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Neue Bildsprache fürs Richard-Strauss-Festival: Mit Fotos von Alexander Liebreich wird an den Ortseingängen von Garmisch-Partenkirchen für die Reihe geworben.

Motive sollen Stimmungen transportieren

Richard-Strauss-Festival: Werbebilder kommen nicht bei allen gut an

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Richard Strauss und Garmisch-Partenkirchen – eine besondere Verbindung. Eine, die Alexander Liebreich, der neue Künstlerische Leiter des Festivals, mit ungewöhnlichen Bildern bewirbt – vor allem der Natur und seinem eigenen. Das Ortseingangsschild mit seinem Foto kommt aber nicht bei allen gut an.

Garmisch-Partenkirchen – Mit offenen Augen schaut er in die Kamera. Lächelt, ganz sanft. Es ist ein besonderes Bild, das an den Ortseingängen von Garmisch-Partenkirchen fürs Richard-Strauss-Festival wirbt. Eines, mit dem Alexander Liebreich einen persönlichen Schicksalsschlag verbindet. „Das Foto ist an dem Tag entstanden, an dem meine Schwester gestorben ist“, sagt der Künstlerische Leiter des Festivals. Somit passt es auch zu Metamorphosen, dem diesjährigen Titel. Zum Wandel von etwas in eine andere Gestalt, in einen anderen Zustand. Und zu dem „Stück Klarheit“, das der Regensburger an diesem Tag gewonnen hat. Etwas, mit dem sich niemand gern auseinandersetzt, das aber zum Fluss des Lebens gehört. „Man kann jemanden verlieren, der einem eng verbunden ist.“

Ein Bild also, das „nichts Aufgesetztes hat“. Und eines, das nur entstehen konnte, weil es ein enger Vertrauter, ein Freund geschossen hat. Sammy Hart ist der Fotograf, der sämtliche Werbe-Bilder zum Festival liefert. Es sind gewaltige Motive. Bilder, die Stimmungen transportieren. Die von der Gewalt der Natur, von ihrer Kraft zeugen. Nicht jedem, der an den Plakatwänden und Litfaß-Säulen vorbeigeht, gefallen diese Bilder. Zu düster, so gar nicht schön seien sie. Fast traurig.

Richard Strauss ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal

An den Aufnahmen, die Hart im Juli 2017 bei seiner Tour durchs Reintal auf die Zugspitze geschossen hat, stört sich Franz M. Schmid-Preissler nicht. Die Natur war es schließlich auch, die den Komponisten inspirierte. Woraus er Kraft schöpfte. „Richard Strauss ist ein Stück Garmisch-Partenkirchen“, unterstreicht der Markenstratege aus Gmund am Tegernsee, der unter anderem als Erfinder der Prinzenrolle gilt. „Als solcher gehört er gehegt und gepflegt.“ Es ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal für die Marktgemeinde, dass sie mit diesem Pfund wuchern kann. Während andere Tourismusdestinationen händeringend nach einem solchem suchen, wurde es Garmisch-Partenkirchen quasi in den Schoß gelegt. „Sie sind in einer glücklichen Lage“, bescheinigte Schmid-Preissler dem Gemeinderat vor gut einem Jahr. Damals ging’s darum, das Festival auf neue Beine zu stellen. „Das ist wie eine Handvoll Gold, die Sie in der Hosentasche haben.“

Aus besagtem Goldklumpen sollte der Markt „eigentlich etwas Schönes schmieden“, findet das Gründungsmitglied von „Best of the Alps“, dem Zusammenschluss von zwölf Alpentourismusorten in Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sein aktueller Eindruck widerspricht dem jedoch: „Jetzt schmieden alle Leute ihr eigenes Schmuckstück.“ Allen voran Liebreich. „Die Ortseingangsschilder sind eine Kampagne für ihn“, kritisiert Schmid-Preissler. Es sei sicher nicht im Interesse von Garmisch-Partenkirchen, dem Dirigenten eine Plattform zu bieten, damit dieser sich bekannt machen kann. „Der Gemeinde muss daran liegen, dass es ihre Veranstaltung ist und nicht ein Alexander-Liebreich-Festival.“

Alexander Liebreich muss eine eigene Duftmarke setzen

Deutliche Worte, die Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) so nicht stehen lassen will. „Herr Liebreich tritt in die großen Fußstapfen, die Brigitte Fassbaender hinterlassen hat“, sagt sie. Die gelte es, erst einmal zu füllen und dabei auch eine eigene Duftmarke zu setzen. Von dem Programm, mit dem der 49-Jährige in seine erste Spielzeit startet, ist sie überzeugt. Auch davon, neue Orte zu bespielen, die durchaus eine Verbindung zu Strauss und seinem Werk haben.

Genau das entspricht Liebreichs Ansatz. „Die Bilder symbolisieren die Kraft der Natur, quasi Sammys eigene Alpensinfonie.“ Der Fotograf habe die dramatische Musik in seinen Aufnahmen umgesetzt, ohne etwas zu beschönigen. Das Ergebnis „zeugt von schöpferischer Stärke“. Und die setzt Liebreich in den Fokus – in seiner Bildsprache und im Programm, das unter anderem mit einem Konzert am Wank und Wanderungen mit Musikern, etwa durch die Partnachklamm, aufwartet. „Auf Fotos von mir lege ich keinen Wert“, versichert er. „Es geht sicher nicht um mich, sondern um die Inhalte.“

Und die präsentiert er kommende Woche – erst vor Sponsoren und Unterstützern in Garmisch-Partenkirchen, dann vor der Presse in München. Gerade der Termin an dem Ort, an dem er vom 22. Juni bis 1. Juli ein Programm zu Strauss’ Ehren gestaltet, war ihm wichtig. „Entscheidend ist, die Menschen einzubeziehen“, findet Liebreich. „Und Strauss einem neuen Besucherkreis zu erschließen.“ Das versucht er bei Terminen in der Natur, beim Kamingespräch mit Ski-Star Felix Neureuther, bei Open-Air-Konzerten in Ettal und vielem mehr. „Dafür kämpfe ich“, sagt der Künstlerische Leiter. Der Schwung, mit dem so viele Menschen sein Vorhaben unterstützen, macht ihm Mut. „Es wäre schade, wenn’s nicht funktionieren würde.“

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