Ein Bauzaun versperrt den Eingang zu einem breiten Gang.
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Ausgesperrt: Seit April 2019 konnte das Institut für Wintersport seine Räume im Skistadion nicht mehr nutzen. Zehn Monate später zog es - mit Kündigung des Mietvertrags - offiziell aus.

Gemeinde Garmisch-Partenkirchen zeigt mögliche Lösung auf

Sang- und klanglos verschwunden: Institut für Wintersport nach unfreiwilliger Kündigung ohne Heimat

Einen Werbeeffekt hat das Institut für Wintersport in Garmisch-Partenkrichen gebracht. Davon ist Leiter Dirk Heering überzeugt. Generell war‘s „eine Supersache“. Die es aktuell nicht mehr gibt. Wegen einer unguten Vorgeschichte.

Garmisch-Partenkirchen – Ein Jahr ist es her. Da hatten die Verantwortlichen der Hochschule genug. Zum 28. Februar 2020 kündigten sie ihren Mietvertrag mit der Gemeinde. Das Institut für Wintersport zog aus den Räumen im Skistadion aus, die es ohnehin seit zehn Monaten nicht mehr hatte nutzen können. Damals gab es noch Hoffnung. Darauf, dass das Institut würde bleiben können, es woanders unterkomme. Mittlerweile sagt Leiter Dirk Heering: In der ursprünglichen Form wird es das Institut nicht mehr geben. Auch weil die Hochschule die Nase voll hat. „Da wurde eine Schwelle überschritten.“

Dirk Heering will das Institut für Wintersport zumindest in ähnlicher Form weiterführen.

Die Geschichte vom Ende begann im April 2019. Nach Heerings Osterurlaub. Er kam zurück – und fand Chaos vor. Die Heizung herausgerissen, überall Staub und Schutt, das Wasser abgedreht. Die Sanierungsarbeiten des Olympia-Skistadions waren offensichtlich in den Büroräumen des Instituts angekommen. Nur hatte man vergessen, Heering zu informieren. So stand er im Saustall – wofür sich die damalige Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer auch entschuldigte. Allein: Es änderte sich nichts. Über zehn Monate hinweg. „Die Gemeinde hat das alles nicht interessiert“, sagt Heering heute wie damals. Das Angebot für Studenten der Hochschule für angewandtes Management sowie der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport existierte nur noch in der Theorie.

Heerings Eindruck: Seitens der Gemeinde besteht kein Interesse am Institut

Danach folgten Gespräche, erzählt Heering auf Anfrage. Ein paar Angebote bekam er, Büroräume zu mieten. Nur fehlt dafür das Geld. Denn die Gemeinde hatte die etwa 60 Quadratmeter, die sich – sanierungsbedürftig, nur mit kaltem Wasser ausgestattet, bis zu 40 Grad an heißen Sommertagen – auf dem freien Markt kaum oder gar nicht vermieten lassen, kostenlos zur Verfügung gestellt. „Uns hat das immer gereicht“, sagt Heering. Eine neue Heimat für sich und seine Studenten fand er nicht. So ist das Institut „sang- und klanglos verschwunden“, bedauert Heering, der an der Hochschule für Angewandtes Management (HAM) in Ismaning angestellt ist. Sein Eindruck: Seitens der Kommune „besteht kein Interesse“.

Das will er akzeptieren, sieht es realistisch. Denn aus Sicht der Gemeinde „fehlt wahrscheinlich nichts“. Er verweist auf das Forschungszentrum Geriatronik der TU München in Garmisch-Partenkirchen. Dagegen hat das Institut keine Chance. Natürlich habe man keine Megaprojekte realisiert, die der Gemeinde Ruhm, Bekanntheit, Prestige brachten. Doch verweist Heering auf ein minimales Budget. Damit habe man viele kleinere Vorhaben umgesetzt. Befragungen für den Tourismus etwa, Veranstaltungen und Vorträge mit GaPa Tourismus, Ausbildungen mit dem Deutschen Skilehrer- und dem Deutschen Skiverband. Nur wenige Sporthochschulen könnten Vergleichbares im Winter bieten. „Das hatte für die Studenten viel Charme.“ Und für Garmisch-Partenkirchen einen gewissen Werbeeffekt. Davon ist Heering überzeugt.

Gemeinde bringt neue Räume im Skistadion ins Gespräch

Die jungen. wintersportinteressierten Männer und Frauen wirkten in seinen Augen wie Botschafter. Um die 100 kamen jedes Jahr unter die Alpspitze, lernten den Ort kennen, waren begeistert, kamen wieder. „Eine Supersache.“ Doch wenn die Gemeinde „das nicht will, werde ich mich nicht aufdrängen“.

Im Rathaus erwartet man offenbar, dass Heering sich meldet. „Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurde das Thema um eine Wiederbelebung noch nicht an die Erste Bürgermeisterin herangetragen“, heißt es in einer schriftlichen Antwort auf eine entsprechende Tagblatt-Anfrage. Gleichzeitig zeigt man dort jedoch eine mögliche Lösung auf: Im Erdgeschoss der Skistadion-Ostkurve entstehen zwei Räume von jeweils etwa 50 Quadratmetern Größe, die sich vielseitig nutzen lassen – auch als Büro. Ende des Jahres stünden sie voraussichtlich zur Verfügung.

Heering zögert. Der Hochschulverbund, sagt er, ist ziemlich sicher nicht mehr mit an Bord. Dafür sei zu viel passiert. Doch überlegt er, mit seiner eigenen Sportmanagement-Firma etwas Vergleichbares auf die Beine zu stellen. Im Rathaus jedenfalls zeigen sich die Verantwortlichen offen. Der Tenor: Das Angebot soll nicht sterben. Generell profitiere der Markt von jeder Institution, heißt es. „Insbesondere dann, wenn sie sich, wie dieses Institut, mit örtlichen Gegebenheiten auseinandersetzt.“

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