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Professor Sami Haddadin will die Zukunft nach Garmisch-Partenkirchen bringen.

Zukunft beginnt unter der Zugspitze

Roboter made in Garmisch-Partenkirchen

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In Garmisch-Partenkirchen soll bald zu Assistenzrobotern geforscht werden, die das Leben von alten Menschen erleichtern. Start könnte schon am 1. April sein. Allerdings sind noch einige Hürden zu überwinden. Die Millionen Euro der Leifheit-Stiftung, die die Marktgemeinde erhalten hat, spielen dabei eine wichtige Rolle.

Garmisch-Partenkirchen – Die Dichte an Professoren pro Quadratmeter, die sich von Berufs wegen mit dem Thema Robotik beschäftigen und die auf diesem Gebiet als Koryphäen gelten, dürfte in Garmisch-Partenkirchen nie höher gewesen sein als am Freitagabend im Olympiasaal. Im Abstand von wenigen Zentimetern saßen nebeneinander: Professor Sami Haddadin, der Gewinner der deutschen Zukunftspreises, Professor Alin Albu-Schäffer, Direktor des Deutschen Luft-und Raumfahrtzentrums, Professor Gerhard Hirzinger, ehemaliger Direktor des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums, und Professor Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums, der auch einen Lehrstuhl für Wissenschaftskommunikation an der TU München innehat.

Dass die deutsche Elite aus Forschung und Wissenschaft auf Einladung der Jungen Union, der Nachwuchsorganisation der CSU, nach Garmisch-Partenkirchen gekommen war, steht in direktem Zusammenhang mit der Geriatronik, einen Begriff den Gemeinderat Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Die Grünen) geprägt hat. Thiel, Mitglied im Aufsichtsrat der LongLeif-GmbH, die die 57 Millionen Euro der Leifheit-Stiftung verwaltet, gilt als Unterstützer des Projekts, das Haddadin in Garmisch-Partenkirchen verwirklichen will. Und nicht nur er. Auch CSU-Gemeinderätin Elisabeth Koch ist bekennender Fan des Vorhabens. „Es hat deutschlandweit große Aufmerksamkeit gefunden.“ Sie glaubt, dass es nicht nur Senioren nützen wird, sondern auch der Jugend, für die in Garmisch-Partenkirchen qualifizierte Arbeitsplätze entstehen. „Das ist die Zielgruppe“, sagt Koch, die plant, einen Freundeskreis der Geriatronik zu gründen.

Professoren zeigen, was Roboter alles können

Die versammelte Professorenschar, Hirzinger und Heckl hatten es nicht weit, denn sie leben in Oberbayern, war gekommen, um zu zeigen, was Roboter alles können, was sie in Zukunft können sollen, was in Garmisch-Partenkirchen entstehen könnte. Sie wollten auch Ängste nehmen. Ursel Kössel, CSB-Gemeinderätin und Seniorenbeauftragte, ist eine von denen, die sich bei dem Gedanken unwohl fühlen, eines Tages, ein Gerät, das Haddin und seine Kollegen in Garmisch-Partenkirchen entwickeln, zu benötigen. „Ich tue mir heute schon leid, sollte ich jemals auf so einen Computer angewiesen sein.“ Auch in ihrem Bekanntenkreis sei „die Skepsis groß“, sagte sie in einer Gemeinderatssitzung vor rund einem halben Jahr, in der Haddadin sein Projekt schon einmal vorgestellt hatte. „Menschliche Zuwendung kann man nicht durch Roboter ersetzen“, machte Hirzinger, der die deutsche Robotik-Forschung an die Weltspitze brachte, in seinem Vortrag klar. Sein Nachfolger als Chef des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums, Alin Albu-Schäffer, glaubt, dass man in Garmisch-Partenkirchen „die Chance hat, Zukunft zu schaffen“. Roboter dieser Art gebe es bislang weder in den USA noch in Japan. Die werden ihren Preis haben. Man rechnet mit 40 000 bis 50 000 Euro pro Stück. Es habe schon Gespräche mit Krankenkassen gegeben, die die Kosten wohl übernehmen werden, erklärt Hirzinger.

Die Realisierung eines Geriatronik-Zentrums in Garmisch-Partenkirchen, in dem einmal bis zu 60 Mitarbeiter tätig sein sollen und das als Ableger der Technischen Universität München firmieren wird, treibt Haddadin seit Monaten voran. Neben den zehn Millionen Euro, die er sich in den nächsten zehn Jahren von der Leifheit-Stiftung erhofft, hält er die Gemeinde aus weiteren Gründen für den geeignetsten und attraktivsten Standort für Forschung und Entwicklung: Garmisch-Partenkirchen besitze mit Klinken, Seniorenheimen, und Pflegeschulen eine altersgerechte Infrastruktur, es gebe einen Mangel an Hightech-Firmen und Industrie, und der demografische Wandel sei deutlich bemerkbar. Haddadin hat sich schon mit Vertretern des Klinikums getroffen, darunter Alexander Gangkofer, Leitender Oberarzt der Geriatrie, der einer Zusammenarbeit durchaus positiv gegenübersteht.

Sami Haddadin will am 1. April starten

Läuft alles nach Wunsch, dann gedenkt Haddadin am 1. April, an diesem Tag tritt er auch seinen Lehrstuhl an der TU München an, in Garmisch-Partenkirchen loszulegen. Ein optimistischer Plan, weil noch viele Fragen offen sind. Das Abrams-Gelände, auf dem das Geriatronik-Zentrum entstehen soll, befindet sich noch in der Hand des bayerischen Sozialministeriums, das es als Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber nutzt. Zwar soll diese geschlossen werden, doch der Zeitpunkt ist noch offen. Fraglich auch, wann die Leifheit-Millionen fließen. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) zufolge gibt es noch zahlreiche rechtliche Hürden zu bewältigen. Gesichert ist hingegen die Finanzierung seitens des Wirtschaftsministeriums. 6,5 Millionen Euro macht Ilse Aigner (CSU) locker: „Das Thema ist so zukunftsträchtig, wie man sich’s nur vorstellen kann“, sagt die Ressort-Chefin.

Wenn alles klappt, werden Roboter „Made in Garmisch-Partenkirchen“ dereinst den Namen „Garmi“ tragen. Eine Wortschöpfung von Wolfgang M. Heckl. Er konnte Haddadin den Namen „Leibnitz“ („mein Idol“) ausreden.

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