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Viel Herzblut steckt Franz Lidl (r.) in den Erhalt des Schmölzersees. Mit Georg Maurer junior beratschlagt er, wie die neu aufgetretenen Risse geflickt werden können.

Franz Lidl kämpft für seinen See

Risse und Löcher: Läuft der Schmölzersee aus?

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Garmisch-Partenkirchen - Der Schmölzersee bekommt immer mehr Risse. Sprengungen für den Kramertunnel nennt Pächter Franz Lidl als Ursache.

Für Franz Lidl ist’s „ein Paradies“. Eines, um das er sich sorgt. Eines, in das er viel Herzblut steckt. Seit 1970. Seit er den Schmölzersee vom Forst gepachtet hat. Doch die Idylle bekommt Risse. Und Löcher. Jedes Jahr mehr. Die Ursache liegt dem Garmisch-Partenkirchner zufolge an den Sprengungen vor gut fünf Jahren für den Erkundungsstollen des Kramertunnels. „Ich war damals auch heroben und hab’ die Erschütterungen richtig gemerkt“, erinnert sich Lidl. Plötzlich habe der See Wellen gehabt, fast 30 Zentimeter hohe.

Mit den Spätfolgen muss Franz Lidl alleine fertig werden

Mit den Spätfolgen muss er nun alleine fertig werden. Und kräftig flicken – „seit dem Frühjahr haben sich allein heuer sieben bis acht Risse aufgetan“. Würde er nicht aktiv, wäre das Auslaufen des Sees die Folge. Und damit verbunden das Ende für die Fische, die sich in dem 6500 Quadratmeter großen Gewässer tummeln. Hechte, Karpfen, Barsche, Edelkrebs, Rotaugen zählt Lidl auf. Aus dem Schlamm am Ufer des etwa 2,5 Meter abgelassenen Sees sammelt er Teichmuscheln auf, um sie an anderer Stelle wieder ins Nass zu legen. „Sie sind ein Indikator, dass die Wasserqualität gut ist.“

Ein Saugschlauch wurde sabotiert

Das weitere Vorgehen beratschlagt er nun mit Georg Maurer junior, der das Loch unter der Wasseroberfläche mit Lehm kitten soll. 15 Kubikmeter seien dafür nötig, schätzt Lidl. Dass Maurer im Nassen arbeiten muss, war eigentlich nicht vorgesehen. Mit einem Saugschlauch wollte der Pächter das Wasser ablassen, um ihm einen optimalen Zugang zu ermöglichen. Ein Versuch, der allerdings an einem Sabotageakt scheiterte. Ein Unbekannter löste die Verschraubung und verhinderte so das Pumpen. Einen Verdacht, wer dahinter steckt, hegt Lidl. Äußern will er sich dazu aber nicht.

Ihm liegt einzig daran, den Schaden schnellstmöglich zu beheben, um seine Fische sicher über den Winter zu bringen. Vom Staatlichen Bauamt Weilheim, das für den Bau des Kramertunnels, der jedoch seit 2013 ruht, zuständig ist, erwartet er sich keine Unterstützung. „Die reden sich raus, weil der See ja schon immer undicht gewesen sei.“ Dass dieser aber von 1970 bis zu den Sprengungen mit Ausnahme eines Erdbebens in den 1980er Jahren kein Wasser verloren habe, scheint dabei keine Rolle zu spielen.

Einen Zusammenhang  mit den Sprengungen sieht das Staatliche Bauamt nicht

Im Vorfeld der Arbeiten habe selbstverständlich mit Lidl Kontakt bestanden, betont Dr. Hermann Streicher, zuständiger Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt. „Uns lag ja auch daran, dass nichts passiert.“ Deshalb sei auch zwei Jahre später noch einmal draufgeschaut worden. Einen Zusammenhang zu den jetzt auftretenden undichten Stellen in dem künstlich angelegten Gewässer zu den Tunnel-Sprengungen sieht er nicht gegeben. „Das sind jetzt wohl natürliche Unterhaltsmaßnahmen“, meint Streicher.

Dass der Schmölzersee am Fuß des Kramermassivs erhalten bleibt, dafür sorgt somit allein Franz Lidl. Er wird nicht müde, „sein Paradies“ immer wieder zu flicken und abzudichten. Die Herausforderung hat er schließlich vor 46 Jahren angenommen.

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