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Konstruktives Miteinander: Jutta Griess und Peter Nagel kommen hervorragend aus.

GaPa-Tourismus in gut drei Monaten quasi führungslos

Peter Nagel geht von Bord: Erste Reaktionen auf die Kündigung

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Seine Kündigung schlug ein wie eine Bombe: Tourismusdirektor Peter Nagel verlässt den Markt zum 31. März 2018. Zu den Gründen hält er sich bedeckt. Vertreter aus Politik und Hotellerie nehmen die Rathaus-Verwaltung und Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer in die Verantwortung.

Garmisch-Partenkirchen – Stillstand – ein Horrorszenario. Für alle, die in der freien Wirtschaft tätig sind. Aber auch für diejenigen, die im Tourismus arbeiten. In Garmisch-Partenkirchen herrscht Stillstand. Nicht im Kleinen, da tut sich viel. Aber große Vorhaben stagnieren. Die besten Beispiele: der Umbau und die Erweiterung des Kongresshauses und die Umwandlung von Amt 80, als das GaPa-Tourismus innerhalb der Rathaus-Verwaltung geführt wird, in eine andere Rechtsform. Themen, über die seit Jahren diskutiert wird, die unzählige Male schon auf der Tagesordnung standen, die aber nach wie vor nicht entschieden sind. „Ich habe den Eindruck, hier wird mehr verwaltet als gestaltet“, bedauert Florian Hilleprandt. „Zermürbend“ nennt der Vorsitzende der CSB-Fraktion im Gemeinderat diesen Zustand. „Gerade für die Verantwortlichen.“ Ob es allein daran liegt, dass die beiden führenden Köpfe nun GaPa-Tourismus verlassen, vermag er nicht zu beurteilen. Ein Übriges hat sicher der angesprochene Stillstand getan.

Nach Peter Ries, der sich nach dieser Woche in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet, hat nun Peter Nagel gekündigt. Der Gemeinderat stimmte am Mittwoch in nicht öffentlicher Sitzung der Aufhebung seines Vertrags zu. Das heißt: Nach 22 Jahren verlässt er den Markt zum 31. März 2018. „Ich gehe nicht, weil’s mir keinen Spaß mehr macht“, betont der 51-Jährige. „Auch nicht, weil ich mit den Leistungsträgern nicht klar komme oder wegen meines Teams.“ All das passt. Gerade auf seine Kollegen lässt Nagel nichts kommen. Das hervorragende Miteinander hebt er immer wieder hervor. Nur gemeinsam sei es möglich gewesen, Garmisch-Partenkirchen zu dem zu machen, was es jetzt ist. Ein Ort, der sehr gute Zahlen schreibt. Und vor allem einer, der endlich aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wurde.

Suche nach neuer Rechtsform zieht sich: „Eine Bankrotterklärung der Verwaltung“

Wer mit Nagel spricht, erkennt die Wertschätzung, die er für seine Mannschaft hegt. Genau diese sei ihm aber nicht entgegengebracht worden, kritisiert Elisabeth Koch. Neben Kollegen aus der Politik denkt die Fraktionsvorsitzende der CSU auch an die Rathaus-Verwaltung und vor allem deren Chefin, Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). „Der Fisch stinkt vom Kopf her“, zitiert Koch eine alte Redensart. In dieser Konstellation „hat Peter Nagel für sich offenbar keine Perspektive gesehen“. Somit kann sie den Schritt, den er vollzogen hat, verstehen. „Ich wünsche ihm, wo immer ihn der Wind hintreibt, dass er jetzt die Wertschätzung erfährt, die er verdient.“

Dass GaPa-Tourismus in gut drei Monaten quasi führungslos dasteht, nennt Jutta Griess, Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, „eine Katastrophe“. Seit zwei Jahren werde eine neue Rechtsform für GaPa-Tourismus gesucht. Ein Ergebnis lasse nach wie vor auf sich warten. „Ich bin stocksauer“, empört sich Griess. „Das Resultat ist eine Bankrotterklärung für die Verwaltung.“ Sie nimmt aber auch Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), die gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war und nur per Pressemitteilung auf Nagels Verdienste um die Entwicklung eines Markenleitbilds sowie einer touristischen Strategie hinwies, in die Verantwortung: „Wenn man vor allem einen ausgeglichenen Haushalt und eventuell noch die Gesundheitsbranche im Blick hat, ist das zu wenig. Damit macht sie den Ort kaputt. Das muss ich ihr vorwerfen.“ Ins selbe Horn stößt Peter Fischer, der nicht nur die Ski-Weltcup-Rennen organisiert, sondern auch den City-Biathlon. „Das ist verfehlte Rathauspolitik. Eines der wichtigsten Standbeine unseres Ortes schwimmt führungslos im Ozean umher“, sagt der Vorsitzende des Skiclubs Garmisch. „Die Kapitäne sind von Bord, jetzt wird einfach auf Automatik geschaltet. Das darf nicht sein.“

Wie geht‘s weiter bei GaPa-Tourismus?

Die Frage, wie es nun weitergeht, bleibt eine spannende. Thorsten Unseld, der als neuer Kaufmännischer Leiter die Nachfolge von Ries angetreten hat, arbeitet bereits seit drei Monaten am Richard-Strauss-Platz. Er allein kann aber wahrscheinlich die Lücke, die durch den Weggang der beiden Tourismusdirektoren entsteht, nicht schließen. „Jetzt hat man die Chance, die Weichen zu stellen“, meint Fischer. Auch um nach Nagels Kündigung nicht weitere auf den Tisch zu bekommen. Wenn die Motivation bei den Chefs nachlässt, kann das ihm zufolge auch bei den Mitarbeitern passieren.

Auf solche Spekulationen lässt sich Nagel nicht ein. Er ist ein Macher, einer, der seinen Heimatort voranbringen will. Deshalb hatte er auch im August 2015 ein lukratives Angebot ausgeschlagen und war in Garmisch-Partenkirchen geblieben. „In der Hoffnung, dass sich etwas weiterentwickelt.“ Erfüllt hat sich diese nicht. Somit zieht er seine Konsequenzen. Wohin er sich beruflich orientiert, dazu äußert er sich nicht. Noch nicht. „Aber ich hinterlasse ein gut bestelltes Feld.“

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