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Sorgen für Sicherheit: (v. l.) Polizeihauptkommissar Josef Grasegger, Polizeidirektor Thomas Kirchleitner und Erster Polizeihauptkommissar Thomas Holzer. 

Sicherheitswacht weiter im Gespräch 

Polizei setzt auf Video-Überwachung auf zwei Beinen

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Großveranstaltungen sowie Bergunfälle und Vermisstensuchen belasten die Polizei. Trotzdem präsentieren die Vertreter der Inspektion Garmisch-Partenkirchen positive Zahlen: Die Straftaten nehmen ab, die Aufklärungsquote steigt. Gespräche über eine Sicherheitswacht laufen.

Garmisch-Partenkirchen – Die Sicherheitslage ist gut im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen. Das ist die wichtigste Erkenntnis aus den Zahlen von 2016, die Polizeichef Thomas Kirchleitner und sein Stellvertreter Thomas Holzer am Freitag den Bürgermeistern präsentierten. Neben der Marktgemeinde umfasst ihr Dienstgebiet Farchant, Grainau, Oberau, Ettal, Ober- und Unterammergau – das bedeutet gut 373 Quadratkilometer Fläche, auf der 44 740 Menschen leben. „Die Zahlen liegen unter dem Landesdurchschnitt“, betont Kirchleitner. „Die Gesamtzahl der Straftaten ist im Fünf-Jahres-Vergleich zurückgegangen.“ Dabei ist ihm allerdings der Widerspruch zwischen der tatsächlichen Sicherheitslage und dem Gefühl der Bevölkerung bewusst. Letzteres „hat für uns oberste Priorität“.

Deshalb läuft auch die Abstimmung, ob in Garmisch-Partenkirchen eine Sicherheitswacht installiert werden soll. Eine Video-Überwachung auf zwei Beinen, meint Holzer. Das heißt, die geschulten Kräfte sind im Ort unterwegs, beobachten etwas und melden es dann per Funk der Inspektion. Dieses Modell, das unter anderem bereits in Schongau läuft, muss Kirchleitner zufolge auf drei Säulen stehen: einer gut aufgestellten Polizei, einem ebenso ausgestatteten Ordnungsamt der Gemeinde sowie der Sicherheitswacht, in der sich Bürger für Bürger engagieren. Aktuell läuft die Abstimmung mit dem Markt.

„Für die Polizei bedeutet das natürlich Mehrarbeit“, räumt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) ein. Daher hält sie es für unerlässlich, endlich die freien Stellen in der Inspektion nachzubesetzen. Die entsprechende Bitte trägt sie nun bei den Zuständigen vor. „Wie das Ordnungsamt in das Ganze involviert wird, muss man noch besprechen.“ Klar ist für sie, dass der Gemeinderat das letzte Wort hat. „Dem will ich nicht vorgreifen“, sagt Meierhofer. „Jeder soll sich seine eigenen Gedanken machen.“

Was sie aber genau wie die Vertreter der hiesigen Inspektion freut, ist die Statistik. Den Anstieg von Körperverletzungen auf 332 – 2015 im G7-Gipfel-Jahr waren es 323, im Jahr zuvor aber nur 248 – erklärt Holzer mit den Asylbewerbern. „Das sind teilweise heftige, massive Vorfälle, die in der Regel untereinander passieren.“ Das heißt in der Unterkunft attackieren sich Flüchtlinge – beispielsweise aus ethnischen oder familiären Gründen.

Während Sachbeschädigungen, Verkehrsunfälle und Wohnungseinbrüche zurückgehen, belasten Alpinunfälle und Vermisstensuchen die Beamten über die Maßen. „Im Schnitt müssen wir jeden Tag einen Menschen suchen“, verdeutlicht Holzer das Dilemma. Ein Problem, das auch an der Altersstruktur in seinem Dienstbereich liegt. Häufig sind Senioren betroffen, die möglicherweise an Demenz erkrankt sind. Stark in Anspruch werden die beiden Polizei-Bergführer und der Alpinbeamte aber auch von  Einsätzen am Berg genommen. 64 waren es im vergangenen Jahr – dabei sind neun Menschen gestorben. „In diesen Fällen wird erst einmal wie bei einem Tötungsdelikt ermittelt, das ist ein enormer Aufwand“, sagt Holzer. „Damit sind die Kollegen teilweise Tage befasst.“

Eine Besonderheit im Inspektionsbereich sind die Großveranstaltungen wie Neujahrsspringen, Ski-Weltcup, Veranstaltungen im Passionstheater und die BMW Motorrad Days, die wieder am zweiten Juli-Wochenende stattfinden. All diese Ereignisse erfordern nicht nur viel Personal, sondern müssen Kirchleitner zufolge mittlerweile auch unter dem Aspekt der Terrorgefahr begleitet werden.

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