Das Online-Geschäft brummt: Kathrin Auer (l.) und Madeleine Baruk, Mitarbeiterinnen der „Chocolaterie Amelie“, beim Verpacken von Bestellungen. Inhaber Franz Kässer ist Vorsitzender von „Partenkirchen erleben“.  Foto: Sehr
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Das Online-Geschäft brummt: Kathrin Auer (l.) und Madeleine Baruk, Mitarbeiterinnen der „Chocolaterie Amelie“, beim Verpacken von Bestellungen. Inhaber Franz Kässer ist Vorsitzender von „Partenkirchen erleben“.

Marktgemeinde bietet Hilfe an

Online-Präsenz im Shutdown: Plan B für den Einzelhandel

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Not macht erfinderisch: Der Markt Garmisch-Partenkirchen greift den heimischen Einzelhändlern unter die Arme und hilft ihnen dabei, eine Online-Präsenz samt Lieferservice aufzubauen. Dies kann im Shutdown überlebenswichtig sein. Mit im Boot: ein Startup aus Oberau.

Garmisch-Partenkirchen – Es ist nur ein schwacher Trost für den stationären Einzelhandel, dass viele Verbraucher die letzte Shopping-Chance vor dem harten Corona-Shutdown nutzten und die Kassen noch einmal klingeln ließen. Denn ab Mittwoch, 16. Dezember, muss ein Großteil der Läden mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft vorerst bis zum 10. Januar schließen – ein schmerzhafter Einschnitt, der viel Umsatz kosten und schlimmstenfalls Betriebe in Schieflage bringen wird.

Branche erleidet hohe Verluste

„Das ist eine Katastrophe“, sagt Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern, der sich als Sprachrohr der Branche versteht. Rund 40 000 Geschäfte werden seinen Angaben zufolge im gesamten Freistaat in die staatlich verordnete Zwangspause geschickt, um den Infektionsschutz zu erhöhen. Dadurch entstünden Verluste von 150  Millionen Euro – jeden Tag. Die Folge: Tausende von Jobs stünden auf der Kippe.

Kreativität ist gefragt, um diese schwierige Zeit zu überstehen. In Garmisch-Partenkirchen gibt es nun Bemühungen, den Verkauf zumindest auf Sparflamme weiterlaufen zu lassen. Die Idee: eine Internet-Präsentation mit dem Verweis auf einen – falls vorhandenen – Lieferdienst. Die Marktgemeinde bietet den regionalen Händlern eine solche Plattform zum Nulltarif an und arbeitet mit dem Oberauer Tino Ruderisch zusammen. Der Startup-Unternehmer entwickelt seit Beginn der Corona-Krise die Homepage dieLiefern.de – und hat Großes vor. Das Motto: „Kauf lokal statt global!“ Für Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) steht fest: „Es muss jetzt schnell gehen. Es war absehbar, dass ein zweiter Lockdown kommt. Daher freut es mich, dass wir diese schnelle und unbürokratische Online-Präsenz für unsere Händler anbieten können.“ Ihr Appell: „Wir müssen zusammenhalten und den Einzelhandel, unsere Gastronomen, aber auch unsere Bürger unterstützen.“

Erst 25 Adressen registriert

Das Projekt dieLiefern.de steckt noch in den Kinderschuhen. Derzeit sind gerade mal 25 Adressen registriert. „Ich würde das gerne ausbauen“, berichtet Ruderisch. Er könne sich vorstellen, eines Tages einen großen Online-Shop mit Bestellmöglichkeiten und eigenem Heimbringservice zu betreiben. Ruderisch rät, das Internet als Chance zu begreifen. Denn: „An der Digitalisierung führt kein Weg vorbei.“

Und was sagen die Garmisch-Partenkirchner Händler zum Angebot der Kommune? „Das ist besser als nichts“, findet Franz Kässer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Partenkirchen erleben“. „Ich bin froh, dass es diese Plattform gibt“, fügt der Inhaber einer Chocolaterie hinzu. Die Ideallösung wäre es allerdings, wenn die Wirtschaftsförderung des Rathauses eine lokale Verkaufsplattform mit Lieferdienst schafft. Er selbst könnte diesen derzeit gar nicht stemmen, berichtet Kässer. Denn das Online-Geschäft habe bei ihm spürbar zugelegt – und die Versandvorbereitung binde die Kräfte.

Einen Schritt weiter ist man in Murnau. Dort sammelt der Wirtschaftsförderverein erste Erfahrungen mit dem Konzept, die gewünschten Waren den Kunden nach Hause zu bringen. Die Interessenvertretung bietet seit vergangener Woche eine solche Dienstleistung gratis an. Man kann die Waren telefonisch oder per Internet bestellen. Diese werden dann von einem Sammelpunkt aus ausgeliefert – per Fahrrad oder Auto. Sogar die umliegenden Dörfer gehören zum Einzugsgebiet der Aktion, die vorerst bis Weihnachten läuft und von der Gemeinde unterstützt wird.

Und wie wird das Rundum-sorglos-Paket angenommen? Es spricht sich offenbar herum. Denn am Montag wurden laut Mitinitiatorin Juliane Pusch acht Pakete ausgefahren – ein Anfang. Das Beste dabei ist: Wer vor 12 Uhr eine Order aufgibt, bekommt noch am selben Tag das Wunschprodukt. „Wir sind schneller als das Internet“, berichtet Pusch stolz.

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