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Auf einem Parkplatz zieht die Fahrerin die Radmuttern fest.

Zeugen dringend gesucht

Wieder wurden Radmuttern gelockert: Polizei spricht von einer Serie

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Erneut hat ein Unbekannter Radmuttern an Autos gelockert. Zwei neue Fälle in Garmisch-Partenkirchen, einer in Mittenwald. Macht insgesamt fünf im Landkreis innerhalb eines Monats. 

Update vom 30. August, 17.57 Uhr: 

 Das ist kein Scherz. Im schlimmsten Fall sterben Menschen. Darauf weist die Polizei noch einmal hin. Erneut haben sich zwei Personen gemeldet, an deren Autos Radmuttern gelöst wurden. Es sind die Fälle zwei und drei in Mittenwald, Nummer sechs und sieben im Landkreis. Die Polizei spricht nun von einer Serie. Bislang wurde durch Glück niemand verletzt. 

Doch ein Leutascher, der aufgrund der Berichterstattung nun ebenfalls Anzeige erstattet hat, hätte am Leutascher Berg beinahe die Kontrolle über sein Auto verloren. Er hatte es von 13. auf 14. August an der Partenkirchner Straße in Mittenwald geparkt. In der Nacht lockerte ein Unbekannter alle zehn Muttern an den Vorderreifen. Nach etwa zwei Kilometern stellte der Leutascher das „schwammige Fahrverhalten“ fest und hielt an. 

Ähnlich war es einer Mittenwalder Familie elf Tage zuvor ergangen. An ihrem Pkw bemerkte sie vorne links fünf gelockerte Schrauben, nachdem sie das Auto gestoppt hatte. Zugeschlagen hat hier der Täter in der Nacht auf den 3. August an der Isarauenstraße. Die Polizei in Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen, in deren Gebiet sich die übrigen vier Fälle ereigneten, ermitteln wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Es drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Zeugen werden gebeten, alles Verdächtige unter Telefon 0 88 23/9 21 40 oder 0 88 21/91 70 zu melden.


Landkreis – Das Auto – es fährt sich komisch. Anders als sonst. Schwimmt irgendwie. Außerdem macht es seltsame Geräusche. Es ist laut, irgend etwas schlägt und kracht. Kurzum: Da stimmt etwas nicht. Die Fahrerin hält an, prüft die Reifen. Mit einem unguten Gefühl, einer leisen Ahnung. Die sich bestätigt: Vorne links sind alle Radmuttern gelockert. Es ist bereits der vierte Fall innerhalb eines Monats, der nun gemeldet wird. Hinzu kommt ein weiterer in Mittenwald.

„Schon ungut“, findet Markus Stückl von der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen die Situation. Auch wenn er nach wie vor nicht von einer Serie sprechen will: Ein Zufall wird immer unwahrscheinlicher. Insgesamt fünf ähnliche Fälle seien definitiv „ungewöhnlich“. Vor allem sind sie gefährlich. Nur „mit Glück“, betont Stückl, kam bislang niemand zu Schaden, immer rechtzeitig entdeckten die Fahrer das manipulierte Rad.

Gelockertes Rad bei Tempo 140 auf der Autobahn

Der jüngste Vorfall in Garmisch-Partenkirchen hat sich wohl am Freitag zwischen 10 und 23 Uhr ereignet. Die 36-Jährige aus Münsing hatte ihren Skoda Fabia an der Alpspitzstraße geparkt. Auf dem Nachhauseweg war ihr nichts Ungewöhnliches aufgefallen. Am nächsten Tag jedoch machte sie sich erneut über die Autobahn auf den Weg nach Garmisch-Partenkirchen, Tempo 140 – da stellte sie das gelockerte Rad fest. Dabei kann sie aufgrund des Stellplatzes ausschließen, dass sich jemand zu Hause am Auto zu schaffen gemacht hat. Auf einem Parkplatz zog sie die Schrauben fest.

Eine ähnliche Situation erlebte ein Grainauer (59) am Freitag. Immerhin: Er entdeckte die losen Muttern am linken Hinterreifen, bevor er ins Auto stieg. Seinen Mercedes Sprinter hatte er von Donnerstag auf Freitag an der Brauhausstraße in Garmisch-Partenkirchen abgestellt. Als er zum Wagen zurückkam, hatte ein Unbekannter die Schrauben gelockert.

Radmuttern gelockert: Polizei ermittelt wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr

So wie bereits zwischen 22. und 26. Juli am Auto einer 20-Jährigen in Grainau und am 14. August am Pkw einer 23-Jährigen in Garmisch-Partenkirchen. In beiden Fällen waren die Frauen noch mit ihren Autos unterwegs, bevor ihnen der lockere Reifen auffiel. Nicht auszudenken, was alles passieren hätte können. Aus gutem Grund ermitteln die Beamten in Polizei Garmisch-Partenkirchen wegen „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“.

Dasselbe gilt nun auch für die Kollegen in Mittenwald. Am Montag hatte sich dort ein 57-jähriger Einheimischer gemeldet. Demnach hat an seinem VW-Polo ein Unbekannter zwischen Donnerstag, 16 Uhr, und Freitagmorgen, 7.45 Uhr, ebenfalls alle fünf Radmuttern gelöst, wie in vier Fällen ebenfalls vorne links. Festgestellt hatte er dies zuhause nach einer Dienstfahrt, als das Auto ein seltsames Fahrverhalten aufwies. Als Tatort kommt wohl nur die Partenkirchner Straße in Mittenwald in Frage, wo der Pkw in besagter Zeit abgestellt war.

Radmuttern gelockert: In Mittenwald gab es vor vielen Jahren eine Serie

Der stellvertretende Dienststellenleiter Thomas Rappensberger glaubt zwar aufgrund der Entfernung nicht an einen Zusammenhang mit den Fällen in Grainau und Garmisch-Partenkirchen. Ausschließen aber wollen er und Stückl nichts, alles wird geprüft. Ohne Zeugen dürfte es für die Beamten jedoch schwierig werden, den oder die Täter zu ermitteln. Rappensberger erinnert sich an eine Serie in Mittenwald vor „vielen Jahren“. Damals lagen der Polizei mindestens zehn Fälle vor, in denen ein Unbekannter Radmuttern an Autos gelöst hatte. „Gruselig.“ Zumal der Mann oder die Frau niemals gefasst wurde.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei ist auf Hinweise angewiesen. Zeugen werden gebeten, sich bei der Inspektion Mittenwald, Telefon 0 88 23/9 21 40, oder in Garmisch-Partenkirchen unter 0 88 21/91 70 zu melden.

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