Taubenfutter lockt die Tiere an

Garmisch-Partenkirchen kämpft gegen Rattenplage

Die Böschung unterhalb des Bahnviadukts, das über die Von-Brug-Straße in Garmisch-Partenkirchen führt, haben Ratten erobert. Die Tiere sind selbst bei Tag aktiv. Alle Maßnahmen, ihnen Herr zu werden, sind bislang gescheitert.

Garmisch-Partenkirchen – Ditta Jaegel ist geschockt. Am Bahnviadukt, das über die Von-Brug-Straße in Garmisch-Partenkirchen führt, hat sie Ratten gesehen – und nicht wenige. „Mindestens 20, wenn nicht gar 30 waren dort unterwegs, ohne jede Scheu vor Menschen“, sagt sie. Entdeckt hat sie die Tiere beim abendlichen Spaziergang. „Auch Kurgäste waren erschrocken, dass mitten in der Marktgemeinde am Tag Ratten auftauchen.“

Sie ist nicht die Erste, die diese grausige Entdeckung gemacht hat. Von einer Freundin wusste sie bereits, dass sich die unbeliebten Nager an dieser Stelle tummeln. Diese hatte nach ihrer Entdeckung das Gesundheitsamt benachrichtigt. Ihr sei allerdings mitgeteilt worden, die Deutsche Bahn wäre für das Gelände zuständig – und damit auch für die Bekämpfung der Schädlinge.

„Da werden Tauben und Ratten regelrecht gezüchtet.“

Die Böschung ist übersät mit zahlreichen Löchern.

Die unmittelbar zwischen „GEP“ und „denn’s Biomarkt“ liegende Böschung ist entlang der Mauer der Überführung ist regelrecht übersät mit Rattenlöchern. Bei Passanten und Anwohnern ist das Problem hinlänglich bekannt. Und sie haben auch die Antwort auf die Frage, wie sich die Tiere hier derart massiv ausbreiten konnten, parat. „Einige Leute füttern hier Tauben. Das lockt natürlich auch Ratten und Mäuse an“, sagt Jaegel. Tatsächlich ist die Fläche unter der Brücke neben dem Bürgersteig übersät mit Haferflocken. Sie habe schon verschiedentlich versucht, die Verursacher davon abzubringen, sei aber immer auf Unverständnis gestoßen. Manchmal reagierten die Leute auch aggressiv. Sie hätten sich immer auf den Tierschutz berufen, man müsse den Tieren helfen, ausreichend Futter zu finden. Darüber kann Jaegel nur den Kopf schütteln: „Da werden Tauben und Ratten regelrecht gezüchtet.“ Essensreste, die von Passanten achtlos weggeworfen werden, locken die Ratten zusätzlich an, denn sie bieten bequem erreichbares Futter – das finden die Nager schnell heraus.

Die Böschung ist übersät mit zahlreichen Löchern.

Im Garmisch-Partenkirchener Rathaus kennt man das Problem. Das Ordnungsamt habe in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt und der Deutschen Bahn schon einiges zu seiner Behebung in die Wege geleitet, versichert Pressesprecherin Ute Leitner. So wurde das Gestrüpp, das die Böschung bedeckte, bereits gerodet. Damit fehlt jetzt der Schutz, der die Stelle als Unterschlupf und Rückzugsmöglichkeit für die Tiere attraktiv werden ließ. Wer sich derzeit vor Ort ein Bild von der Situation macht, gewinnt allerdings nicht den Eindruck, dass die Ratten sich dadurch abschrecken lassen. Selbst bei Tage sind sie vor ihren Bauten aktiv. „Mitarbeiter des Bauhofs haben die Anweisung, täglich das ausgestreute Vogelfutter und Speisereste zu entfernen“ erklärt Leitner. Zudem sollen Schilder angebracht werden, die das Füttern untersagen. „Natürlich wird der Bereich intensiv überwacht, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu treffen“, heißt es aus dem Gesundheitsamt. „Aber wenn weiterhin Vogelfutter ausgelegt und Essensreste weggeworfen werden, können wir die Situation nicht nachhaltig ändern.“

Auch eine direkte Bekämpfung des Übels wird versucht. Ein Experte bringt vor Ort Köderboxen mit einem Giftstoff aus, um die Ratten zu dezimieren. „Das Gift ist in Metalldosen enthalten, und dadurch für Menschen und Haustiere ungefährlich“, versichert Franziska Klein, Sprecherin des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen. Bislang hielt sich der Erfolg allerdings in Grenzen. „Ratten sind intelligente Tiere“, erklärt Leitner. „So lange sie alternative Nahrung finden, rühren sie die Köder nicht an.“

Stefan Gernböck

Rubriklistenbild: © fkn

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