In die Jahre gekommen: die Biathlon-Trainingsanlage in Kaltenbrunn, hier der Schießstand.
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In die Jahre gekommen: die Biathlon-Trainingsanlage in Kaltenbrunn, hier der Schießstand.

Zukunft der Biathlon-Trainingsanlage in Kaltenbrunn

Ausbau zum Landesleistungszentrum: Respekt vor den Risiken

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Aus den Reihen des Wintersports kommt der dringende Wunsch, die veraltete Biathlon-Trainingsanlage in Kaltenbrunn zu einem modernen Landesleistungszentrum Nordisch auszubauen. Doch der Landkreis zögert, bei dem Millionenprojekt in die geplante Betreibergesellschaft einzusteigen – offenbar aus Angst vor unkalkulierbaren Folgen.

Landkreis – Das Problem ist bekannt: Die kleine Biathlon-Trainingsanlage im Garmisch-Partenkirchner Ortsteil Kaltenbrunn ist nicht mehr zeitgemäß und alles andere als ein Vorzeigebetrieb. Es gibt weder Strom noch fließend Wasser – und lediglich ein Plumpsklo. Eigentlich ein untragbarer Zustand für eine Wintersport-Hochburg, die Stars wie Magdalena Neuner oder Laura Dahlmeier hervorbrachte. Die Situation hat sich verschärft, da die Athleten aus Sicherheitsgründen nicht mehr auf dem Übungsgelände der Bundeswehr am Hohen Brendten trainieren können. Alternativen sind dünn gesät und weit entfernt – etwa in Seefeld oder Ruhpolding.

Konzept dem Kreistag vorgestellt

Doch nun liegt ein ambitioniertes Konzept auf dem Tisch, das Markus Anwander, Leiter des Bundesstützpunktes Ski Alpin in Garmisch-Partenkirchen, federführend erstellte und zusammen mit Andreas Dillemuth dem Kreistag präsentierte. Es sieht vor, die bestehende Einrichtung, die von rund 350 Nachwuchssportlern und 35 Profis genutzt wird, in ein Landesleistungszentum Nordisch (Langlauf, Biathlon, Nordische Kombination) zu verwandeln.

Anwander und seinen Mitstreitern schwebt hierfür eine dicke Investition vor. So sollen auf dem Gelände eine beleuchtete Skirollerstrecke für den Sommer, eine künstliche Beschneiung und ein Funktionsgebäude mit Umkleiden und sanitären Anlagen entstehen. Das Ganze hat seinen Preis: Erste Schätzungen gehen von rund 4,4 Millionen Euro aus – eine Menge Geld. Anwander rechnet aber mit großzügen Finanzspritzen aus den Fördertöpfen des Bundes und Freistaats. Bis zu 82 Prozent, so sein Kalkül, sollen auf diese Weise finanziert werden.

Gebaut und betrieben werden soll das Ganze von einer gemeinnützigen Gesellschaft, der Kaltenbrunn Nordic Center gGmbH – ein Konstrukt, das bislang nur in der Ideenschmiede existiert. „Das ist der erste Schritt“, betont Anwander. Doch die Gründung ist gar nicht so einfach. Denn die Initiatoren stellen sich ein breites Bündnis an Gesellschaftern vor, die noch überzeugt werden müssen. „Von Seiten des Sports haben wir schon relativ viele Zusagen“, berichtet Anwander. So seien bereits der Bayerische Skiverband, der Skigau Werdenfels, der Förderverein Biathlon und der Skiclub Partenkirchen mit von der Partie, um nur einige Beispiele zu nennen.

Der Knackpunkt: Der Sportfunktionär stellt sich vor, dass auch der Landkreis und der Markt Garmisch-Partenkirchen, auf dessen Flur die besagte Sportstätte steht, dem Zusammenschluss beitreten. „Das sind wichtige Partner, die wir unbedingt an Bord haben müssen“, sagt Anwander. Denn nur dann, so sein Argument, komme man in den Genuss von öffentlichen Fördermitteln. Doch bislang wartet er vergebens auf ein Ja. „Die halten sich bedeckt.“

Debatte über mögliche Verpflichtungen

Die Zurückhaltung hat ihren Grund: Es bestehen offenbar erhebliche Bedenken, wie im Verlauf der Debatte des Kreistages im Krüner Kurhaus deutlich wurde. Dabei spielt die Befürchtung, sich auf Verpflichtungen einzulassen und möglicherweise am Ende des Abends für Folgekosten aufkommen zu müssen, eine zentrale Rolle.

„Mir fehlt das Konkrete. Das ist mir im Moment zu wenig“, bemängelte Elisabeth Koch (CSU). Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin betonte, dass der Wintersport der Marktgemeinde lieb und teuer sei. Allein für die bestehende Anlage in Kaltenbrunn fallen ihren Angaben zufolge jährlich Kosten in Höhe von durchschnittlich rund 134 000 Euro an.

Bei Christl Freier klang es ähnlich: Der Kreis sei verpflichtet, sparsam zu wirtschaften, erklärte die Fraktionssprecherin der Grünen. „Wir wollen keinen Präzedenzfall schaffen.“ Außerdem wurden Zweifel laut, dass Bund und Freistaat tatsächlich nur dann etwas springen lassen, wenn Kreis und Markt mit dabei sind.

Die Kreispolitiker verständigten sich schließlich darauf, die Angelegenheit zu vertagen. Anwander soll, so die Vereinbarung, genaue Unterlagen liefern, vor allem hinsichtlich der Betriebskosten und Finanzierung. Auch sollen die Förderbedingungen geprüft werden. „Wir brauchen eine gemeinsame Lösung“, befand Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Der ursprünglich vorgesehene Beschlussvorschlag, für das Großprojekt lediglich einen Zuschuss in Höhe von 20 000 Euro locker zu machen, wurde zu den Akten gelegt. Denn Anwander signalisierte unmissverständlich, dass in diesem Fall das Vorhaben gestorben sei: „Dann können wir gleich zusammenpacken.“

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