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Die Wiener Symphoniker kommen 2018 zum ersten Mal zum Richard-Strauss-Festival.

Konzerte am Wank, in Schloss Elmau im Innenhof des Klosters Ettal

Richard-Strauss-Festival erreicht eine neue Stufe

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Alexander Liebreich hat eine Vision. Er will das Richard-Strauss-Festival zu etwas ganz Besonderem machen. Und die Reihe vor allem einem neuen Publikum erschließen. Deshalb wagt der Künstlerische Leiter auch Open-Air-Konzerte auf dem Wank und im Innenhof von Kloster Ettal.

Garmisch-Partenkirchen – Es ist ein Wandel, der sich beim Richard-Strauss-Festival vollzieht. Das symbolisiert schon der Titel „Metamorphosen“, unter dem die Reihe vom 22. Juni bis 1. Juli 2018 steht. Der Wandel zeigt sich außerdem daran, dass sich der neue Künstlerische Leiter Alexander Liebreich nicht mehr allein auf Garmisch-Partenkirchen konzentriert. Zuletzt fand 2005 eine Aufführung außerhalb des Marktes statt – eine konzertante „Elektra“ im Passionstheater Oberammergau. Jetzt werden wieder Spielstätten im Landkreis einbezogen. Orte, die zu Liebreich und seinem Anspruch passen. Denn das, was er seinem Publikum beschert, soll vor allem eines sein – authentisch. Deshalb nutzt er die Natur, die auch den Komponisten so inspiriert hat. Mit drei Open-Air-Konzerten – eines auf dem Wank und zwei im Innenhof von Kloster Ettal – geht er ein Wagnis ein, das die Künstlerischen Leiter vor ihm gescheut haben.

Für Dr. Thomas Goppel, der im vergangenen Jahr durch massive Kritik am Konzept des Festivals aufgefallen war, erreicht die Reihe durch Liebreich „eine neue Stufe“. Und die will sich der CSU-Landtagsabgeordnete, der zudem Präsident des Bayerischen Musikrats ist, nicht entgehen lassen. Dass gerade Strauss etwas Besonderes ist und die Pflege seines Erbes nicht allein auf den Schultern von Garmisch-Partenkirchen lasten kann, ist mittlerweile im Freistaat angekommen. „Das ist vor allem der Initiative von Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer und Kammersängerin Brigitte Fassbaender zu verdanken“, hebt Goppel hervor. Deren Einsatz sowie das stete Nachbohren von Landtagskollegen habe dazu geführt, dass Festivals im Freistaat künftig systematisch gefördert werden.

Wie viel Geld nach Garmisch-Partenkirchen fließt, ist noch nicht raus. Dem Vernehmen nach stehen 180 000 Euro im Raum – eine Steigerung, wenn man bedenkt, dass es zuletzt 70 000 Euro waren. Aber noch lange nicht genug, wenn man im Blick hat, dass Liebreich ein Budget von einer Million Euro braucht, um sein Konzept umzusetzen. Diese Summe soll auf drei Säulen stehen – aufgeteilt in Markt, Freistaat und Sponsoren. Die Gemeinde ist schon in Vorleistung getreten und steckt kommendes Jahr 330 000 Euro in das Festival.

Die Suche nach Sponsoren läuft. Auch deshalb hat Liebreich nicht zur schnöden Pressekonferenz geladen, um sein Programm vorzustellen. Stattdessen bat er zum Weihnachtsempfang in den Wintergarten des Hotels München Palace. Ein Abend, den Gastronom Stephan Kuffler großzügig unterstützte – auch aus alter Verbundenheit. Er kennt Liebreich „seit er das Münchner Kammerorchester aus der Tiefe geholt hat“. Es sind solche Kontakte, die der Dirigent nutzt, um seinen Garmisch-Partenkirchner Traum wahr werden zu lassen. „Ich muss jeden Tag dafür werben, um neue Leute zu begeistern“, betont er. „Entscheidend ist, dass alle zusammenhelfen.“ Was ihn besonders freut, sind die offenen Türen, auf die er mit seinem Ansinnen trifft. Das zeigt sich in Garmisch-Partenkirchen, wo er mit der Musikschule und Grundschulen in Kontakt ist. Das beweist das Programm, auf dem unter anderem die Philharmonie Brünn, die die Open-Air-Konzerte in Ettal gestaltet, und die Wiener Symphoniker stehen. Aber auch die beiden Abende in Schloss Elmau, wo Olli Mustonen Klavier spielen und Okka von der Damerau Lieder singen wird.

Liebreich kann begeistern. Das bestätigt Christian Loth, Sprecher des Klosters Ettal. „Sensationell“ findet er, dass der Innenhof zum Konzertsaal wird. Die Bühne, für die das Team von Klassik am Odeonsplatz in München zuständig ist, wird hinten transparent, so dass die barocke Basilika und die umliegenden Berge zu sehen sind.

Der „frische Wind“, den Liebreich mitbringt, gefällt auch Professor Dr. Alexander Strauss. Dass der neue Künstlerische Leiter „weg geht von etablierten Spielorten und Programmformaten“, überzeugt den Urenkel des Komponisten. Zumal er sich vorstellen kann, dass sich dadurch ein neues Publikum fürs Festival erschließen lässt. Was den Mediziner besonders freut sind die Freiluft-Termine. „Eine gute Idee“, meint er. „Bisher hat sich’s keiner getraut.“ Genau solche Abende könnten aber zum echten Alleinstellungsmerkmal für das Festival zu Ehren seines Urgroßvaters werden.

Das Programm

Freitag, 22. Juni 2018: Eröffnungskonzert mit der Akademie für Alte Musik Berlin und dem Chor des Bayerischen Rundfunks in der Alpspitzhalle.

Samstag, 23. Juni 2018: Konzert mit den Wiener Symphonikern in der Alpspitzhalle.

Sonntag, 24. Juni 2018: Wanderung, Dinner und Konzert mit „Munich Opera Brass“ auf dem Wank.

Montag, 25., bis Donnerstag, 28. Juni 2018: Gesangsmeisterkurs mit Julia Varady im Olympiasaal.

Montag, 25. Juni 2018: Kammerkonzert in der Aula des Werdenfels-Gymnasiums.

Dienstag, 26. Juni 2018: Klavierabend mit Olli Mustonen in Schloss Elmau.

Mittwoch, 27. Juni 2018: Konzert der „Franui Musicbanda“ in der Werdenfels-Aula.

Donnerstag, 28. Juni 2018: Liederabend mit Okka von der Damerau in Schloss Elmau.

Freitag, 29. Juni 2018: Klassik-Open-Air I mit der Philharmonie Brünn im Innenhof des Klosters Ettal.

Samstag, 30. Juni 2018: Klassik-Open-Air II mit der Philharmonie Brünn im Innenhof des Klosters Ettal.

Sonntag, 1. Juli 2018: Internationale Richard-Strauss-Orchesterakademie in der Alpspitzhalle.

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