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„Der wundertätige Antonius“ mit Toni Weinberger (2.v.r.) in der Hauptrolle wird an diesem Samstag nicht auf der Bühne des rassen gespielt.

Kommunalpolitiker reagieren

Partenkirchner Bauerntheater muss einer rechten Gruppierung weichen 

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Das Partenkirchner Bauerntheater fällt am Samstag aus. Grund ist eine rechte Gruppierung, die an der Spielstätte „Rassen“ eine Demonstration zum Thema „Ja zum Grenzschutz“ angezeigt hat. Dass Garmisch-Partenkirchen zum Ort für rechte Aktivitäten zu werden droht, hat die Kommunalpolitik aufgeschreckt.

Garmisch-Partenkirchen – Peter Maurer ist betroffen. Sehr sogar. Das sieht man dem Vorsitzenden des Partenkirchner Bauerntheaters an. „So etwas ist in unserer langen Geschichte noch nie passiert“, sagt er. Seit 120 Jahren ist der Rassen die Spielstätte des Bauerntheaters. Das Stück „Der wundertätige Antonius“ mit Toni Weinberger in der Hauptrolle, das die Theaterer an diesem Samstag wieder auf die Bühne bringen wollten, fällt aus. Maurer hat sich schweren Herzens dazu durchgerungen, nachdem ihm am späten Dienstagabend zu Ohren gekommen war, dass der Wirt den Saal mit einer anderen Veranstaltung belegt hat. „Als ich erfahren habe, um wen es dabei handelt, habe ich beschlossen, wir gehen freiwillig raus“, sagt Maurer.

Dass der Gasthof in der Historischen Ludwigstraße, den Maurer als „unsere Heimat“ bezeichnet, in den vergangenen Jahren häufiger Anlaufstelle für Größen der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) geworden ist – neben Frauke Petry, Beatrix von Storch und Alexander Gauland machte zuletzt Alice Weidel dort Wahlkampf –, treibt ihn um. Das Haus habe dadurch „leichten Schaden genommen“. Mit Wirt Hubert Ecker gebe es immer wieder mal Meinungsverschiedenheiten. „Aber bisher haben wir uns stets zusammengerauft“, sagt Maurer. Weil Ecker den Rechtspopulisten seinen Saal zur Verfügung stellt, meiden andere Gruppen den Rassen mittlerweile. Im Dezember 2016 hatte das St.-Irmengard-Gymnasium die Weihnachtsfeier des Lehrerkollegiums in dem Gasthaus abgesagt.

Resolution auf Initiative der Bürgermeisterin erlassen

Der Aufmarsch der rechten Gruppierung, die zum Spektrum um Jürgen Elsässer und dessen rechtspopulistischem Magazin „Compact“ gehört, hat auch die Garmisch-Partenkirchner Kommunalpolitik aufgeschreckt. Auf Initiative von Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) wurde eine Resolution verfasst, die Zweiter Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) sowie die Vorsitzenden der Fraktionen im Marktgemeinderat, Elisabeth Koch (CSU), Florian Hilleprandt (CSB), Robert Allmann (SPD), Florian Möckl (Freie Wähler), Andreas Grasegger (Bayernpartei) und Dr. Stephan Thiel (Grün-Unabhängige Fraktion), mittragen. Darin heißt es: „Der Markt Garmisch-Partenkirchen spricht sich entschieden gegen jegliche Art von rechtsextremistischen Umtrieben und gegen Veranstaltungen mit menschenverachtenden und rassistischen Inhalten im Ortsgebiet aus. Organisationen, die sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung in unserem Land richten, lehnen wir grundsätzlich entschieden ab. Wir appellieren aus gegebenem Anlass an alle örtlichen Hoteliers und Gastronomen sowie an die Eigentümer von Veranstaltungsräumlichkeiten, ihre Immobilien nicht für derartige Veranstaltungen und solche Organisationen zur Verfügung zu stellen.“

Meierhofer hatte sich am Freitagmorgen dazu entschieden, Flagge zu zeigen. Die Fraktionsvorsitzenden stimmten der Rathaus-Chefin zufolge „innerhalb kürzester Zeit zu“. Was an diesem Samstag vor und im Rassen passiert, findet sie „ganz fürchterlich“. Ein Bild vor Ort gedenkt sie sich nicht zu machen. „Ich habe mich dagegen entschieden.“ Gleiches gilt für Koch, die sich mit den beiden Grünen Andreas Krahl, der die Demonstration gegen Weidel verantwortete, und Dorothée Sührig sowie Harald Helfrich (SPD) abgesprochen hat. Auch sie wollen der rechten Demo fernbleiben.

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