+
Ernste Gesichter, gute Nachrichten: Überwiegend positive Zahlen präsentieren (v. r.) Landrat Anton Speer, Polizeipräsident Robert Kopp und sein Vize Harald Pickert. 

Beste Laune bei Sicherheitsgespräch

Landkreis: Bald freiwillige Polizeihelfer im Einsatz?

  • schließen

Bürgerwehr. Blockwart. Wichtigtuer. Robert Kopp winkt ab. Der Polizeipräsident kennt die vielen Vorurteile, die eine Sicherheitswacht begleiten – und will sie abbauen. Er wirbt für das Polizeiprojekt mit ehrenamtlichen Helfern. Auch in Garmisch-Partenkirchen will er es starten.

Garmisch-Partenkirchen – Beste Laune herrscht im ersten Stock des Landratsamtes. Im „Paradies“, begrüßt Landrat Anton Speer die Presse zum Sicherheitsgespräch. Scherzhaft meint er damit sein Besprechungszimmer. Doch paradiesische Zustände findet man auch außerhalb – in puncto Sicherheit. Robert Kopp, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, jedenfalls hat sich die Straftaten für das Jahr 2016 im Landkreis Garmisch-Partenkirchen genau angeschaut und kommt zu dem Schluss: „Die Bürger leben hier sicher, sehr sicher.“ 3387 registrierte Straftaten bedeuten den niedrigsten Wert seit Bestehen des Präsidiums, also seit acht Jahren – ausländerrechtliche Vergehen nicht einbezogen.

Kopp verschweigt nicht, dass sich zahlreiche Straftaten im Zusammenhang mit Zuwanderern ereignen. 241 Mal wurde die Polizei zu Asylbewerberunterkünften im Landkreis gerufen – 150 Mal im Vorjahr. Doch bei Weitem nicht hinter jedem Einsatz stecken schwere Verstöße. Und es bleibt dabei: Insgesamt gingen die Straftaten zurück.

Luft nach oben gibt es immer. Bürger würden sagen: viel Luft nach oben. Denn wie sie die Sicherheitslage empfinden und wie sie sich wirklich darstellt, „da geht die Schere auseinander“. Wohnungseinbrüche nennt Kopp als einen Grund. Zudem natürlich Terroranschläge. Und ein Bild in den Straßen, das sich wegen der Flüchtlingskrise verändert habe. Kopp weiß: „Was man nicht kennt, macht erst einmal Angst.“ Doch hatte er einen Vorschlag dabei, wie sich die gefühlte Sicherheit erhöhen ließe: mit einer Sicherheitswacht.

Alle möglichen Gerüchte, Vorurteile und Vorwürfe hat er schon rund um das Polizeiprojekt gehört. Besonders beliebt: Man baue eine Bürgerwehr auf. Manche fühlen sich gar an die Blockwarte des Nationalsozialismus erinnert. Oder sie werfen den Helfern G’schafftlhuberei vor. „Aber solche Leute brauchen wir nicht“, sagt Kopp. Genau wählt die Polizei aus den Bewerbern aus, nur die Hälfte werde tatsächlich ausgebildet. „Wir lassen uns dieses Instrument nicht kaputt machen.“ Kopp ist überzeugt davon.

Die Bürger dienen in seinen Augen als Vorbilder, die im öffentlichen Bereich unterwegs sind – „als Ergänzung zur Polizei, nicht als Ersatz“. Das betont er mehrmals. Auch diesen Vorwurf kennt er: Dass die Polizei damit Stellen abbauen wolle oder ihren Aufgaben nicht nachkomme. „Wir machen unsere Arbeit.“ Der großen Vorteil ist laut Kopp: Die Ehrenamtlichen haben Zeit, hören zu.

Dafür lieferte er ein Beispiel aus Freilassing. Die Sicherheitswacht hält sich dort unter anderem gezielt im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften auf. „Sie sind einfach da“, unterhalten sich mit Menschen, „bilden eine Brücke“. Zwischen Einheimischen und Asylbewerbern. Kopps Beobachtung: „Die Menschen haben keine Angst mehr.“ Die gefühlte Sicherheit steigt.

Er hofft nun, dass auch Garmisch-Partenkirchen eine Sicherheitswacht einführt. In nächster Zeit will er sich mit Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer und Vertretern der örtlichen Polizei zusammensetzen. Landrat Speer gefällt die Idee schon mal. „Ich denke, dass da Interesse besteht.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Arbeiter bei Unfall verletzt  
Garmisch-Partenkirchen - Ein 54-jähriger Mann hat sich am Dienstag in Garmisch-Partenkirchen bei einem Arbeitsunfall Verletzungen zugezogen. Er wurde ins Klinikum …
Arbeiter bei Unfall verletzt  
Zu Ehren des Märchenkönigs: Die Bergfeuer brennen wieder
Der 24. August ist ein Jahres-Höhepunkt in Oberammergau: An diesem Tag erinnern sich die Einheimischen an den Märchenkönig.
Zu Ehren des Märchenkönigs: Die Bergfeuer brennen wieder
Ettaler Berg: Labiler Fels sorgt für Vollsperrung
Mitten in der Ferienzeit geht am Ettaler Berg nichts mehr: Ab kommenden Montag wird die Straße tagsüber zwei Wochen lang komplett gesperrt.
Ettaler Berg: Labiler Fels sorgt für Vollsperrung
„Fahr ma obi am Wasser“: Isartal spielt zentrale Rolle 
Er schwimmt auf einer Erfolgswelle: Der Dokumentarfilm „Fahr ma obi am Wasser“ von Walter Steffens stößt auf überaus positive Resonanz. Auch im Isartal. Dort, wo die …
„Fahr ma obi am Wasser“: Isartal spielt zentrale Rolle 

Kommentare