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Ein besonderer Dank der Mannschaft für ihren Edelfan: Nach der Hauptrundenmeisterschaft holen die Spieler Gerdy Sperger aufs Eis und lassen sie in der Fankurve feiern.

Vor dem Entscheidungsspiel gegen Crimmitschau

Bei jedem Spiel dabei: Gerdy Sperger ist SC Riessersee-Edelfan - mit 82 Jahren!

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Fans des SC Riessersee haben am Dienstagabend nur einen Termin: das Spiel gegen Crimmitschau. Die Chancen stehen gut – sagt das Bauchgefühl von Gerdy Sperger. Und das ließ die 82-Jährige all die Jahrzehnte selten im Stich.

Ersatz-Oma und Zieh-Enkel: Eine Freundschaft verbindet Gerdy Sperger und Tim Richter.

Garmisch-Partenkirchen – Nach einem Auswärtsspiel geht Tim Richter auf Gerdy Sperger zu, schüttelt ihre Hand. „Schön, dass Du da bist“, sagt er. Damals, in seiner ersten Saison für den SC Riessersee vor sieben Jahren. Dem Angreifer ist aufgefallen, dass die Garmisch-Partenkirchnerin fast jede Eishockey-Partie verfolgt. 2015 kehrt Richter zurück – Gerdy Sperger erkennt er sofort wieder. „Ja schön, dass Du immer noch da bist.“ Zu ihrem 80. Geburtstag, am Schalttag 29. Februar 2016, schenkt der Fanclub Sperger ein Abendessen mit ihm. So „haben wir uns ein bisschen angefreundet“, sagt die Garmisch-Partenkirchnerin. Von Zeit zu Zeit treffen sie sich auf einen Kaffee. Ob sie eine Art Ersatz-Großmutter fern seiner Heimat Hamburg sei? „Vielleicht ein bisschen“, sagt sie und lächelt.

An Tim Richter aber liegt es nicht, dass Gerdy Sperger SCR-Fan ist. Diese Leidenschaft begann vor seiner Zeit, irgendwann in den 1950ern. Spätestens seit 1974, als sie Mitglied im SCR-Hauptverein wurde, ist sie nicht mehr nur irgendein Fan. Sondern Edelfan, der kein Heimspiel verpasst, die meisten Auswärtsspiele live verfolgt. Der jeden Spieler kennt und den alle Spieler kennen. Bei dem sich über 30 Schals – auch die aktuelle Playoff-Sondervariante hat sie besorgt – stapeln. Der vor dem Heimspiel das Team im Gang erwartet – für den Glücks-Abklatscher. Nach der Hauptrundenmeisterschaft dankten die Männer ihr die Treue: Sie holten Sperger aufs Eis, Kapitän Florian Vollmer und Felix Thomas führten sie in die Fankurve. „Damit hab’ ich ein Foto, das sonst sicher keiner hat“, sagt Sperger. Davon gibt es einige.

Drei Deutsche Meisterschaften live verfolgt

Aufnahmen aus lange vergangenen Eishockey-Zeiten hat sie gesammelt. Von der Meisterschaft 1960, das Finale verfolgte sie in der Heimat Mannheim. Oder von der Meisterschaft 1978, gesehen in der Wahl-Heimat Garmisch-Partenkirchen. Gut – gesehen ist übertrieben.

Für die Saison vor 40 Jahren hatte Sperger ihre erste Dauerkarte erstanden. Stehplatz. Da stand sie also, 1,50 Meter groß, unter 11 000 Fans. „Gesehen hab’ ich nix.“ Danach kaufte sie nur noch Sitzplatz-Saisontickets. So hat sie die sieben Tore wirklich beobachtet, die 1981 zum Titel führten. „Drei Meisterschaften – ich glaube, so viele hat keiner verfolgt“ – und mitgefeiert hat sie auch. 1978 die ganze Nacht. Am Morgen holte sich die damals 42-Jährige ein Frühstück am Bahnhof, dann ging’s direkt in die Arbeit zum VdK-Sozialverband an der Ludwigstraße. Durchmachen würde sie bei der vierten Deutschen Meisterschaft 2018 wohl nicht mehr. Aber feiern, das kann sie auch mit 82 noch. Jubeln und singen ebenfalls.

In Fangesänge stimmt Gerdy Sperger ein

Von ihrem Sitzplatz aus – seit sechs Jahren schenkt ihr der SCR die Saisonkarte – stimmt sie in die Fangesänge ein. In die gängigen zumindest, „Blaue geben niemals auf“ etwa. Sie höre nicht mehr so gut, sagt sie und lacht. Bei Neu-Kreationen verstehe sie den Text nicht immer.

Seit 1961 lebt Sperger in Garmisch-Partenkirchen. Die Liebe zum Eishockey – „ich mag die Action“ – und zum SCR entdeckte sie schon früher. Aufgewachsen in Mannheim, jubelte sie über Jahre dem Heimatverein zu. In den 1950er Jahren kamen drei Riesserseer, um den ERC zu verstärken, mit zweien freundeten sich eine Freundin und Sperger an. Das Interesse für den SCR war geweckt. Mit dem Umzug ins Werdenfelser Land – während eines Urlaubs lernte sie ihren späteren Mann kennen – wuchs die Begeisterung. Sogar eine Chronik verfasste Sperger: „1923-2003 – 80 Jahre Eishockey Sportclub Riessersee“. Noch heute wird das Werk verkauft, die 20 Euro Reinerlös kommen dem Nachwuchs zugute.

Bald könnte die wechselvolle Vereinsgeschichte um ein Kapitel, um eine Meisterschaft – wenn auch nicht der Ersten Liga – reicher sein. Die vierte für Sperger. So weit aber denkt sie nicht, konzentriert sich auf das Spiel am Dienstagabend gegen Crimmitschau. Gewinnt der SCR, zieht er ins Halbfinale ein. Wichtig: Spergers Bauchgefühl. Darauf könne sie sich meist verlassen. Und es steht auf Sieg. Gelassen verfolge sie daher die Partie. Selbst wenn ihr SCR ausscheidet: Für Sperger bliebe „eine unglaubliche Saison“, die kaum jemand erwartet hatte. Besonders Zieh-Enkel Richter aber wünscht die zweifache Mutter, Oma und Ur-Oma einen Sieg. Schließlich feiert er Geburtstag, wird 29.

Geburtstagsgeschenk für Tim Richter schon verpackt

Das Geschenk für ihn hat Sperger schon verpackt. Eine kleine Tüte „mit was Süßem drin – ich glaube, alle Eishockeyspieler mögen was Süßes“. Und ihre Edelfans auch. Sperger jedenfalls freute sich über die Aufmerksamkeit, die ihr Richter zum Geburtstags-Kaffee vor einem Monat mitbrachte. Aber, betont sie, sie wolle daraus keine große Sache machen. „Wir verstehen uns einfach.“ Sie hofft auf eine weitere Saison mit Richter beim SCR. Auch Trainer Toni Söderholm will sie behalten. „Der soll bitte nicht nach Düsseldorf gehen“ – als Edelfan kennt sie alle Gerüchte. Aber sie wisse nicht mehr als andere, stellt sie klar. Mit Richter unterhält sie sich schließlich über andere Dinge als über Eishockey. Über Töchterchen Emma zum Beispiel. Oder seine Zeit im Sportinternat. Worüber man mit einer Ersatz-Oma eben so redet.

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