Vorfall im ehemaligen Patton-Hotel

Rache für zerstochene Reifen: Asylbewerber tritt Landsmann ins Gesicht

Heftige Auseinandersetzung: Bei einem Streit verletzte ein Asylbewerber einen Freund derart, dass dieser ins Krankenhaus musste. Für diese Aktion musste sich der 40-Jährige nun vor Gericht verantworten.

Garmisch-Partenkirchen Schon verständlich, dass man sich ärgert, wenn einem absichtlich in die Fahrradreifen gestochen wird. Doch wenn man dann nicht nur schimpft, sondern fast schon brutale Rache übt. Erst warf der 40-jährige iranische Asylbewerber seinem gleichaltrigen Landsmann zwei Tisch-Mülleimer aus Aluminium nach, anschließend trat er ihm mit dem Schuh derart brutal ins Gesicht, dass der Mann wegen schmerzhafter Hämatome am Kopf einen Tag ins Klinikum musste. Amtsrichter Dr. Benjamin Lenhart ahndete diese zweimalige gefährliche Körperverletzung jetzt mit einer ansehnlichen Strafe: Zwölf Monate Knast, jedoch zur Bewährung ausgesetzt sowie eine Geldauflage von 1200 Euro.

Der Vorfall ereignete sich laut der Staatsanwältin am 10. Mai 2016 gegen 14 Uhr im Speisesaal der Unterkunft im ehemaligen Patton-Hotel an der Osterfelderstraße. Auslöser sei lediglich das Aufstechen eines Reifens am Fahrrad des 40-Jährigen gewesen. „Ich bin auf das Rad angewiesen“, verteidigte sich der Mann, „weil ich damit jeden Tag zur Schule muss. Außerdem hat er es bereits mehrmals beschädigt und nicht nur mein Rad.“ Irgendwann habe ihm es gereicht. Weil der andere Iraner überdies auch seine Familie beleidigte, sei er zur Tat geschritten.

Zwar kamen daraufhin zwei Sicherheits-Bedienstete, um die Streithähne zu beruhigen, doch als die Securitys kurz den Saal verließen, ging’s prompt weiter. Doch was äußerte der Angeklagte jetzt im Gericht? „Die Vorwürfe treffen zu“, erklärte er, „doch ich habe mich bei ihm entschuldigt und unsere Freundschaft besteht weiter.“ Allerdings war sein Opfer nicht als Zeuge anwesend, weshalb unklar blieb, wie es derzeit wirklich um die Freundschaft bestellt ist.

Er werde jedenfalls, beteuerte der Angeklagte reumütig, künftig in solchen Fällen nicht mehr Rache üben, „sondern gleich die Polizei verständigen“. Die Staatsanwältin jedenfalls beantragte ein Jahr auf Bewährung sowie vier Nettogehälter als Bewährungsauflage. Verteidiger Axel vom Brocke bat, den Mann statt der finanziellen Bewährungsauflage mit Sozialarbeit zu bestrafen. Doch angesichts der zweimaligen Verwendung gefährlicher Tatwerkzeuge folgte der Richter dem Antrag der Staatsanwältin.

Wolfgang Kaiser

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