lothes. Dann wird auch klar sein, ob Sturmschäden zu beklagen sind. Im Tal blieb alles relativ ruhig, verkündet Josef Grasegger, Sprecher der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen. Lediglich in Kaltenbrunn kam es kurzzeitig zu Verkehrsbehinderungen wegen eines umgestürzten Baums auf der Bundesstraße 2. Auch in Grainau ist eine Fichte auf die Fahrbahn in Richtung Eibsee gestürzt. In Oberau versperrte ein Windwurf kurzzeitig eine Fahrspur auf der Bundesstraße 23 in Richtung Ettal. Die Bundesagentur für Arbeit verkündete am Montag zudem einen „großzügigen Umgang mit verspäteten Arbeitslosmeldungen und Terminversäumnissen“ bis vorläufig zum heutigen Dienstag. Wer einen Termin hat, soll sich „nicht unnötig in Gefahr begeben“, sagt Oliver Wackenhut, stellvertretender Vorsitzender. Arbeitslosmeldungen werden rückwirkend entgegen genommen.

Im Sturm übersieht ein Toyota-Fahrer bei einem Überholvorgang den Gegenverkehr. Der Schaden beläuft sich auf etwa 25 000 Euro. Beide Fahrer wurden in die Unfallklinik Murnau gebracht

MURNAU: In diversen Orten der Staffelsee-Region galt es, umgestürzte Bäume von Straßen zu räumen – die meisten in Murnau, weitere in Seehausen, Uffing und Schöffau, Neuegling, Pömetsried und bei Großweil. Doch alles blieb im grünen Bereich. „Die Lage ist relativ entspannt“, fasste Kreisbrandinspektor Herbert Maurus am Montagnachmittag das Geschehen zusammen. In Murnau landete eine größere Tanne, die der Sturm umgerissen hatte, auf einem Hausdach an der Loisachstraße und beschädigte dieses. Im Uffinger Ortsteil Schöffau fiel von 11 bis 12 Uhr der Strom aus, weil eine Leitung in Mitleidenschaft gezogen worden war. Am Dach eines Kuhstalls im Dorf löste der heftige Wind nach Angaben von Schöffaus Feuerwehr-Kommandant Andreas Weiß Teile eines Lichtfürsts. Insgesamt atmete Weiß auf: „Es war nicht so wie erwartet.“ Auch ein missglücktes Überholmanöver bei Orkan-Böen und starkem Regen auf der Bundesstraße 2 südlich von Hechendorf, das katastrophal hätte enden können, ging letztlich mit zwei Leichtverletzten und zwei völlig demolierten Autos ab. Der Fahrer eines Toyota, der in Richtung Süden unterwegs war – Alter und Wohnort der Beteiligten waren gestern nicht zu erfahren – , wollte nach Angaben der Polizei einen Lkw aus Bulgarien überholen. Während des Manövers bemerkte er offenbar Gegenverkehr. Die Person am Steuer des entgegenkommenden Renault Clio wich aus, der Kleinwagen landete im Straßengraben. Der mutmaßliche Unfallverursacher rammte mit seinem Wagen den Tank des Lkw und die Leitplanke. Die Feuerwehr Murnau entfernte das Dach des Toyota, um den Fahrer zu befreien. Den Clio hoben die Einsatzkräfte per Kran aus dem Graben. Die beiden Beteiligten wurden in die Unfallklinik gebracht, der Lkw-Fahrer blieb unverletzt. Die Autos hatten nur noch Schrottwert. Den Gesamtschaden schätzt die Polizei grob auf 20 000 bis 25 000 Euro. Die B2 blieb über eine Stunde gesperrt. Die Feuerwehr Hechendorf kümmerte sich um die Umleitung. Die Ermittlungen zur genauen Unfallursache laufen noch.

Umgestürzt sind einige Bäume gestern in Ammertal, so wie hier „Am Vorgstaig“ in Oberammergau.

AMMERTAL: Gut beschäftigt waren die Feuerwehren des Ammertals, umdie Schäden zu beseitigen. Mehrere Bäume stürzten auf die Straßen und blockierten die Fahrbahnen wie etwa in der Steigrainer Straße in Bad Kohlgrub sowie auf der Straße nach Unternogg und unmittelbar am Forsthaus Unternogg in Altenau. Am Nachmittag musste ebenfalls in Altenau eine Garage gesichert werden, die umzustürzen drohte. Beim Sommerhof in Bad Bayersoien hatte ebenfalls ein umgestürzter Baum eine Straße versperrt. In Oberammergau warf der Sturm ein Bushäuschen an der Eugen-Papst-Straße um, außerdem stürzte ein Baum auf ein Haus. Ansonsten blieb es weitgehend ruhig im Kofel-Ort. Die örtliche Polizeistation meldete keine größeren Vorkommnisse und Beschädigungen.

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