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Mit vollen Rängen rechnen die SCR-Sanierer für die kommende Saison nicht mehr. Sie kalkulieren konservativ. Das Ziel: 750 Tagestickets pro Oberliga-Partie.  

 Sanierer melden sich zu Wort: „Lieber ein solider SCR in der Oberliga, als gar kein SCR“

Der neue SC Riessersee: ohne Alleinherrscher, bescheidener und bodenständiger

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Der SC Riessersee wird saniert. Muss saniert werden. Dazu gibt es nun auch ein erstes Konzept. Und der Grundsatz der Rettergruppe lautet: „Der neue SCR hat keine starke Einzelperson mehr im Hintergrund.“ Zudem soll der neue SCR „bescheidener und bodenständiger daherkommen“.

Garmisch-Partenkirchen – Wer sie sind, möchten die Mitglieder der Rettergruppe immer noch nicht preisgeben. Am Donnerstag erfahren es aber alle Sponsoren des SC Riessersee bei einem gemeinsamen Abend, an dem es weniger um die Vergangenheit und mehr um die Zukunft des Eishockeyclubs gehen soll. Vorab hat sich das Sanierungs-Konglomerat in einem Brief an die Anhänger des SCR gewandt und eine zentrale Botschaft verkündet, die einer Reform gleicht: Die Gruppe ruft das Ende der Hegemonialmacht im Garmisch-Partenkirchner Eishockey aus. Künftig soll und darf es keine Alleinherrscher geben. „Der neue SCR hat keine starke Einzelperson mehr im Hintergrund“, heißt es in der Mitteilung.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Der Club muss sich selbst tragen. Ausgegeben wird nur Geld, das der GmbH vertraglich zugesichert ist. „Wir werden nicht mehr mit ungedecktem Etat in die Saison starten“, betonen die Retter. Der reformierte SC Riessersee soll „bescheidener und bodenständiger daherkommen“, was sich natürlich auf die sportlichen Ambitionen auswirkt. Credo der Sanierer: „Lieber ein solider SCR in der Oberliga, als gar kein SCR.“ Dazu haben sie ein Konzept erarbeitet. Ein Überblick:

Neue Eigentümer

Der Preis ist abgemacht. Für einen Euro wird Udo Weisenburger – bislang Haupt-Gesellschafter – seine Anteile verkaufen. Die Retter bestimmen, wer sie erhält. „Je größer die Gemeinschaft ist, desto besser und stabiler“, findet Stefan Endraß, Interims-Geschäftsführer beim SCR. Gerade arbeiten er und die Unterstützer-Gruppe mehrere Ideen aus. Eine Möglichkeit sieht vor, einen Verein für den Erhalt des Profisports im Ort zu gründen, der den Großteil der Anteile bekommt. Ein paar Prozent könnten auch an den Nachwuchs gehen. Auch über eine Stiftung oder eine Genossenschaft, die die GmbH besitzt, diskutieren sie. Dadurch lasse sich die Abhängigkeit reduzieren, sagt Endraß. Die Helfer sorgen sich vor allem um die Bedeutung des SCR und seiner Kultur in der Gegend. Sie finden: Eine neutrale Instanz muss her.

Beirat im Hintergrund

Vielleicht ist der Vergleich mit einer Aktiengesellschaft zu hoch gegriffen. Aber er eignet sich. „Jede AG hat einen Aufsichtsrat“, sagt Endraß. Bislang fehlte ein solches Kontrollorgan beim SCR. Keiner überwachte Ralph Bader sowie Udo Weisenburger und ihr Treiben. Deshalb plant die Gruppe einen ehrenamtlichen Beirat, der die Führung überwacht – aber auch unterstützt. „Ein Instrument, das sicherstellt, dass es nicht komplett in die falsche Richtung geht“, betont der Geschäftsführer. Die Mitglieder sollen im Tagesgeschäft helfen. Endraß denkt an Experten für den sportlichen Teil, für Finanzen, für Kontakte, Sponsoren – und vor allem den Nachwuchs. Sein größter Wunsch ist, Hauptverein und GmbH zusammenzuführen. „Ich glaube, das ist verloren gegangen.“ Der SC Riessersee könne nur ein Ziel verfolgen: „Er muss nach außen hin als eine Einheit auftreten.“

Weniger Sponsoren

Die Einnahmen werden weniger. Allerdings überrascht das nicht. Durch den Ausstieg der TAA – Weisenburgers Firma – bricht ein großer Batzen weg. „Mit der TAA rechnen wir nicht mehr“, merkt Endraß süffisant an. Allerdings gebe es einige neue Gönner, die in der schwierigen Lage helfen möchten. Endraß stellt klar: „Wir planen defensiver.“ Die Rettergruppe startet zeitgleich einen Aufruf an alle Unternehmen der Region, Riessersee in der Oberliga zu unterstützen. Denn die Geldgeber sind „der wichtigste Baustein“ der Finanzierung, gefolgt von den Zuschauereinnahmen. 90 Prozent der Einnahmen machen sie aus. Gastronomie (sie wird wieder in die SCR-GmbH eingegliedert) und Fanartikel-Verkauf folgen als weitere Quellen.

Zuschauer

Die Mühen waren groß. Stefan Endraß hat jedes Heimspiel betrachtet, den Gegner und sein Zuschauervolumen analysiert und aus den Zahlen eine Kalkulation erstellt. Eine „bewusst konservative“, wie er betont. Knapp 750 Tagestickets möchte er pro Oberliga-Partie (16 Spiele Vorrunde, 9 in der Verzahnungsrunde) verkaufen. Er glaubt allerdings, das Ziel übertreffen zu können. Diese Zusatz-Einnahmen könnten direkt in die neue Saison und somit in neue Spieler fließen. Die Zuschauer bestimmen auf diese Weise den Weg, den Riessersee einschlägt. Ebenso rechnet Endraß mit einem Rückgang bei den Dauerkarten. Im Vorjahr hatte der SCR etwa 500 Saisontickets verkauft. Die Preise für Einzel- und Dauerkarten – Endraß’ Plan: 20 Partien bezahlen, 25 sehen – fallen natürlich und werden an das Oberliga-Niveau angeglichen. Noch unklar ist, was mit den treuen Fans geschieht, die bereits vorige Saison ihre Dauerkarte erstanden haben. Derzeit kontaktiert der SCR alle persönlich und bespricht die Lage. Endraß sagt: „Ich glaube, wir finden einen Weg.“

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