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Energiekrise, Personalmangel und Inflation: Gastgewerbe mit Zukunftsängsten

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Von: Andreas Seiler

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Tourismus im Blick: Bayerns Wirtschaftsminister und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger (M.) zu Gast in Garmisch-Partenkirchen. Vor dem Kongresshaus empfangen ihn (v.l.) Dehoga-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Zunterer, GaPa-Tourismus-Geschäftsführer Michael Gerber, Landrat Anton Speer, Dehoga-Bezirksvorsitzende Jutta Gries und Landtagsabgeordneter Florian Streibl.
Tourismus im Blick: Bayerns Wirtschaftsminister und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger (M.) zu Gast in Garmisch-Partenkirchen. Vor dem Kongresshaus empfangen ihn (v.l.) Dehoga-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Zunterer, GaPa-Tourismus-Geschäftsführer Michael Gerber, Landrat Anton Speer, Dehoga-Bezirksvorsitzende Jutta Gries und Landtagsabgeordneter Florian Streibl. © Sehr

Das Urlaubsgeschäft brummt wieder nach den schwierigen Corona-Jahren. Dennoch ist angesichts der Energiekrise und Inflation die Verunsicherung im Gastgewerbe groß. Dies war bei einem Treffen von Wirten und Hoteliers mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) in Garmisch-Partenkirchen deutlich zu spüren.

Garmisch-Partenkirchen – Die Hotel- und Gastrobranche, im touristisch geprägten Landkreis Garmisch-Partenkirchen ein wichtiger Eckpfeiler der Wirtschaft, hat eine schwierige Zeit hinter sich. Viele Betriebe konnten zwei Jahre Corona und die monatelangen Lockdowns nur mit staatlichen Hilfen überleben. Doch inzwischen hat sich der Tourismus erholt. Bayernweit haben die Zahlen der Gästeankünfte und Übernachtungen fast schon wieder Vor-Corona-Niveau erreicht. Das merkt man auch hier in der Region: Die Belegung ist hoch, die Gaststuben und Biergärten sind gut gefüllt, ist von verschiedenen Seiten zu hören. Der G7-Gipfel auf Schloss Elmau und die Passionsspiele in Oberammergau brachten einen zusätzlichen Schub.

„Das treibt uns die Sorgenfalten auf die Stirn.“

Doch es ziehen dunkle Wolken auf. Ob nun Fachkräftemangel, Energiekrise oder Inflation – es herrscht Ungewissheit darüber, wohin die Reise geht und welche Schwierigkeiten auf die Unternehmen zukommen. Vor allem das Horrorszenario, die Verbraucher könnten angesichts der spürbaren Preissteigerungen anfangen, auf Urlaub und Gastro-Besuche zu verzichten, beunruhigt viele Geschäftsleute. Jutta Gries, Bezirksvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), sprach jetzt bei einer Diskussionsrunde mit dem Bayerischen Wirtschafts- und Tourismusminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) in Garmisch-Partenkirchen von einem „fragwürdigen Ausblick in die Zukunft“. Bei Landrat Anton Speer (Freie Wähler) klang es nicht viel anders: „Das treibt uns die Sorgenfalten auf die Stirn.“

Eine Entwarnung konnte Aiwanger bei der Veranstaltung, zu der die Dehoga in Kooperation mit GaPa Tourismus ins Kongresshaus eingeladen hatte, auch nicht geben. Aber der Niederbayer, der sich für einen nachhaltigen Qualitätstourismus starkmacht, warnte davor, alles schwarzzumalen und Untergangsstimmung zu verbreiten. „Wir werden nicht völlig einfrieren“, gab er sich mit Blick auf einen möglichen Gasnotstand vorsichtig optimistisch. Die Speicher seien bis zum Beginn der Heizsaison gut gefüllt, und andere Länder wie etwa Norwegen lieferten ebenfalls den Brennstoff. Die Gasversorgung, die bislang vor allem aus Russland kam und nun in Folge des Ukraine-Krieges bedroht ist, ist für viele Hotels und Gaststätten elementar. Denn schätzungsweise jeder zweite Betrieb – dies ergab eine Blitzumfrage an dem Abend – nutzt den Energieträger. Aiwanger sprach sich dafür aus, verstärkt auf heimische Heizstoffe zu setzen, etwa auf Biogas oder Hackschnitzel. „Das ist der Weg des gesunden Menschenverstandes.“

Plädoyer für Steuererleichterungen

Der Freie-Wähler-Chef, der sich als bodenständiger Pragmatiker präsentierte und einige Spitzen gegen die politische Konkurrenz abfeuerte, hielt ein Plädoyer für Steuererleichterungen. Explizit nannte er die Einkommen- und Mehrwertsteuer. Es gehe darum, sagte er vor den gut 50 Besuchern im Richard-Strauss-Konzertsaal, die unteren und mittleren Einkommensschichten zu entlasten. Denn: „Das sind die Ersten, die nicht mehr zum Essen gehen.“ Jetzt müssten die Weichen gestellt werden, dass es erst gar nicht dazu kommt.

Sein Parteikollege Florian Streibl, Fraktionschef im Bayerischen Landtag, brachte beim Stichwort Energiepolitik einen weiteren Aspekt ins Spiel: Es sei ein schwerer Fehler gewesen, kritisierte der Oberammergauer, Unternehmen der Energie-Wirtschaft zu privatisieren. „Ein Sündenfall, der heute teuer zu bezahlen ist.“ Die Firmen gehörten wieder in die öffentliche Hand, um die Grundversorgung besser steuern zu können. In der Debatte wurde als Beispiel das Walchenseekraftwerk genannt, das zum angeschlagenen Uniper-Konzern gehört.

Die Dehoga-Mitglieder thematisierten auch Hürden und Hindernisse, mit denen die Branche zu kämpfen hat. Beispielsweise beklagte Almut Heiland aus Wurmansau die Bürokratie, die sie mitverantwortlich macht für das vom Aussterben bedrohte, bayerische Dorfwirtshaus. Hier müsse dringend entrümpelt und vereinfacht werden. „Wir verwalten uns zu Tode“, ärgerte sich die Betreiberin des Ammertaler Hofs.

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