Der Roboter Garmi
+
Gruppenbild mit „Garmi“: (v. l.) Prof. Gerd Hirzinger, LongLeif-Geschäftsführer Viktor Wohlmannstetter, Bürgermeisterin Elisabeth Koch, Landrat Anton Speer, Professor Sami Haddadin und Prof. Dr. Wolfgang M. Heckl.

Tag der offenen Tür

Ritterschlag für LongLeif-Robotik: Bundespräsident trifft auf „Garmi“

Garmisch-Partenkirchen hat Strahlkraft – auch als Wissenschaftsstandort. Beim Tag der offenen Tür der gemeinnützigen Long-Leif GaPa GmbH und des Forschungszentrums Geriatronik gab es einen Wow-Effekt.

Garmisch-Partenkirchen – Nein, sprechen kann er noch nicht, der sympathische Kerl auf Rollen. Das erfuhren die gut 80 Neugierigen, die sich am Samstag in kleinen Gruppen durch die Räumlichkeiten in der Bahnhofsstraße 37 in Garmisch-Partenkirchen führen ließen. Dafür hat „Garmi“, der aus den Mitteln der Long-Leif-Stiftung entwickelte intelligente Assistenzroboter, aber vor Kurzem einen fahrbaren Untersatz und menschlich anmutende Hände bekommen. „Das war ein Wunsch unserer Besucher. Es erhöht die Akzeptanz“, erklärt Professor Sami Haddadin, Lehrstuhlinhaber für Robotik an der TU München und „Garmis“ Vater.

Einen „Weltwissenschaftler“ nennt ihn Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU). „Auch wenn es viele vielleicht noch nicht erkannt haben: Diese Technik wird revolutionär sein“, betont sie. Seit Koch bei einem Berufspraktikum in der Pflege selbst mit anpackte, weiß sie: „Jemanden einfach nur umzulagern, das ist schwerste Arbeit. ,Garmi‘ gibt Pflegekräften Zeit für das Allerwichtigste, den menschlichen Kontakt.“ Denn Roboter und Vernetzung sollen den Menschen nicht ersetzen, im Gegenteil. Viele seiner Patienten könnten sich erst nicht vorstellen, von einem sogenannten Service-Humanoiden betreut zu werden, so der Allgemeinarzt und medizinische Berater Dr. Günter Steinebach. „Aber wenn ich ihnen dann erkläre, dass die nette Pflegerin dann ja weniger gestresst ist und nicht die ganze Zeit auf die Uhr schaut, dann sieht die Sache schon anders aus.

Entgegen der Befürchtungen: Standort lockt hochkarätige Köpfe an

Am 26. Oktober wird sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) an der Technischen Universität München höchstpersönlich von „Garmis“ Fähigkeiten überzeugen lassen. Und Steinmeier ist nicht der einzige Interessent. In seinen Münchner Zeiten habe er auf Stellenausschreibungen bis zu 1000 Bewerbungen erhalten, so Haddadin. Seine anfängliche Befürchtung, dass das Werdenfelser Land weniger hochkarätige Köpfe locken könnte, hat sich zum Glück nicht bestätigt. Kürzlich habe sich zum Beispiel der Jahrgangsbeste einer US-amerikanischen Top-Universität bei ihm gemeldet: „Der könnte wirklich auf der ganzen Welt arbeiten – und er will nach Garmisch-Partenkirchen. In dieser Hinsicht kommen wir wirklich langsam an die Strahlkraft der Landeshauptstadt heran.“

Telemedizin: Robotik-Experte Jean Elsner demonstriert die Pulsmessung an einem Probanden.

„Garmi“ und Kollegen können nicht nur die Spülmaschine ausräumen und Kaffee einschenken, sondern unter Umständen schon bald auch Leben retten. In Notfällen oder gesundheitlich bedenklichen Situationen ist es Ärzten möglich, aus der Ferne in das Medium Roboter zu schlüpfen. Mittels ausgeklügelter Sensoren erhält der Mediziner eine Eins-zu-eins-Übertragung der Vitaldaten, kann mit dem Patienten sprechen, ihn sehen, den Puls messen und einen Ultraschall vornehmen. Durch die Corona-Pandemie erhielt dieser Aspekt der Telemedizin eine ganz neue Dringlichkeit. Das Bundesgesundheitsministerium kam auf das Garmisch-Partenkirchner Team zu, um die Entwicklung der kontaktlosen Diagnostik zu fördern. Eine willkommene Kooperation. Bereits in einem halben Jahr soll die erste Studie anlaufen. „Wir warten darauf, dass wir loslegen können“, berichtet Haddadin. „Das Ziel ist jetzt nicht, dass ,Garmi‘ möglichst viel kann, sondern dass er bald die Kernaspekte beherrscht.“

Bei der LongLeif GmbH dreht sich nicht alles nur um „Garmi“. Das Bahnhofsareal West für den zukünftigen Campus ist gekauft, das Bildungszentrum für Pflege wird ein „Novum im Landkreis“, berichtet Geschäftsführer Viktor Wohlmannstetter. Und auch wenn in Sachen Seniorenzentrum Altes Finanzamt nicht alles glatt gelaufen sei: „Es geht voran. Wir hoffen, dass wir Ende 2022 den Betrieb aufnehmen können.“

Eva Klaehn

Auch interessant

Kommentare