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Kämpft für St. Anna: Kirchenpfleger Josef Angelbauer versucht alles, um die komplette Sanierung durchzusetzen. .

Die Pfarrei Maria Himmelfahrt kämpft für die St.-Anna-Kirche

Diözese lässt Wamberg im Stich

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Die Enttäuschung ist groß in der Pfarrei Partenkirchen. Die Erzdiözese München-Freising gibt kein Geld für die Inneninstandsetzung der Wamberger Kirche St. Anna frei. Der Grund: „Zu wenig pastorale Nutzung.“ Das kleine Gotteshaus soll trotzdem saniert werden – über Spenden und mit tatkräftigen Helfern.

Ein Schmuckstück: Außen erstrahlt die Kirche St. Anna in Wamberg bereits in neuem Glanz.

Wamberg – Sie ist etwas ganz Besonderes. Einzigartiges. Ein Unikum. Schon allein deshalb, weil St. Anna in Wamberg die höchstgelegene Kirche Deutschlands ist. 1720 wurde das Gotteshaus an Stelle einer kleinen Kapelle auf 1016 Metern Höhe errichtet. Ein Jahr später wurde es der Heiligen Anna, der Mutter der Jungfrau Maria, geweiht. Ihr Inneres ziert ein barocker Hochaltar, der seinesgleichen sucht. „Ein einmaliges Kunstwerk“ nennt Kirchenpfleger Josef Angelbauer die Arbeit von Andreas Onich. Der Bildhauer, der aus Wamberg stammt, war eigens aus Prag angereist, um seinem Heimatort ein wahres Schmuckstück zu bescheren. „Soweit uns bekannt ist, hat er’s umsonst gemacht“, sagt Angelbauer. Im Zentrum des Hochaltars steht die Darstellung der „Anna selbdritt“, also der Heiligen Mutter Anna mit dem Marien- und Jesuskind auf dem Arm.

Dass dieses Werk künstlerisch sehr wertvoll ist, wissen die Vertreter der Erzdiözese München und Freising. Deshalb sagten sie zunächst 2014 zu, neben der Sanierung des Außen- auch die des Innenbereichs zu fördern. Das ist mittlerweile Geschichte. Neue Richtlinien, die den Unterhalt und die Renovierung von Bauwerken im Zuständigkeitsbereich der Erzdiözese regeln, sind schuld daran. „Neben der baufachlichen fließt nun auch die seelsorgerische Bewertung ein“, erklärt Sprecherin Bettina Göbner. Zu jeweils einem Drittel. Und bei letzterem verlieren die Wamberger. „Zu geringe pastorale Nutzung“, zitiert Angelbauer aus dem Schreiben, das ihn und seine Mitstreiter zutiefst enttäuscht hat. Vier Gottesdienste im Jahr für die 70 Bewohner des Garmisch-Partenkirchner Ortsteil seien nicht ausreichend. „Wir haben uns natürlich massiv dagegen gewehrt“, betont der Kirchenpfleger. „Und umgehend Widerspruch eingelegt.“ Alles vergebens. Ihr Ansinnen wurde immer wieder abgelehnt – mit besagter Begründung. Zuletzt vor wenigen Wochen.

Pfarrei stemmt Innen-Sanierung aus eigener Kraft 

Der Frust ist groß bei Angelbauer und allen anderen Kämpfern für St. Anna. Ans Aufgeben denken sie trotz aller Rückschläge nicht. Ihr gemeinsames Ziel: die Inneninstandsetzung der Kirche aus eigener Kraft zu stemmen. Damit wollen sie gleich Anfang Januar starten. „Schritt für Schritt“, sagt Angelbauer.

Der finanzielle Grundstock für dieses Vorhaben ist zu seiner Erleichterung mittlerweile gelegt. Insbesondere die Zusage der Bauer’schen Barockstiftung, die knapp 100 000 Euro für den Hochaltar bewilligt hat, hebt der Garmisch-Partenkirchner hervor. „Dieses Geld muss bis 2018 abgerufen werden.“ Somit war klar, dass die Arbeiten beginnen müssen, auch wenn noch nicht alle Kosten gedeckt sind. Angelbauer kalkuliert momentan mit 560 000 Euro. Eine stolze Summe. Spendengelder in Höhe von 60 000 Euro liegen noch für St. Anna auf dem Konto der Pfarrei. Marktgemeinde und Landkreis beteiligen sich mit jeweils 10 000 Euro. Ein Antrag bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz läuft. „Es schaut gut aus, dass sie sich beteiligt“, sagt Angelbauer. Auch die Wamberger leisten zu seiner Freude ihren Beitrag. „Die ganzen Jahre haben sie den Großteil ihrer Jagdpacht gesammelt, den stellen sie jetzt für die Kirche zur Verfügung.“

Hoffen auf Spenden und tatkräftige Helfer

Salpeter frisst sich durchs Mauerwerk: Die Schäden im Inneren des barocken Gotteshauses sind deutlich zu erkennen.

Neben dem Altar ist es vor allem die Raumschale, die zunächst auf Angelbauers Agenda steht. „Der Putz muss teilweise abgeschlagen werden.“ Salpeter, der sich ins Mauerwerk gefressen hat, sorgt für deutlich sichtbare Schäden. Außerdem gilt es, die Statik der Empore zu prüfen. „Wir fürchten, dass die Tragbalken morsch sind. Das ist die große Unbekannte.“ Auch der Tragbalken für das Gewölbe, der eigentlich im Zug der Außenrenovierung auf dem Programm stand, ist ein Teil der Arbeiten. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass dieser besser im Zuge der Inneninstandsetzung angepackt werden soll, wurden 100 000 Euro von der Erzdiözese bislang nicht abgerufen und ruhen noch auf dem Konto der Pfarrei. Ein Beitrag für die Inneninstandsetzung, wie es Göbner sieht, ist das freilich nicht.

Um das Großprojekt St. Anna zu stemmen, hofft Angelbauer nicht nur auf Geld, sondern auch auf tatkräftige Helfer. „Handlanger-Arbeiten können wir selber machen. Vielleicht stellen sich dafür auch Vereine zur Verfügung.“

Ziel ist es, die Kosten möglichst einzudämmen, um das barocke Gotteshaus bis zu seinem 300. Patrozinium 2021 in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. „Wir arbeiten uns jetzt sukzessive vor.“ Aus eigener Kraft, weil die Erzdiözese ihre Förderzusage zurückgezogen hat. Dass St. Anna ein einzigartiger Kunstschatz ist, fließt nur mehr zu 20 Prozent in den Bewertungskatalog für die Vergabe von Zuschüssen ein. Pech für die Wamberger.

Wer helfen will,

den barocken Innenraum der St.-Anna-Kirche in Wamberg zu restaurieren, kann sich auf zweierlei Weise einbringen. Zum einen sucht die Pfarrgemeinde Partenkirchen Freiwillige, die Handlanger-Arbeiten verrichten. Interessierte können sich unter Telefon 0 88 21/9 67 00 80 im Pfarrbüro melden. Zum anderem werden weiterhin Spenden gebraucht. Wer einen finanziellen Beitrag leisten will, der kann das unter dem Verwendungszweck St. Anna auf das Konto der Pfarrei IBAN DE42 7035 0000 0000 3181 62 bei der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen tun.

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