Die Hochzeiten am Testzentrum: Lange Warteschlangen bildeten sich vor der Einrichtung.
+
Die Hochzeiten am Testzentrum: Lange Warteschlangen bildeten sich vor der Einrichtung.

Lagebericht zur Corona-Tests im Landkreis

PCR-Tests für 65 bis 135 Euro: Ab heute müssen viele Ungeimpfte kräftig für einen 3G-Nachweis zahlen

  • Christian Fellner
    VonChristian Fellner
    schließen

Milliarden hat der Freistaat in die Bürgertests gesteckt. Jetzt ist Schluss damit. Wer nicht geimpft ist, muss zahlen, wenn er einen Test für 3G benötigt. Gratis-Abstriche erhalten nur bestimmte Personengruppen. Ein Lage-Bericht aus dem Landkreis.

Landkreis – Man könnte die aktuelle Entwicklung in der Corona-Pandemie ganz gut mit einem Sprichwort beschreiben: Die Regierung zieht die Daumenschrauben an. Für Ungeimpfte wird es ungemütlicher. Ab kommendem Montag gibt es Tests nicht mehr zum Nulltarif – nur noch unter bestimmten Bedingungen. Und weil das der politischen Spitze offenbar nicht reicht, hat das bayerische Kabinett eins drauf gelegt: Es schuf die Möglichkeit, dass Veranstalter fast alle Freiheiten zurückbekommen (kein Abstand, keine Maske, keine zahlenmäßige Begrenzung), wenn sie auf 2G oder das neue 3G-Plus setzen. Im Klartext: Wenn sie nur Geimpften und Genesenen oder maximal Getesteten mit einem PCR-Nachweis Einlass gewähren.

Die Situation spitzt sich zu. Dr. Kristina Ott, Koordinatorin der Hausärzte in der Pandemie, kann das Vorgehen nachvollziehen. „Es gibt ja eine Alternative, auch wenn das leider die Impfung ist“, sagt sie sarkastisch. „Wer das nicht will, muss eben auf Veranstaltungen verzichten.“ Sie erwartet, dass viele Vereine und Organisationen auf den 3G-Plus-Zug aufspringen oder gar auf 2G umschwenken.

Für 3G braucht es Tests. Das ist bekannt. Einen Schnelltest samt Zertifikat für die weiche Auslegung, einen PCR-Abstrich mit Laboranalyse bei der verschärften Plus-Version. Beide Nachweis-Arten gab es seit Beginn der Pandemie grundsätzlich kostenfrei. Nun ist Schluss damit. Jedem Bürger, der geimpft werden könne, habe man ein Angebot unterbreitet, sei es über die Impfzentren oder aber die niedergelassenen Ärzte – so lautet die Argumentation. Ab dem 11. Oktober gibt es für einen Großteil der Bevölkerung keine kostenfreien Tests mehr.

Aktuell ist das für den Landkreis, der sich jetzt lange unter der 35er-Inzidenz befand, noch nicht ganz so entscheidend. Das könnte sich aber schnell ändern. Die Zahlen steigen. „Die 35 dürfte bald fallen“, befürchtet Wolfgang Rotzsche, Sprecher im Landratsamt. Dann ist klar: Normales 3G wird sofort wieder verpflichtend für Restaurant-Besuche oder andere Indoor-Aktivitäten. Der Bedarf an Testungen steigt dann deutlich, da sich an der Impfquote seit Wochen nicht mehr viel tut in der Region.

Doch wie sieht es um das Angebot im Landkreis aus? Das BRK hat seine Bemühungen eingestellt, sämtliche Stationen geschlossen. Bleiben private Betreiber wie die Garmischer Werbegemeinschaft, zahlreiche Apotheken und die niedergelassenen Ärzte. Und das staatliche Testzentrum in Garmisch-Partenkirchen, das seit September 2020 aufgebaut ist. Die Einrichtung des Landkreises bietet ab Montag nur noch sehr eingeschränkt Abstriche an. „Wir erheben auch zukünftig keine Kosten in unserer Station“, betont Dr. Karin Kübler, die Amtsärztin. Der Grund ist simpel: „Ab Montag unterbreiten wir nur noch bestimmten Personen ein Angebot.“ Im Umkehrschluss: Für den Nicht-Impfwilligen, der einen Nachweis benötigt, ist das Zentrum künftig tabu, da es nach Anweisung durch das Staatsministerium für Gesundheit nur ein kostenfreies Angebot für gewisse Personengruppen aufrechterhalten darf (siehe Kasten).

Ungeimpften bleiben dann die restlichen zertifizierten, durch das Gesundheitsamt anerkannten Einrichtungen im Landkreis. Deren zwei betreibt Michaela Nelhiebel mit ihrem Team des Garmischer Zentrums in Garmisch-Partenkirchen (Fußgängerzone) und in Grainau. Der Ansturm hat zuletzt deutlich nachgelassen. „Unter der Woche ist ganz wenig los, am Wochenende geht es besser“, bestätigt Nelhiebel. „Da kommen die Leute teilweise bis aus Bad Tölz zu uns.“ Logisch, die Nachbarlandkreise liegen seit Langem deutlich über der 35er-Inzidenz-Marke. Das Angebot will Nelhiebel derzeit nicht reduzieren. „Wir sehen das als Service für unsere Gäste, die Hotels, aber auch die Einheimischen.“ Dennoch müsse sie die Nachfrage schon im Auge behalten. „Wenn unser Landkreis wieder über die 35 geht, wird es sicher wieder mehr.“

Ab Montag muss das Team für die Abstriche Rechnungen stellen. Der Tarif steht bereits fest. 18 Euro wird ein einzelner Test kosten. „Aber wir bieten auch Fünfer- und Zehnerkarten an.“ Diese sind dann entsprechend günstiger. Fünf Tests liegen bei 80 Euro, zehn bei 140 Euro. „Wir haben da an Familien gedacht.“ Eine entscheidende Einschränkung gibt es aber bei der Station. „Wir dürfen keine PCR-Tests machen“, betont Nelhiebel. „Dazu fehlt uns die Erlaubnis, dazu bräuchten wir ganz andere Räumlichkeiten und Schutzausrüstung.“

PCR-Tests zu erhalten, dürfte sich im Falle einer Verschärfung der Corona-Vorschriften für Ungeimpfte zu einer echten Herausforderung entwickeln. Sicher gibt es sie an zwei Stationen der intervivos AG in Murnau und bei Schloss Elmau. Das Unternehmen kooperiert mit der Eurofins GmbH, die unter anderem Teststationen an den Flughäfen unterhält. Zu den Kosten war am Freitag keine Auskunft zu bekommen.

Die sind bei den Hausärzten sehr verschieden. Das betont Koordinatorin Ott. Die Allgemeinmedizinerin bestätigt, dass auch ab Montag viele Praxen im Landkreis weiterhin Tests anbieten werden – dann gegen Rechnung. Zu den Kosten kann aber auch sie nichts Konkretes sagen. „Das haben wir nicht in der Hand, das hängt vom jeweiligen Labor ab. Da liegen die Kosten für die Analyse zwischen 50 und 120 Euro.“ Nach ihrem Wissenstand arbeiten die Hausärzte in der Region mit mehr als zehn verschiedenen Einrichtungen zusammen. Bei den ärztlichen Leistungen wollen sich die Doktoren absprechen. „Die werden so zwischen 15 und 20 Euro liegen“, schätzt Ott. Macht in der Summe zwischen 65 und 135 Euro für einen PCR-Abstrich. Ott hat aber nicht wirklich Mitleid. „Warum sollte die Allgemeinheit weiter mit Steuergeldern die Tests bezahlen.“ Die Ärztin spricht sogar von „Spaß-PCRs“.

Eine wichtige Anmerkung hat sie für die Kunden: „Den Leuten muss bewusst sein, dass ein PCR-Test in jedem Fall bis zu 24 Stunden dauert.“ Und in den Praxen werde er auch maximal von Montag bis Freitag zu den Öffnungszeiten angeboten. „Bisher gab es bei uns keine große Nachfrage, aber mal sehen.“ Das normale Praxisgeschäft gehe aber in jedem Fall vor.

Noch braucht es die PCR-Abstriche nur für ungeimpfte Discofans oder manche Besucher von medizinischen Einrichtungen. Sollte sich 3G-Plus durchsetzen, ändert sich das. Dann könnte es für Ungeimpfte teuer werden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare