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Seit 2013 ruhen die Arbeiten am Kramertunnel, hier das künftige Nordportal. Ob bald weitergebaut wird, entscheidet sich spätestens am 18. September. 

Regierung von Oberbayern gibt grünes Licht

Kramertunnel: Es geht weiter - wenn keiner klagt

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    Katharina Bromberger
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Überrascht – sind sie alle. Begeistert die einen, wütend die anderen. Diese Nachricht löste in Garmisch-Partenkirchen Emotionen aus: Die Regierung von Oberbayern genehmigte am Freitag den Weiterbau des Kramertunnels. Wann dort gearbeitet wird, hängt von den Gegnern ab.

Setzt sich ein und wird gefeiert: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (4. v. l.) mit Anhängern der Zwei-Tunnel-Initiative.

Ob sie es tun? All die Tunnel-Befürworter, die Lärm- und Abgas-Geplagten? Ob sie Alexander Dobrindt ein Denkmal setzen? Eine Inschrift vielleicht oder eine Figur an jedem seiner Tunnel, die der Bundesverkehrsminister in den Landkreis bringt? In Oberau feiern sie den Peißenberger längst als Heilsbringer, erfüllte er ihnen doch die Umfahrung. In Garmisch-Partenkirchen sorgte er zuletzt bei seinem Auftritt im Bräustüberl für Hoffnung und Aufbruchstimmung. Der neue Planfeststellungsbeschluss für den Kramertunnel werde – nach vier Jahren Verfahren – noch im Sommer vorliegen, hatte er angekündigt. Genau das ist jetzt passiert. Am Freitagnachmittag gab die Regierung von Oberbayern grünes Licht für den Weiterbau der Ortsumfahrung Garmisch-Partenkirchen.

Seit 2013 ruhen die Arbeiten am Erkundungs- und Rettungsstollen der Ortsumfahrung. Das Staatliche Bauamt Weilheim musste diese 348 Meter vor dem Durchbruch einstellen, nachdem massive Probleme aufgetreten waren. Lockergestein und Wassereintritt machten den Experten zu schaffen. Irreparable Schäden an der Natur sind bereits entstanden, drei Quellen im Kramer-Massiv fielen trocken. Die Fragen, die ein neues Planfeststellungsverfahren klären musste: Wie geht man mit den Problemen um? Nach welchem Verfahren kann man den Weiterbau verantworten? Zur Debatte standen der kostspielige Einsatz einer Tunnelbohrmaschine, ein kostspieliges Enteisungsverfahren sowie das temporäre Absenken des Grundwasserspiegels.

Grundwasser wird vorübergehend abgesenkt

Als „Sauerei“ empfindet Axel Doering vom Bund Naturschutz die Dauer des Verfahrens.

Die Antwort gibt nun die Regierung von Oberbayern: Eine Prüfung habe ergeben, dass der Tunnel „mit einer vorübergehenden, örtlich begrenzten Grundwasserabsenkung gebaut werden kann“. Ein Verfahren, das die Naturschützer stets massiv kritisiert hatten. Wie sie das gesamte Projekt mit seiner aktuellen Trassenführung und der Verlegung der B23 stets massiv kritisiert hatten. Angesichts dieses Widerstands hat die eineinhalbseitige Presseerklärung der Regierung nicht nur die frohe Es-geht-endlich-weiter-Kunde für Tunnel-Befürworter. Vielmehr enthält sie auch eine Botschaft für die Tunnel-Gegner. Verkürzt ausgedrückt lautet sie: Wir haben Eure Bedenken gehört, verstanden, berücksichtigt.

So haben die Verantwortlichen laut Mitteilung auch die Auswirkungen des geänderten Bauvorhabens auf das Schutzgebiet Ammergebirge überprüft. Man habe die Stellungnahmen von 13 Behörden, sonstigen Trägern öffentlicher Belange und von anerkannten Umwelt-Vereinigungen sowie private Einwendungen ausgewertet. Und: „Diese wurden soweit wie möglich berücksichtigt.“ Zudem verspricht die Regierung: „Die unvermeidbaren Eingriffe in Natur und Landschaft werden mit einer etwa sechs Hektar großen Fläche ausgeglichen.“ Wo sich diese befindet, konnte Regierungssprecher Dr. Martin Nell am Freitagnachmittag nicht sagen. 

Ausgleichsflächen im Ammertal

Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) hatte bereits genauere Informationen: Die Flächen entstehen ihr zufolge in Oberammergau und Bad Kohlgrub – in ihren Augen überaus wichtige Schritte, um das Projekt zu realisieren. Dass es überhaupt soweit kommt, macht sie „sehr froh. Uns ist eine große Last genommen“. Zumindest vorerst. Denn wann tatsächlich an der Baustelle für die 5,6 Kilometer lange Umfahrung weitergearbeitet wird, liegt in der Hand der Naturschützer. Ob sie sich von Ausgleichsflächen und dem vermeintlich guten Willen der Regierung besänftigen lassen, werden die nächsten Wochen zeigen. Bis 18. September haben sie Zeit, Klage einzureichen – die einen Weiterbau blockieren würde.

Noch hat sich das Team um Axel Doering, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, in diesem Punkt nicht entschieden. Erst „werden wir uns den Beschluss genau anschauen. Diese Zeit werden wir uns nehmen.“ Wochen, die Tunnel-Befürworter mit Bangen und Hoffen verbringen dürften. Darunter die Mitglieder der Initiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“.

Kühn: „Hoffentlich kommt keine Klage“

Noch vor fünf Monaten hatte ihre Sprecherin Ursel Kössel von „Mutlosigkeit“ gesprochen, die sich angesichts des langen Stillstands – Doering bezeichnet die Tatsache, dass sich das Verfahren vier Jahre hinzog, als „unnötige Hängepartie“ und „unglaubliche Sauerei“ – breitgemacht habe. Mit gelben „Kramertunnel jetzt“-Bannern im Ort wollten Kössel, die am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, und ihre Mitstreiter der Initiative neuen Schwung verleihen. Den hat sie nun bekommen. Das macht auch den CSU-Landtagsabgeordneten Harald Kühn glücklich. Er gehört zu jenen, die den 18. September herbeisehnen. „Hoffentlich kommt keine Klage“, sagte er am Freitag. Denn dann werde Dobrindt sofort die Gelder für das 176-Millionen-Euro-Projekt freigeben. Der nächste entscheidende Schritt zum Kramertunnel. Und zum Denkmal.

Die Planunterlagen

liegen nun zwei Wochen lang öffentlich im Markt Garmisch-Partenkirchen, bei der Verwaltungsgemeinschaft Unterammergau und der Gemeinde Bad Kohlgrub aus. Ab 2. August ist der Planfeststellungsbeschluss unter www.regierung.oberbayern.de einzusehen.

Roland Lory

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