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Spielerisch bringt Toni Weinberger (als Kartlerfreund, ebenso Chauffeur und Baron Ochs) auf dem Schauspiel-Spaziergang „Hier lebt(e) Richard Strauss“ den Zuschauern die Persönlichkeit dieses Melodienschöpfers und Garmisch-Partenkirchner Ehrenbürgers näher. Und zwar auf ganz unkonventionelle, lockere und unterhaltsame Weise. 

Sogar beim Rasieren hat er komponiert

Richard Strauss - ein Workaholic

Wer mit Richard Strauss nicht viel anfangen kann, es aber versuchen will, könnte durch einen vergnügsamen Spaziergang einen Zugang zu dem Privatmann und Künstler finden. Da vermitteln Freunde, sein Chauffeur und seine Köchin ein höchst lebendiges und sehr menschliches Bild des Komponisten. Berühmte Opernfiguren trifft man auch.

Garmisch-Partenkirchen – Zweimal in dieser Woche geht Gästeführerin Eva Kerschl mit Interessierten auf Spurensuche. Einheimische sind darunter, die sich extra freigenommen haben, und Festivalbesucher. Die meisten wissen schon viel über Richard Strauss und stellen nach zwei Stunden erstaunt fest, dass sie noch viel mehr Neues erfuhren. Dass er in der Arbeit seine höchste Befriedigung fand – heute würde man so einen Workaholic nennen. Dass die Lokalpresse den Zuzügler erst mit dem damals viel berühmteren Wiener Walzerkönig Johann verwechselte, als sich der damals weniger bekannte Richard Strauss 1906 am Kramer ein Grundstück kaufte. Dass er im Loisachtal zu den Olympiagegnern gehörte und Skifahren gerne „norwegischen Landbriefträgern“ überließ.

An seiner über alles geliebten Ehefrau Pauline störte ihn am meisten ihre dauernde Lüfterei. „Manchmal kann ich mich kaum am Schreibtisch halten, weil’s so zieht“, klagte er einmal seinem Chauffeur Martin. Der, klasse verkörpert von Toni Weinberger (sonst Leiter der Tourist-Information) kutschierte ihn im Mercedes herum. „Der 1924er Tourenwagen war von allen der schönste“, schwärmt der Martin, „mit zuschaltbarem Kompressor kam der schon auf 100 PS.“

Pia Kolb tanzt als Elektra im Wahn und schwört blutige Rache.

Die Idee zu diesem Schauspiel-Spaziergang stammt von der an Kunst, Kultur und Musik immer schon interessierten Eva Kerschl. Zusammen mit Georg Büttel entwickelte sie die Stationen. Der verfasste den Schauspieltext und führte Regie. Kerschl trug im Strauss-Institut und im Internet so viel Wissenswertes zusammen, dass es für fünf Spaziergänge reichen würde.

Jetzt steht sie mit der Gruppe am Strauss-Platz und erklärt die Figuren am gleichnamigen Brunnen. Noch während sie über den Skandal spricht, den die Oper Salome einst auslöste („der Literaturkritiker Reich-Ranitzky nannte den erotisch aufgeheizten Stoff das schamloseste Werk der Opernliteratur“), schleppt sich Elektra (einfühlsam dargestellt von der Schauspielerin Pia Kolb) über den Platz. In ihrer Hand das Beil, mit dem ihr Bruder Orest die Mörder ihres Vaters Agamemnon töten soll. Im Michael-Ende-Kurpark hat Elektra ihren großen Ausbruch. Sie tanzt im Wahn und schwört blutige Rache.

Strauss‘ Enkel Christian ist mit an Bord und betreut Besucher

Ein paar Schritte weiter wartet der Kropfhuber Max, der mit dem Sänger Franz Klarwein und Strauss zum Skatspiel zusammenkam: „Das war die einzige Tätigkeit, wo er nicht in Musik denken musste.“ Beim Rasieren ist ihm eine Sinfonie eingefallen, beim Schuhbandl-binden Kammermusik und ein Kunstlied auf dem Klo, malt sich der Max aus, „nur beim Karteln hatte er Ruhe vor dieser andauernden Kreativität“. Im Bus geht’s zur Villa Strauss und in den weitläufigen Park mit den Till-Eulenspiegel- und Phönix-Skulpturen. Einen Moment wird es fast gespenstisch: Drinnen am Fenster sitzt der Komponist, als wäre er nie weggewesen. Es ist sein Enkel Christian, der ihm verblüffend ähnlich sieht und gerade eine andere Besuchergruppe betreut. Im Park hat Strauss seine erste Oper beerdigt, Guntram hieß das „Gesellenstück eines flügge werdenden Wagnerianers, der sich seine Unabhängigkeit ertastet“. Sie wurde ein Flopp.

Kerschl erzählt von der jüdischen Schwiegertochter Alice, mit der Strauss vor den Toren eines Konzentrationslagers stand, um ihre Familie zu retten. Ohne Erfolg. Ein Teilnehmer erkundigt sich nach der Zukunft der Gedenkstätte, die samt dem Park unter Denkmalschutz steht. Sie wird noch von der Familie bewohnt, sagt Kerschl. Dann geht es flugs in den Garten vorm Polznkasparhaus. Da berichtete Hausdame Anna, dass sie die Rezepte nachkochen muss, die der „Herr Doktor“ aus den Grandhotels nach Garmisch heimschickt. Zum Schluss dürfen die Teilnehmer im Cafe Krönner ein Lieblingsgebäck der Straussens, nämlich die „Möcklein“ kosten. Und dann wird es ganz zauberhaft, wenn Baron Ochs von Lerchenau und der Rosenkavalier im silbernen Frack zu Straussens Musik auf zweierlei Art von Liebe sprechen.

Eva Stöckerl

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