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Einfach geil: Thomas Dreßen schreit im Ziel seine Freude über den Sieg beim Hahnenkamm-Rennen heraus.

Dreßens Sieg in Kitzbühel wirkt sich auf das Heimrennen auf der Kandahar aus

Ein Stamperl Schnaps auf Thomas Dreßen

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Thomas Dreßen schreibt Geschichte – und sein ganzer Heimatverein feiert mit. Als erster Deutscher gewinnt er nach 39 Jahren auf der Kitzbüheler Streif. Vor den Heimrennen auf der Kandahar zählt er plötzlich zu den Favoriten. Noch mehr: Die Verantwortlichen sehen in ihm einen neuen Botschafter der Region.

Mittenwald/Garmisch-Partenkirchen – Die Wahl fiel auf Marillenschnaps. Klaus Wurmer hätte keinen geeigneteren Siegestrunk für diesen großen Tag finden können. Vielleicht ist es übertrieben, den Obstbrand als Nationalgetränk zu bezeichnen. Aber man verbindet Marillenschnaps eben mit Österreich. Wie den Prater in Wienoder die Streif in Kitzbühel – die gleichzeitig gefürchtete wie bewunderte Abfahrtsstrecke, die steilste und bedeutendste der Welt. Außerdem: Wer sagt in Deutschland zu Aprikosen schon Marillen? Wenn überhaupt, dann die Mittenwalder.

Wurmer, Mittenwalder und Chef des örtlichen Skiclubs, hat am Samstagnachmittag Marillenschnaps getrunken. Auf den Sieg beim wichtigsten österreichischen Skirennen, das ein halber Österreicher, der in Tirol wohnt und wie die Menschen dort spricht, gewonnen hatte.

Klaus Wurmer ist Vorsitzender des SC Mittenwald.

Es blieb nicht bei einem Stamperl, verrät er. Wurmer schenkte öfters nach. „Bei uns ist heute Polen offen“, sagt Wurmer, der das Skigebiet am Kranzberg betreibt. Samstagnachmittag saßen er und seine Mitstreiter in der Schirmbar, starrten auf einen Fernseher und sahen Thomas Dreßen. „Unseren Thomas“, wie sie beim SC Mittenwald sagen. Ihr Thomas raste die Streif in Kitzbühel hinunter. Während am Anfang bei der zweiten Messung ein einziges Mal eine rote Zwischenzeit aufleuchtete, wechselte die Farbe zu grün. Auch im Ziel. Man vernahm sogar am TV die Worte „geil“, „ja“ und „wuh“, die Dreßen schrie. Ähnlich, betont Wurmer, ging es auf dem Kranzberg zu. Als der SCM-Boss die ersten Glückwünsche bei Facebook und WhatsApp verschickt hatte, stieß er mit dem Schnapserl an. „Weltklasse“, entfuhr es ihm da.

Als erster Deutscher nach 39 Jahren triumphierte der Mittenwalder beim Hahnenkamm-Rennen. Sein Vorgänger Sepp Ferstl empfing ihn im Ziel neben weiteren Legenden. Felix Neureuther stand mit dem Deutschen Team in der Box. Er verriet hinterher, dass er noch nie so viel „Ganserlhaut“ – so nennt es Dreßen immer – bei einem Rennen gehabt habe. Ähnlich ging es Wurmer. Er betont: „Dass es so läuft, hätte ich nie geglaubt.“ Natürlich habe man mit guten Ergebnissen gerechnet. Vielleicht mit weiteren Podiumsplätzen. Aber der Sieg in Kitzbühel hat das ganze SCM-Team so sehr überrascht, dass es gleich an einen Empfang für den Thomas dachte. Die Idee verwarf man schnell, weil Dreßen eh längst wieder zuhause ist. Am Wochenende startet er beim Heimrennen in Garmisch-Partenkirchen. Seine Mittenwalder Club-Kollegen haben zig Karten für die Abfahrt am Samstag geordert. Auch ein Banner ist in Arbeit. Es zeigt einen fliegenden Dreßen bei der WM in St. Moritz im Vorjahr. Bislang fehlt noch ein Thomas-Dreßen-Fanclub. Doch auch der ist in Arbeit, versichert Wurmer. Er möchte versuchen, „etwas auf die Beine zu stellen“. Für den Klassiker auf der Kandahar hofft der SCM-Boss, dass der Druck, der auf dem Mittenwalder lasten wird, nicht zu groß ist. Er sagt: „Jetzt wird man großen Wirbel um ihn machen.“

„Das ist für uns wie ein Lottogewinn.“

Peter Fischer, Vorsitzender beim SC Garmisch, beruhigt ihn. Cheftrainer Matthias Berchtold, den er „Erfolgsmacher“ nennt, werde schon dafür sorgen, dass keiner abhebt. Außerdem sei doch Dreßen gar nicht der Typ dafür. „Er kann damit umgehen“, betont der Chef-Organisator des Weltcups. Da sei er ähnlich gestrickt wie Neureuther – „am Boden geblieben“. Fischer freut sich riesig. Zum einen für den „sehr netten Typen“, der immer gute Laune verbreitet. Zum anderen für die Heim-Veranstaltung. Dreßens Sieg verleiht der SCG-Mannschaft Auftrieb. „Die Stimmung steigt, die Euphorie steigt, die Arbeitsmoral steigt“, sagt Fischer. Noch nie hat er’s miterlebt, dass ein Deutscher als Kitzbühel-Sieger nach Garmisch-Partenkirchen anreist. Wie auch? Als Ferstl senior 1979 gewann, dachte Fischer noch nicht einmal daran, den Weltcup in seiner Heimat zu organisieren. Der OK-Chef möchte den Hype nutzen, um die Ränge zu füllen. „Das ist für uns wie ein Lottogewinn.“

Noch gibt es Karten für das Abfahrts-Rennen. Aber alleine, dass man nun darüber diskutiert, ob der SCG alle Plätze füllt, zeige, wie sehr sich das deutsche Speedteam entwickelt hat und um Siege mitfährt. Vor ein paar Jahren, sagt Fischer, „hat’s keinen interessiert“. Am liebsten, davon träumt er ja seit jeher, wären Fischer lauter Zuschauer aus der Region. Wo doch Landkreis und Skigau ein Ski-Ass haben, „auf das man stolz ist“. Fischer liebt den Vergleich zu den Festen, die die Österreicher feiern. Es muss ja nicht gleich eine Mega-Party wie in Schladming sein. Es wäre schon geholfen, wenn einige sagen: „Da gehe ich hin, da fährt unser eigener Mann mit.“

Fischer ist nicht der Einzige. Auch Wurmer hofft. Eigentlich läuft’s in seinem Club gut. Der SCM stellt zwei alpine Weltcup-Fahrer (neben Dreßen noch Benedikt Staubitzer) und erhielt erst kürzlich das Grüne Band für seine erstklassige Nachwuchsarbeit. Nur ein paar mehr Kinder wünscht sich Wurmer. Dreßens Sieg könnte „uns einen Schub geben“.

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