Ungewöhnliche Beute 

Planeggerin klaut 17 Lederhosen - auch in Garmisch-Partenkirchen 

17 Lederhosen hat eine 54-jährige Frau aus Planegg mitgehen lassen, um sie bei einem Internet-Auktionshaus zu verkaufen. Nun saß sie dafür in Garmisch-Partenkirchen auf der Anklagebank - ebenso wie ein 74-jähriger Münchner.

Garmisch-Partenkirchen – Eine gute Lederhose hat ihren Preis. Dieser Umstand lockt offenbar auch Diebe an. Weil sie 17 dieser Exemplare gestohlen haben soll, saß eine 53-jährige Frau aus Planegg jetzt vor dem Schöffengericht in Garmisch-Partenkirchen. Auf der Anklagebank musste zudem ein 74-jähriger Münchner Platz nehmen.

Staatsanwalt Florian Schweyer skizzierte, was es mit dem Fall auf sich hat. Zwischen 1. Januar und 8. September 2015 habe die Frau alleine beziehungsweise mit dem Mann in drei Geschäften 17 Lederhosen mit einem Gesamtpreis von rund 8600 Euro gestohlen. Einer der Läden befindet sich in Garmisch-Partenkirchen, die anderen in München und Eitting (Landkreis Erding). Die Ware habe die Planeggerin dann beim Internet-Auktionshaus Ebay verkauft, wobei das Finanzielle über ein Konto des Münchners abgewickelt worden sei. Den Erlös verwendete sie, um diverse Einrichtungsgegenstände zu kaufen.

Ein Paypal-Konto lief auf den Namen des Münchners

Die Angeklagte, die ihre blonden Haare hochgesteckt hatte, einen weißen Pullover und dazu eine beige Hose trug, räumte sämtliche Diebstähle ein. Sie habe diese alleine begangen und „sie hat auch die Beute alleine veräußert“, erklärte ihr Anwalt Christian Finke. Wie ein Polizeibeamter als Zeuge aussagte, hatte die 53-Jährige eine Vollmacht über das Girokonto des Mitangeklagten. Ein Paypal-Konto lief ebenfalls auf den Namen des Münchners.

Viele Angaben zu den Diebstählen und dem Drumherum machte die Planeggerin nicht. Als es um ihre persönlichen Verhältnisse ging, wurde sie gesprächiger. Demnach hatte sie es im Leben nicht leicht. Sie berichtete von Schlägen in ihrer Jugend, mehreren Aufenthalten in der Psychiatrie und Obdachlosigkeit. Bis auf Gelegenheitsjobs hatte sie seit 2003 keine feste Arbeit. Bewerbungen fruchteten anscheinend nicht. Mit dem Gesetz ist sie bereits häufiger in Konflikt gekommen. Im Vorstrafenregister finden sich 13 Einträge. Die Angeklagte saß in der Vergangenheit wegen Diebstahls, Betrugs und Erschleichung von Leistungen vor Gericht. Zuletzt war sie 2008 zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt worden. In psychiatrischer Behandlung ist sie seit 2005.

Bemerkenswerte kriminelle Energie? 

Trotzdem habe sie „am laufenden Band Straftaten“ begangen, monierte der Staatsanwalt. „Sie sind eine erfahrene Diebin.“ Warum verwendete sie für die Geschäfte nicht ihr eigenes Konto? Darauf bekam Richter Andreas Pfisterer von der Angeklagten keine Antwort.

Hingegen erklärte sie, dass sie auch „spirituelle und energetische Hilfe gesucht“ habe. Fündig wurde sie dabei offensichtlich bei dem 74-jährigen Mitangeklagten. Dieser sei „väterlicher Freund und Bezugsperson“ sowie „einziger Anlaufpunkt und Kummerkasten“ geworden. Der Münchner – kariertes Hemd, blaue Hose, hagere Gestalt – ist nach eigenen Angaben als „Lebensberater“ tätig und macht „Energiearbeit“.

Staatsanwalt Schweyer attestierte der Angeklagten eine „bemerkenswerte kriminelle Energie“ und forderte eine Gesamtstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Verteidiger Finke meinte hingegen: „Man sollte es nicht übertreiben.“ Seine Mandantin habe einige Schicksalsschläge erleiden müssen. „Das rechtfertigt natürlich in keinster Weise die Begehung solcher Straftaten.“ Finke beantragte eine Gesamtstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Das Schöffengericht beschloss letztlich nach vierstündiger Verhandlung, das Verfahren auszusetzen und ein psychiatrisches Sachverständigengutachten einzuholen. Damit soll geklärt werden, ob die 53-Jährige vermindert schuldfähig ist.

Im Falle des Mitangeklagten wird das Verfahren eingestellt, wobei der Mann aber eine Geldauflage von 2500 Euro zahlen muss. Damit zeigten sich sowohl der Staatsanwalt, als auch der Rechtsbeistand des Münchners einverstanden. Die Summe geht an die drei geschädigten Geschäfte.

Roland Lory 

Rubriklistenbild: © Symbolbild Picture Alliance /dpa

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