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450 Radlfahrer nahmen an der Demonstration für Wank- und Kramertunnel teil.
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Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim (Mitte), stand den Demonstranten Rede und Antwort.

Es soll nicht die letzte Aktion gewesen sein

Radl-Demo: 450 Menschen setzen Zeichen gegen Stau und Blechlawinen

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Die Raddemo der Initiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“ war ein voller Erfolg – trotz Regen. Zirka 450 kamen, um ein Zeichen zu setzen für weniger Verkehr und vor allem für den Bau des Wanktunnels. Die Politiker gaben sich bei der Podiumsdiskussion kämpferisch. Sie rieten den Demonstranten, weiter auf die Straße zu gehen.

Garmisch-Partenkirchen – Tief hingen die Wolken über dem Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. Nieselregen tropfte auf den Asphalt. Wohl niemand wäre an diesem Samstag auf die Idee gekommen, sich aufs Fahrrad zu schwingen. Dennoch hatten sich viele mit ihrem Rad nach Partenkirchen aufgemacht. Samt Schirmen in allen Farben und Mustern. Und guter Laune. Die Zusage der Staatsministerin Ilse Aigner (CSU), dass die Planungen für den Wanktunnel im vierten Quartal wieder aufgenommen werden sollen, sorgte für gute Stimmung. Mit der Demonstration wollten die Bürger trotzdem ein Zeichen setzen. Gegen Blechlawinen und gegen Dauerstau. Und dafür, dass sich die Verkehrssituation – vor allem in Partenkirchen – beruhigt.

Quietschgelbe T-Shirts blitzten unter vielen Regenjacken hervor. Noch mehr Ballons waren zu sehen. Sie stammen von der Initiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“. Mit circa 150 Teilnehmern hatten die Veranstalter gerechnet. Rund 450 kamen ans Skistadion. Junge und Alte. Erwachsene, Kinder und Senioren saßen auf ihren Satteln. Darunter auch viele Gemeinderäte und Kommunalpolitiker aus den umliegenden Gemeinden. Die Bundesstraße 2 war teilweise gesperrt worden. Probleme gab es laut Polizei jedoch nicht. Kleinere Staus lösten sich nach der Demo relativ schnell wieder auf.

Vom Skistadion ging’s für die Demonstranten über auto-freie Straßen in Richtung Farchanter Kreisel und zurück zum Rathausplatz, wo eine Podiumsdiskussion stattfand. Mit den beiden Vertretern der Initiative „2 Tunnel“ Hans Sedlmaier und Ursel Kössel (CSB) sowie Politprominenz: die beiden Landtagsabgeordneten Florian Streibl (Freie Wähler) und Harald Kühn (CSU), Farchants Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) als Repräsentant des Landrats sowie Vertreter der Fraktionen der Marktgemeinde und natürlich Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD).

Meierhofer: „Wenn ich aber die Bürgerinitiative wäre, dann würde ich solche Veranstaltungen schon regelmäßig machen.“

Alle kamen zu Wort. Bei fast allen war die frohe Botschaft der Staatsministerin Thema. Nicht nur Politiker standen am Rathausplatz. Auch Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamts in Weilheim war nach Garmisch-Partenkirchen gekommen. „Ein Mann, der in unser aller Sinne fast schon der wichtigste ist“, sagte Moderator Wolfi Hostmann. Er fragte Fritsch gleich direkt, wie es mit dem Wanktunnel nun aussehe. „Schaffen Sie die Umsetzung?“ Ein Signal in die richtige Richtung sei jetzt mit der Ankündigung aus dem Ministerium geschehen. „Wir finden eine Lösung.“ Einen genauen Zeitpunkt für den Baubeginn des Wanktunnels wollte er sich von Hostmann nicht entlocken lassen. Immerhin eine ungefähre Richtlinie war vom Bauamtsleiter zu hören. „Man sagt, vom ersten Tuschestrich bis zum Baubeginn dauert es zehn Jahre.“ Ganz so viel Zeit werde beim Wanktunnel wohl nicht verstreichen, sagte Fritsch. „Wir haben ja schon viel gemacht.“

Zuversichtlich gaben sich auch die Politiker, dass es mit dem Wanktunnel nun endlich weitergeht. Und kampfeslustig. Zu „zivilen Ungehorsam“ dürfe sie zwar in ihrer Position nicht aufrufen, sagte Bürgermeisterin Meierhofer „Wenn ich aber die Bürgerinitiative wäre, dann würde ich solche Veranstaltungen schon regelmäßig machen. So zweimal im Jahr.“ Die Demonstranten hätten nicht nur ein Zeichen dafür gesetzt, dass es mit dem Tunnelbau weitergehen müsse, sondern auch dafür, den innerörtlichen Verkehr selbst zu reduzieren.

Garmisch-Partenkirchen glänzt mit Einigkeit

Noch kämpferischer zeigte sich der Landtagsabgeordnete Florian Streibl. Auch er forderte die Zuhörer auf, regelmäßig zu demonstrieren. „Nicht nur auf den Mund der Politiker schauen, sondern auf das, was gemacht wird.“ Er empfahl, „mindestens“ zweimal im Jahr auf die Straße zu gehen, um den Druck aufrechtzuerhalten. „Auch ich bin nicht der geborene Demonstrant, aber bei so etwas lohnt es sich.“ Dem schloss sich Garmisch-Partenkirchens Gemeinderätin und CSU-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch an. „Demonstrieren, das ist ein Grundrecht, das sollte man wahrnehmen. Und das hat nichts mit Ungehorsam zu tun.“ Andre Göllrich, Kreisvorsitzender der FDP, sprach sogar von einer „Sternstunde der Demokratie“, die sich an diesem Samstag auf dem Rathausplatz ereignet hatte.

Zurückhaltender zeigte sich Harald Kühn. Ohne Alexander Dobrindt „stünden wir weit entfernt von irgendwelchen Vorstellungen“, betonte er. Immerhin, sagte er scherzhaft in Richtung Fritsch, gäbe es „keine Versetzung und keine Pensionierung“, bevor es mit dem Wanktunnel weitergehe. Angesichts Fritschs jungen Alters hoffe er, den Bau weitaus früher zu erleben.

Das letzte Wort hatte die Mitinitiatorin der 2 Tunnel-Initiative, Ursel Kössel. Sie hob besonders die Einigkeit hervor, mit der Garmisch-Partenkirchen an diesem Tag geglänzt habe. „Toll, dass so viele Flagge zeigen.“ Auch sie könne sich gut vorstellen, die Demo zweimal im Jahr zu organisieren. „Bis zum Spatenstich des Wanktunnels.“ Konkrete Vorstellungen, wie die nächste Demo aussehen könnte, hat Wolfi Hostmann bereits: Mehr Plakate im Ort, Biertische und Bewirtung auf dem Rathausplatz. „Mindestens doppelt so viele Demonstranten.“ Und schönes Wetter – versteht sich.

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