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In Förgs neuem Krimi geht es um illegalen Welpenhandel. 

Spannender Krimi mit Tiefgang

Das Geschäft mit den Welpen

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Putzige Welpen, die aus einem umgestürzten Lkw krabbeln, und drei Tote, die an einer Eisenhut-Vergiftung gestorben sind, – daraus hat Nicola Förg ihren achten Alpen-Krimi „Scharfe Hunde“ gestrickt. Wieder greift sie ein hochbrisantes Thema auf – zur Freude von Tierschützerin Tessy Lödermann.

Garmisch-Partenkirchen – Der aufmüpfige Besitzer einer Outdoor-Agentur, der die neue All-Inclusive-Gästekarte torpediert, ein holländischer Camping-Urlauber und eine begüterte Werdenfelser Oma – auf den ersten Blick haben sie rein gar nichts miteinander zu tun? Was das Ermittler-Duo Irmi Mangold und Kathi Reindl allerdings stutzig macht, ist, dass sie alle an einer Eisenhut-Vergiftung gestorben sind. War ’s Mord? Suizid? Bevor sich die Kommissarinnen in die Ermittlungen vertiefen, stürzt vor dem Farchanter Tunnel ein ungarischer Lkw um. Heraus purzeln unzählige Käfige mit sehr jungen Hundewelpen. Der Fahrer schweigt. Merkwürdig ist jedoch, dass bei ihm die Adresse der toten Garmisch-Partenkirchnerin entdeckt wird. Und schon tauchen Mangold und ihre Kollegin ein in ein brandgefährliches Milieu, das dem der Waffenschmuggler und Drogenhändler in nichts nachsteht. Es geht um Geld, um unermesslich viel Geld.

„Scharfe Hunde“ heißt der neue Alpen-Krimi von Nicola Förg, der sich wieder mit einem hochaktuellen Thema befasst. Natur, Tiere, Umwelt und auch Soziales – darum strickt die Autorin, die früher in Bad Bayersoien lebte und mittlerweile in Prem (Landkreis Weilheim-Schongau) wohnt, die Fälle ihres Ermittler-Duos. „Schwache in den Fokus rücken, um so die Leser zum Nachdenken zu bringen“ – daran liegt Förg, die mit ihren 17 Krimis und weiteren Büchern bereits eine Gesamtauflage von 1,5 Millionen erreicht hat. Steigt sie in die Recherche ein, dann packt sie schon auch die Wut. Wie jetzt, als sie sich mit den Machenschaften der Welpenhändler befasste. „Das ist organisierte Bandenkriminalität.“ Um das ganze Ausmaß zu realisieren, hat sie gerechnet und festgestellt, dass „sich der reine Gewinn bei 250 Welpen auf 200 000 Euro beläuft“. Ein Wahnsinn.

Sprachrohr der Schwachen: Nicola Förg greift in ihren Alpen-Krimis immer ein brisantes Thema auf.

Für Tessy Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen und Vize-Präsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, ist das, was Förg mit ihren Büchern macht, „extrem wichtig“. So werden Menschen über einen spannenden Krimi mit Themen konfrontiert, auf die sie ansonsten wohl nicht aufmerksam würden. „Ich hoffe auch, dass sie abgehalten werden, Welpen aus dem Internet oder über Kleinanzeigen zu kaufen.“ Wer einen neuen Gefährten sucht, dem rät sie, ins Tierheim zu kommen oder sich an den Verband deutscher Hundezüchter zu wenden.

500 000 Welpen strömen jedes Jahr aus Osteuropa nach Deutschland. Erst vor wenigen Tagen musste Lödermann wieder am Irschenberg einen Transporter voller Hundebabys abholen. Tiere, die viel zu jung sind, um von ihrer Mutter getrennt zu werden. Die völlig verängstigt sind und bisher nur Schlimmes von Menschen erfahren haben. Und die außerdem oft krank sind.

Was Förg in ihrem neuesten Roman anprangert, „ist traurige Wirklichkeit“, sagt Lödermann. Stapelweise liegen bei ihr im Garmisch-Partenkirchner Tierheim gefälschte Dokumente – darunter etliche von ungarischen Tierärzten. Die Papiere sollen als Nachweis für die Abstammung der Rassehunde dienen, die überwiegend nach Deutschland, Spanien, England und in die Niederlande gelangen. Werden die Transporte gestoppt, dann landen die Vierbeiner in Tierheimen, häufig auch in der Schmalenau. Fahrer, Züchter und Hintermänner kommen meist ungeschoren davon. Das ist für Lödermann ebenfalls ein Wahnsinn. Ihrer Meinung nach müsste sich die EU diesen Problemen annehmen und der Freistaat einen Fonds einrichten, damit die Einrichtungen nicht auf den enormen Kosten sitzen bleiben. „Für einen jungen Hund fallen im Schnitt 1500 Euro bis zur Vermittlung an.“

Einer der Welpen, die in dem Transporter vor dem Farchanter Tunnel gefunden wurden, landet bei Irmi Mangold. Ein kleiner Chihuahua. Kicsi nennt sie den Hund, der so gar nicht zu der bodenständigen Kommissarin passen will. Das spürt offenbar auch das Tier, das sich sein neues Herrchen kurzerhand selbst sucht. Bernhard, Irmi Mangolds grummeliger Bruder, erobert sein Herz im Sturm. Logisch, dass Kicsi im neunten Alpen-Krimi, an dem Förg gerade sitzt, eine Rolle spielt.

Die Buchpremiere

findet am Donnerstag, 16. März, im Gasthaus Schranne in Garmisch-Partenkirchen statt. Neben Nicola Förg, die aus ihrem neuen Krimi „Scharfe Hunde“ liest, sind Tessy Lödermann und Birgitt Thiesmann, Leiterin der Vier-Pfoten-Kampagne gegen den illegalen Welpenhandel, mit von der Partie. Beginn ist um 20 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro, die dem Garmisch-Partenkirchner Tierheim zu Gute kommen.

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