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Robert Allmann tritt aus der SPD aus.

Ab sofort fraktionslos

Paukenschlag in der SPD-Fraktion: Robert Allmann tritt zurück

Der einstige Hoffnungsträger Robert Allmann ist aus der SPD-Fraktion im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat ausgetreten. Dort bleibt er als Fraktionsloser bis Ende der laufenden Amtsperiode sitzen.

Update vom 10. November: Garmisch-Partenkirchen – „Eine schwere und schwarze Stunde für die kulturelle Arbeit in unserem Ort.“ Mit diesen Worten kommentierte Robert Allmann kürzlich den Tagblatt-Bericht über das gewaltige Defizit von 105 000 Euro beim Richard-Strauss-Festival 2019. „Ich fühle mich als Mitglied des Gemeinderats mitverantwortlich, habe die notwendigen Fragen zu spät gestellt und dem Ablauf des Festivals im Hintergrund zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.“ Allmann geht das Thema nahe, auch wenn es ihn direkt natürlich nicht mehr betrifft: Schließlich war er nur bis März 2018 Kulturreferent, ehe er dieses Amt sowie den Posten als Beirat für Wirtschaft und Soziales in der Zugspitz Region GmbH aus gesundheitlichen Gründen niederlegte.

Schon da hat sich sein schleichender Rückzug aus der Kommunalpolitik abgezeichnet. Fast ein Jahr später gab er auch seinen Fraktionsvorsitz der Genossen im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat ab. „Die ständige Präsenz der Ortsvorsitzenden in der SPD-Fraktion hielt ich für falsch und destruktiv, meine Kolleginnen und Kollegen nicht.“

Trotzdem kam es jetzt zum kompletten Zerwürfnis mit jener Partei, mit der er vor fast sechs Jahren in das Ortsparlament eingezogen ist: Allmann tritt aus der SPD-Fraktion aus. Künftig wird er als Fraktionsloser im Gremium sitzen. „Wahrscheinlich auf dem Platz von Peppi Braun“, mutmaßt er. Genau kann er das noch nicht sagen. Was er aber sicher weiß, sind die Gründe für seine Entscheidung.

Robert Allmann tritt aus SPD-Fraktion aus: Wahrheit und ehrlicher Umgang war ihm wichtiger

Auch wenn die Hiobsbotschaft rund um das Strauss-Festival nicht der einzige Grund für seine Entscheidung ist, darf sie doch als Zünglein an der Waage gewertet werden. Der Fachbereichsleiter der AOK gilt als besonnener, ausgeglichener Kopf, der im Umgang mit seinen Kollegen im Gemeinderat einen höflichen Ton pflegt, aber durchaus Härte zeigen kann. Doch eines ist ihm noch wichtiger: die Wahrheit und der ehrliche Umgang mit Fehlern.

So sieht sich der Genosse, der – noch zumindest – Parteimitglied ist, in moralischer Verantwortung für das Strauss-Festival. Es seien eben Fehler passiert. Man hat nicht genug Misstrauen an den Tag gelegt, zur richtigen Zeit nicht die richtigen Fragen gestellt. Doch ein vernünftiger Umgang mit Fehlern vermisst Allmann im Gemeinderat, gerade in seiner eigenen Fraktion. „In der Politik ist es leider so, dass da eine ganz andere Fehlerkultur herrscht als in der freien Wirtschaft.“

In der Politik habe man kein Verständnis für Fehler. Statt sie offen zu analysieren und aus ihnen zu lernen, damit sie künftig vermieden oder verbessert werden können, würden Probleme oder Versäumnisse oft schön geredet, „damit sie nicht als Schwäche ausgelegt werden“. Wichtig sei da nur, Macht zu erlangen oder zu halten. Dem kann Allmann nichts abgewinnen. Doch mit dieser Sichtweise stimmten nicht alle überein, seine Ehrlichkeit hatte nicht nur Befürworter. „Ich habe vieles im Gemeinderat nicht so gestalten können, wie ich es gerne gewollt hätte, als ich da reingerutscht bin.“ Damit meint er seine Wahl 2014 in den Gemeinderat. Ganz freiwillig war das nicht. „Ich wurde überredet, mich als Kandidat aufstellen zu lassen.“ So schnell konnte er gar nicht schauen, sei er plötzlich nicht nur im Gremium gesessen, sondern hatte zu Spitzenzeiten zusätzlich neun Positionen inne.

Robert Allmann tritt aus SPD-Fraktion aus: Nicht nur innerparteiliche Hürden waren schwer zu überwinden

Doch nicht nur innerparteiliche Hürden waren schwer zu überwinden. Allmann ist bekanntlich gesundheitlich angeschlagen. Seit 2007 ist er mit 80 Prozent Schwerbehinderung beziffert. Sein Körper macht den anspruchsvollen Berufsalltag und die vielen Mandate nicht mehr mit. Somit ist er innerhalb weniger Monate das dritte Gremiumsmitglied nach Alfred Heinle und Harald Helfrich, das die SPD-Fraktion verlässt. Das Verhältnis zu seinen Fraktionskollegen sei nach wie vor „sehr gut“: „Ich glaube schon, dass sie mich verstehen“, sagt er. „Vielleicht nicht den Zeitpunkt.“ Denn kurz vor dem großen Wahljahr 2020 ist sein Rückzug als Genosse im Gemeinderat ein Schlag für Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer (SPD), die sich bekanntlich um eine weitere Amtsperiode bemüht (wir berichten auf Seite 1). Doch auch hier ist Allmann wieder offen und ehrlich: „Ich musste jetzt handeln. Ich kann nicht sechs Monate schauspielern und so tun, als würde alles passen.“ Antreten wird er nächstes Jahr „mit hoher Sicherheit nicht mehr“. Seine Aufgabe im Kreistag und im Jugendhilfeausschuss möchte er noch bis zum Ende wahrnehmen. Ob er dort 2020 wieder kandidieren wird, lässt er aber offen, genauso, ob er SPD-Mitglied bleibt. „Das wird sich erst noch rausstellen.“

In den letzten sechs Jahren machte er mit vielen Projekten im Ort von sich reden. Wie beispielsweise sein Vorstoß zur Pflegeausbildung, neue Räume an den Berufsfachschulen für Kranken- und Kinderkrankenpflege Garmisch-Partenkirchen zu verwirklichen, den Brennpunkt am Fußweg der Eisenbahnbrücke vor dem Einkaufszentrum GEP zu entschärfen oder ein interkulturelles Integrationskonzept zu schaffen, um nur einige wenige Anliegen in der jüngsten Zeit aufzuzählen.

Originalmeldung von Freitag, 8. November: Garmisch-Partenkirchen – Einst SPD-Ortsfraktionsvorsitzender in Garmisch-Partenkirchen, wurde er sogar als Bürgermeister-Kandidat für die Partei gehandelt. Davon ist keine Rede mehr. Für Robert Allmann ist Schluss. Nicht nur als Fraktionschef, sondern auch als Parteimitglied. Mit sofortiger Wirkung verkündete Allmann am Mittwochabend bei einer internen Sitzung seinen Rücktritt aus der Partei – und damit seinen – fast – sicheren Ausstieg aus der Politik. Zwar wird er noch als Fraktionsloser bis zum Ende seiner Amtszeit 2020 im Gemeinderat sitzen. „Das bin ich meinen Wählern schuldig“, sagt er. Ob er sich noch einmal als Kandidat für die Kommunalwahl im März nächsten Jahres zur Verfügung stellen wird? „Mit hoher Sicherheit nicht mehr.“ Allmann wurde 2014 in das Gremium gewählt. Kurz darauf bekleidete er neben dem Posten des SPD-Fraktionsvorsitzenden acht weitere Ämter. Schon im letzten Jahr trat er aus gesundheitlichen Gründen von einigen zurück. (Bericht folgt). joho

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