Wintererprobte Bewohner

Schnee, Schnee, Schnee: So ist die Lage in den Weilern und Ortsteilen von Garmisch-Partenkirchen

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Abgeschnitten von der Außenwelt? Von wegen. Garmisch-Partenkirchens Ortsteile und Weiler sind zwar eingeschneit, die Bewohner haben die Lage aber im Griff. Nur ein Gastronom am Graseck klagt über Versorgungsnöte.

Garmisch-Partenkirchen – Es kostet Kraft und Zeit, plagt den Rücken und macht absolut keinen Spaß. Gäbe es ein Unwort des Winters, das Schneeschaufeln hätte wohl gute Chancen. Ob in den Orten oder außerhalb müssen Wege, Einfahrten oder Dächer von den Schneemassen befreit werden. „Ich könnte mir Schöneres vorstellen“, sagt Wilfried Weinberg. Der Pächter der Kaiserschmarrn-Alm am Graseck hat wie die Bewohner der anderen und höhergelegenen Garmisch-Partenkirchner Weiler und Ortsteile mit größeren Mengen zu kämpfen als im Kern des Marktes.

Graseck

Derzeit herrscht eine Ausnahmesituation. „Es soll auch bei einer Ausnahme bleiben“, betont Weinberg. Er kann den Winter nicht genießen. Die Gäste bleiben in der Kaiserschmarrn-Alm aus, vor allem seit die Gemeinde am Freitag die Partnachklamm und die Wanderwege wegen Lawinen- und Baumbruchgefahr gesperrt hat. Über die Straße ist der Weiler zu erreichen, zu Fuß oder mit der Graseckbahn. Allerdings enden die Räumarbeiten der Gemeinde am Hotel. „Ein Riesenproblem“ für Weinberg. Der Warentransport – unmöglich. „Wir leben momentan von der Substanz.“ Ändert sich nichts, muss er den Betrieb einstellen.

Wamberg

Von Versorgungsengpässen ist in Wamberg keine Rede. Die Bewohner haben dort immer Vorräte in Speisekammern und Gefriertruhen. „Das kommt von früher, als es noch mehr Schnee gab“, sagt Andreas Mühlbacher. Die Situation rund um St. Anna bringt niemanden aus der Ruhe. „Wir sind nicht abgeschnitten wie die Jachenau“, betont der frühere Ortssprecher. Den Schnee schieben die Wamberger mit Bulldogs und Geräten beiseite. Genug Platz haben sie. Nur der Weg in den Weiler ist schwieriger zu passieren. „Die Gemeinde bringt den Schnee nicht mehr raus.“ Ein schweres Los hat deshalb der Postbote gezogen. Derzeit befreien die Bewohner die Dächer von den Lasten. Mühlbacher übernimmt die Arbeit auch für seinen 80-jährigen Nachbarn. Alle helfen zusammen.

Griesen

Unterstützung bekommt auch Wolfgang Hagen. Sohn Andreas packt mit an und schaufelt den Schnee von den Hennen- und Kaninchenstall-Dächern. Mehr als ein Meter der weißen Pracht liegt auf vielen Häusern in Griesen. Hagens Fräse hat bereits den Geist aufgegeben. Rettung durch den Kundendienst? Fehlanzeige. „Die sind alle für die nächsten vier Tage ausgebucht.“ Er nimmt’s gelassen, vor allem, weil er schon heftigere Winter erlebt hat. Viel mehr wundert ihn, dass die Stromversorgung noch vorhanden ist. „Die Leitung hängt frei“, sagt der Griesener mit Blick auf die Bäume rund herum. Er will nichts verschreien, vielmehr betont er: „Uns geht’s allen gut hier.“

Schlattan

Alles im grünen Bereich: Der Wintereinbruch hat Georg Pfeiffer keine Probleme bereitet. Der Inhaber der Pfeiffer-Alm in Schlattan kann Gäste empfangen. Der Schneepflug ist raufgekommen, der Weg nicht gesperrt. Am Freitag besuchten ihn die Teilnehmer von drei Schneeschuhwanderungen sowie weitere Kunden. „Wir sind immer da“, sagt er. Außer an den Ruhetagen. Wie gewohnt.

Höfle

Seit 35 Jahren lebt Heidi Bartl in Höfle. 35 Winter hat sie dort erlebt. Und sie mag die kalte Jahreszeit. Jetzt aber sagt sie: „Es reicht mit dem Schnee.“ Schaut die 64-Jährige aus dem Fenster, sieht sie nur noch weiße Wände. Ein bisschen bange wird ihr beim Blick aufs Hausdach. „Es ist aus Blech“, sagt sie. Der Schnee kommt schnell ins Rutschen. Ihr Auto hat sie deshalb schon in Sicherheit gebracht. Sie will es ohnehin so wenig wie möglich bewegen. Der Weg in den Weiler ist zwar kein Problem – auch ohne Schneeketten und Allrad –, aber beschwerlich findet Bartl ihn trotzdem. Nicht umsonst landete beim Einkaufen am Freitag mehr im Wagerl. „Wir wissen ja nicht, wie es weitergeht“, betont sie. Eingesperrt fühlt sich die Garmisch-Partenkirchnerin nicht. „Wir haben alles im Griff.“

Kaltenbrunn

Sie checkt derzeit oft den Wetterbericht. An diesem Samstag will Monika Erhardt gerne in den Wellenberg nach Oberammergau fahren, den Geburtstag ihrer Tochter feiern. Sie ist hin- und hergerissen, ob sie den Eingeladenen absagen soll angesichts der Wetter-Ungewissheit.

Eines steht aber sicher auf dem Programm: Schnee vom Dach zu beseitigen. Auch, wenn sie hofft, dass der Regen Kaltenbrunn verschont. „Wir liegen ja ein bisschen höher“, sagt Erhard und lacht. Dann lieber Schnee. 1,13 Meter wurden in dem Garmisch-Partenkirchner Ortsteil am Donnerstag gemessen. Die Schaufel war im Dauereinsatz. „Sport“, sagt Erhard, „braucht man nebenher nicht mehr machen.“

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