Falsche Diagnose

Pfusch an Garmischer Klinik: Lenggrieserin wird Brust amputiert – sie hatte keinen Krebs

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Vor drei Jahren hat eine Mutter von zwei Kindern Klage beim Landgericht München II eingereicht: Sie bekam eine Brust amputiert, dabei stimmte die Krebsdiagnose nicht.

Garmisch-Partenkirchen/Lenggries - Bettina W. erinnert sich noch genau an den Anruf im Jahr 2013, bei dem ihr die Diagnose mitgeteilt wurde. „Das war schlimm“, sagt die 47-Jährige aus Lenggries (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) mit Tränen in den Augen. Zwei Pathologen aus dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen hatten Brustkrebs bei ihr diagnostiziert. Ihre rechte Brust wurde amputiert. Doch später stellte sich heraus: Die Diagnose ist falsch, W. ist kerngesund. Die Brust wurde zu Unrecht abgenommen. In der Folge bekam sie auch noch eine Frozen Shoulder (Schultersteife), sie muss bis heute Krankengymnastik machen. Vor drei Jahren reichte die Mutter von zwei Kindern, Klage beim Landgericht München II ein. Sie fordert 80.000 Euro Schmerzensgeld vom Klinikum, 13.000 Euro für materielle Schäden und die Feststellung, dass ihr auch künftige Schäden ersetzt werden müssen. Am Dienstag rangen die Parteien vor Gericht um einen Vergleich.

Der Anwalt des Krankenhauses schlug rund 35.000 Euro Schmerzensgeld vor, das Gericht sprach von 55.000 Euro. Doch die Patientin lehnte ab. „Ein Vergleich geht gar nicht“, sagte sie. Sie wolle keinen Kompromiss eingehen. „Ich will ein Urteil, in dem schwarz auf weiß steht, dass es sich um einen groben Fehler handelt.“ Die Geschichte begann im Juni 2013. W. musste im Klinikum Garmisch-Partenkirchen wegen eines Fibroadenoms (gutartiges, tumorartiges Brustdrüsengewebe) operiert werden. Anschließend teilte die Pathologie mit, dass es sich um ein Mammakarzinom (bösartiger Tumor der Brustdrüse) handelt. 

Patientin wirft dem Klinikum Vertuschung vor

Bei einer Nach-Operation wurde ein weiteres Fibroadenom entdeckt, das hinterher ebenfalls als bösartig diagnostiziert wurde. Die Ärzte rieten zur Amputation, die die Lenggrieserin dann auch am 25. Juli 2013 vornehmen ließ. Vom Klinikum über Testergebnisse vertröstet, schickte W. schließlich selbst Gewebeproben nach München. Das Klinikum rechts der Isar teilte ihr mit, dass alle Proben tumorfrei seien. Auch ein Spezialinstitut in den USA, zu dem das Krankenhaus Garmisch-Partenkirchen Proben geschickt hatte, war dreimal zum gleichen Ergebnis gekommen: tumorfrei. Das empört W. besonders. „Das Fatale an der Geschichte ist, dass das Klinikum seit dem 22. Juli 2013, also vor meiner Total-Operation, über meinen negativen Befund Bescheid wusste.“ Man habe sie nicht unverzüglich informiert, „sondern die Angelegenheit weiterhin vertuscht und mich somit in die noch zu vermeidende Brust-Amputation laufen lassen“. 

Damit nicht genug: Im Prozess vor dem Landgericht bekamen die Pathologen aus Garmisch-Partenkirchen die Chance, die Gewebeschnitte noch einmal zu untersuchen. Das Ergebnis: „Sie haben mir trotzdem eine zweite Krebsdiagnose verpasst“, sagt die Lenggrieserin. „Es wurde vertuscht und gelogen, das kann ich alles beweisen.“ Sie ist zutiefst enttäuscht: „Hätte sich von Anfang an jemand bei mir entschuldigt, würden wir gar nicht hier sitzen.“ Schließlich wurde ein Pathologie-Professor aus Erlangen als Sachverständiger bestellt. In seinem Gutachten heißt es klipp und klar, „dass das Verhalten der beklagten Partei aus medizinischer Sicht nicht nur einem einfachen, sondern einem groben Behandlungsfehler entspricht und als Verstoß gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln zu werten ist“. Nun muss das Gericht noch die Summe der Entschädigung bemessen. Dafür soll im April der Ehemann als Zeuge aussagen.

Lesen Sie hier: Die Hohenlindener Unternehmerin Friederike Aschenbrenner macht mit Hilfe junger Frauen in besonderer Weise auf das Thema Brustkrebs aufmerksam. Wir haben sie besucht.

Video: Wenn Mama Krebs hat - Dieses Kind kennt die traurige Wahrheit

Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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