Tourengeher marschieren bei Nacht mit Stirnlampe eine Piste hinauf.
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Einen Ansturm an Tourengehern erwartet Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch in naher Zukunft.

Garmisch-Partenkirchens Rathauschefin zeigt sich besorgt

Bürgermeisterin schreibt Brandbrief: Rettung ohne Bergbahn ein Sicherheitsrisiko?

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Um die Sicherheit von Tourengehern und Freeridern sorgt sich Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch. Der Grund: die geschlossenen Bergbahnen und Skilifte, die ihrer Meinung nach wichtig sind für die Rettung. Deshalb hat sich Koch mit einem Brief an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gewandt.

Garmisch-Partenkirchen – Elisabeth Koch, die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, ist frühaktiv. Wenn der Ort größtenteils noch schläft, sitzt sie schon an ihrem Schreibtisch und arbeitet. Gestern Morgen um 5.45 Uhr verschickte Koch einen Brief an ihren CSU-Parteifreund Markus Söder, den „sehr geehrten Herrn Ministerpräsident“. Die Anrede, so förmlich wie der Inhalt. Das Problem, das Koch sieht und das sie in ihrem Schreiben einen „dringlichen Hinweis“ nennt, resultiert aus der Schließung der Bergbahnen und Skilifte, die die Ministerpräsidentenkonferenz und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Mitte dieser Woche beschlossen haben. „Ich habe mir die Pressekonferenz im Fernsehen angeschaut und daraufhin in der Nacht schlecht geschlafen.“

Die Rathaus-Chefin sorgt sich um die Gesundheit der Freerider, Touren- und Pistengeher. Sie erwartet, dass die Freizeitsportler ab dem kommenden Wochenende – mangels Alternativen – vermehrt nach Garmisch-Partenkirchen kommen. „Ich fürchte, wir werden überrannt.“

Was passiert bei Unfällen, wenn die Bahnen nicht fahren?

Was Koch umtreibt: Was passiert bei Unfällen, wenn die Bergbahnen nicht fahren? Wie kommen die Retter zu den Verletzten? Bislang, so Koch, „gelangten die Einsatzkräfte der Ski- und Bergwacht über die bereitgestellte Infrastruktur zu den Stationen am Berg von wo aus sie schnellstmöglich den Einsatzort erreichten“. Von Söder erwartet sie „konkrete Informationen“, und fragt, ob die Staatsregierung zusätzliche Transportmittel wie Helikopter oder Skidoos bereitstellt. „Es muss doch irgendeinen Plan geben.“ Den Schwarzen Peter, sollte etwas passieren, schiebt sie der Staatsregierung zu. „Der, der schließt, muss die Verantwortung und die Kosten übernehmen.“

Für Harald Kühn eine Einschätzung, die „juristisch“ geklärt werden müsse. In Kenntnis des Koch-Briefs hat sich der Murnauer CSU-Landtagsabgeordnete mit der Staatskanzlei und dem Innenministerium ins Benehmen gesetzt und darum gebeten, „die Angelegenheit zeitnah zu klären“. Er hält Kochs Sicherheitsbedenken für von grundsätzlicher Bedeutung für den bayerischen Alpenraum.

Bergwacht kommentiert Brief an Söder kaum

Bei der Bergwachtregion Oberland und der Bergwachtbereitschaft Garmisch-Partenkirchen kennt man Kochs Schreiben an Söder nicht im Original, sondern nur vom Hörensagen oder von deren Facebook-Seite. „Mit uns hat niemand gesprochen“, erklärt Garmisch-Partenkirchens Geschäftsführer Anton Gehringer. Zu Kochs Ausführungen möchte er sich nicht äußern und verweist auf Hannes Zollner. Auch der Geschäftsführer der Region Oberland zeigt sich im Tagblatt-Gespräch einsilbig. Man wolle erst einmal den Kontakt mit der Bürgermeisterin suchen „und weiter keine Stellung nehmen“. Nur so viel. „Wir können retten, wir sind startbereit. Wir kommen überall hin, wo wir hinmüssen. Natürlich ist’s mit der Bergbahn einfacher.“

Die Schließung der Skilifte und Bergbahnen hält Florian Streibl (Freie Wähler) für falsch. Im Gegensatz zu seinem Koalitionspartner in der Staatsregierung. Das sagt er seit Wochen und sieht sich seiner Meinung nach von Koch kürzlich dafür zu Unrecht kritisiert. Er plädiert noch immer dafür, die Bergbahnen und Skilifte zu öffnen, „die über ein hervorragendes Hygienekonzept verfügen, das sich in den Sommermonaten bewährt hat“. Man hätte das Problem mit den Rettungskräften nicht „und könnte die Besucherströme besser leiten“. Durch den Koch-Brief an den Ministerpräsidenten glaubt der Fraktionschef der Freien Wähler im Bayerischen Landtag nicht an schnelle Abhilfe. „Wie ich die Lage sehe, wird sich nicht viel ändern.“ Söder sieht er in der Zwickmühle, nachdem gestern in Bayern 101 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben sind. Er erwartet von den Sportlern, dass sie sich des Risikos eines Unfalls bewusst sind und Vorsicht walten lassen. „Die Verantwortung liegt auch bei dem, der auf den Berg geht.“

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