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Offenes Gespräch im Rathaus: Bei der Übergabe des Fotobuchs tauschen sich (v.l.) Leopold Wagner, Antonia Maier und Klaus Weber (r.) mit Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (2.v.r.) über die Straßen-Problematik aus.

Rathauschefin muss Prioritäten setzen

Schlaglöcher in Garmisch-Partenkirchen: Bürgermeisterin spricht von Versäumnis ihrer Vorgänger

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Die Buckelpisten in Garmisch-Partenkirchen bewegen die Bürger. Jetzt hat Klaus Weber der Rathauschefin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) ein Fotobuch mit Bildern von den Straßenschäden überreicht. 

Garmisch-Partenkirchen – Vorsichtig öffnet Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) das kleine Paket. Mit reichlich Tesafilm ist es zugeklebt. Das fällt Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin sofort auf. „Wenn ich ein Geschenk verpacke, komme ich ohne aus“, sagt sie und lacht. Ihr genügt ein Band. Klaus Weber nimmt’s mit Humor, gelobt Besserung. Ihm geht’s am Mittwoch mehr um den Inhalt seines Präsents an Meierhofer. Ein Büchlein, gespickt voll mit Bildern der zahlreichen Straßenschäden in der Marktgemeinde.

Weber hat es zusammengebastelt. Das Material stammt aus der von ihm gegründeten Facebook-Gruppe „Schlaglochhausen-kirchen“, in der Bürger ihre Fotos vom schlechten Zustand einiger Straßen und Wege posten können. Auch auf einen USB-Stick hat der Administrator diese geladen, samt Beschriftung und Kommentare der Gruppenmitglieder. Letztere druckte Weber zusätzlich auf Papier aus, heftete sie zusammen und übergab die Mappe ebenfalls an Meierhofer. Der Grainauer, dessen Leben sich in Garmisch-Partenkirchen abspielt, brachte mit Antonia Maier und Leopold Wagner – wie berichtet, klapperte der 23-Jährige auf eigene Faust den Ort ab und dokumentierte die Schäden – Verstärkung mit ins Rathaus. Sie alle eint ein Wunsch: dass die Fahrbahnen repariert werden.

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„Die Olympiastraße jetzt zu sanieren, wäre ein Schwabenstreich“

Seit geraumer Zeit schwelt Unzufriedenheit im Ort. Zuletzt flammte sie im Zuge der Diskussion um den fahrradgerechten Umbau der Bahnhofsstraße auf. Die Bürgermeisterin ist zwar auf Facebook angemeldet, nutzt das soziale Netzwerk aber nicht. Wie mittlerweile viele ihrer Kollegen – wegen der verbalen Attacken, die teilweise unter die Gürtellinie gehen. Das Problem ist ihr und dem Rathausteam aber bestens bekannt. „Wir sehen das“, betont sie. „Aber ich kann nicht zaubern.“ Die Rathauschefin spielt auf ihre Vorgänger an, auf deren Nichtstun in dieser Sache. „Ich kann nicht was in sechs Jahren richten, was in den letzten Jahrzehnten versäumt wurde.“ Zumal sich Meierhofer veranlasst sah, in der ersten Hälfte ihrer Amtszeit einen Sparkurs einzuschlagen, um die Finanzen zu konsolidieren. „Wir hätten von der Rechtsaufsicht gar keinen Kredit genehmigt bekommen.“ Weber, der mit der privaten Meierhofer ein gutes Verhältnis pflegt, sieht die Schuld an den Schlaglöchern auch nicht bei ihr. Verantwortlich für die „Schlamperei“ seien die ehemaligen Bürgermeister wie Toni Neidlinger (CSU) und Thomas Schmid (CSB). „Und sie kriegt’s jetzt ab.“

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Vor allem die Olympiastraße gleicht einer Buckelpiste. Weiß Meierhofer. Sie räumt auch ein, dass die Verschlechterung dieser Fahrbahn während ihrer Regentschaft eingetreten ist. Die Straße aber jetzt zu sanieren, wo am Landratsamt die Tiefgarage gebaut wird, wäre also ein ungeschicktes Vorgehen. Um die Unebenheiten nicht weiter zu verstärken, gibt es mittlerweile ein Fahrverbot für große Lkw. Ebenso gilt Tempo 30. Geld für diesen Bereich sowie für die Chamonixstraße ist im Investitionsprogramm einkalkuliert.

Viele andere Hausaufgaben zu erledigen

Viel Zeit nimmt sich die Rathauschefin für die drei Besucher und beantwortet Fragen. Zum Beispiel die von Weber, warum die Fräsmaschine der Gemeinde nicht öfter verwendet wird. Dem widerspricht Meierhofer vehement. Das Gerät sei ausgelastet, allein heuer stünden rund 20 Straßen auf dem Programm. An der Reintal- und Fritz-Müller-Straße sowie bei der Zuwegung zum Klinikum war es bereits im Einsatz. Sie nutzt aber auch die Gunst der Stunde, um aufzuklären. Darüber, dass sich viele Private jetzt beschweren, die sich bis vor Kurzem noch gegen Korrekturen ausgesprochen hatten. Aus einfachem Grund: Damals gab es noch den Straßenausbaubeitrag, kurz STRABS, bei dem die Anlieger an den Kosten beteiligt worden wären. Seit 1. Januar 2018 existiert sie in Bayern nicht mehr.

So einfach wie sich viele Bürger das Prozedere mit den Fahrbahn-Ertüchtigungen vorstellen, geht’s offensichtlich nicht. Garmisch-Partenkirchen hat umfangreiche Hausaufgaben vor der Brust. Das Olympiastadion, das laut Meierhofer seit 70 Jahren „vergammelt“, den Kommunalen Wohnungsbau, das Kongresshaus sowie die Erweiterung und Turnhallen-Sanierung der Bürgermeister-Schütte-Schule. Die Rathauschefin dreht den Spieß um, richtet eine Frage an ihre drei Gäste: „Was soll ich davon streichen, um Straßen zu bauen?“ Sie blickt in ratlose Gesichter. Für die Politikerin haben die Schule und der Wohnungsbau Priorität. „Das geht vor geflickte Straßen.“ Ob in naher Zukunft eine Phase bevorsteht ohne dringende Projekte? In einem Ort mit Investitionsstau wohl eher unwahrscheinlich.

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