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Ob in T-Shirts oder in dunkelblauen Jacken: An ihrer Uniform ist die Sicherheitswacht zu erkennen.

Stadt im Nachbarlandkreis von Polizeihelfern begeistert

Sicherheitswacht: Mit wärmster Empfehlung aus Schongau

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Polizeipräsident Robert Kopp würde gerne in Garmisch-Partenkirchen eine Sicherheitswacht einführen. Er hält viel von der Mithilfe der Bürger. In Schongau haben sie damit sieben Jahre lang Erfahrungen gesammelt – offenbar nur positive.

Heidi Schrödl engagiert sich seit fünf Jahren bei der Sicherheitswacht in Schongau.

Garmisch-Partenkirchen/Schongau – Würde die Polizei eine perfekte Botschafterin für ihre Sicherheitswacht suchen – in Heidi Schrödl würde sie eine solche finden. Seit fünf Jahren engagiert sich die 62-Jährige als Polizeihelferin in Schongau. Und sie schwärmt von ihrer Aufgabe. Dabei verlief der Start weniger erfreulich.

In ihrer dunkelblauen Jacke mit der Aufschrift „Sicherheitswacht“ marschierte sie mit einem Partner 2012 die ersten Male durch die Stadt. Da beschimpften sie fremde Menschen als „Nazi“ oder „Stasi“. Wenn es auch nicht ständig vorkam – „da braucht man Nerven“. Mittlerweile aber habe sich die Situation komplett geändert. Mittlerweile hört Schrödl vor allem Sätze wie „Super, dass es Euch gibt“.

Sieben ehrenamtliche Polizeihelfer in Schongau

Sieben ehrenamtliche Mitglieder zählt die Sicherheitswacht in Schongau aktuell. Neben der Stadt im Nachbarlandkreis setzen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd vier Orte auf eine Sicherheitswacht, zwei weitere folgen. Für dieses Projekt warb Polizeipräsident Robert Kopp zuletzt im Rahmen eines Sicherheitsgesprächs im Landratsamt. Gerne würde er dieses auch in Garmisch-Partenkirchen starten. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) hatte spontan Interesse bekundet. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) enthält sich nun auf Nachfrage jeder Wertung. Diesem Thema müsse man sich in den zuständigen Gremien widmen, lässt sie über Sprecherin Ute Leitner ausrichten. „Einer Diskussion und einem daraus resultierenden Beschluss möchte sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgreifen.“

Würde Meierhofer Herbert Kieweg nach seiner Meinung fragen – er würde ihr das Instrument empfehlen. Der Leiter der Schongauer Polizei schwärmt von der Sicherheitswacht ebenso wie Schrödl und Kopp. „Das läuft sehr gut“, sagt er. Die Mitglieder seien bei Bürgern „voll akzeptiert“.

Wichtige Arbeit in der Prävention

Eine große Rolle spielt das Angebot für Kieweg zum einen in der gefühlten Sicherheit, die sich bei Bürger durch die Präsenz der Wacht erhöhe. Zum anderen im präventiven Bereich – damit es gar nicht erst zu Ärger kommt. Kieweg ist überzeugt, dass die Helfer hier wichtige Arbeit leisten. Allein durch die vielen Gespräche, die sie gerade mit Jugendlichen und anderen Bürgern führen. „Sie sind Ansprechpartner.“ Und sie schauen hin, wenn etwas suboptimal läuft. Da zeigen sich offenbar Erfolge.

Das mit dem Urinieren etwa „ist deutlich weniger geworden“, sagt Schrödl. Überall habe das männliche Partyvolk hingebiselt. Jetzt spreche man sie an, bitte sie, nicht mitten in die Altstadt zu urinieren – und die meisten Wildbisler „sind sehr einsichtig“. Dasselbe gilt generell für Jugendliche, mit denen sich Schrödl und ihre Mitstreiter unterhalten. Etwa über Alkoholkonsum, ganz generell. Einer reagierte zunächst aggressiv auf Schrödl. Nach dem Gespräch sagte er: „Sie sind ja total nett, sie sind wie meine Oma.“ Vielleicht, hofft die Schongauerin, denkt der junge Mann ein wenig über das Trinken nach. Das wäre schon ein Erfolg. Mit Einfühlungsvermögen auf Menschen zuzugehen zählt für sie zu den wichtigsten Aufgaben. Damit sei viel gewonnen.

Keine Probleme mehr mit Müll an Grillplätzen

Eine wichtige Station für die Sicherheitswacht sind die Spielplätze. Immer wieder entdecken die Helfer dort leere und halbvolle Flaschen Bier und Schnaps. Die schütten sie aus und werfen sie weg. Abfall – ein wichtiges Stichwort für die Grillplätze am Lech. Über Jahre waren sie vermüllt. Nun fahren Schrödl und Co. vorbei, nehmen in jeder Gruppe Personalien eines Verantwortlichen auf, der garantiert, dass alles aufgeräumt wird. „Seitdem haben wir keine Probleme mehr mit dem Müll.“ Auch mit Ruhestörung während Partys oder rund um Kneipen gibt es weniger Schwierigkeiten. Das bestätigt Inspektionsleiter Kieweg. „Da ist die Sicherheitswacht wirklich eine Entlastung für uns.“

Noch ist offen, ob die Kollegen in Garmisch-Partenkirchen diese auch erfahren. In den nächsten Wochen wollen Verantwortliche von Polizei und Markt über eine mögliche Sicherheitswacht in Garmisch-Partenkirchen beraten.

Bewerbungsvoraussetzungen

Vor ihrem Einsatz durchlaufen die Mitglieder der Sicherheitswacht eine 40-stündige Ausbildung. Danach dürfen sie im Einsatz Personalien aufnehmen und Platzverweise aussprechen. Dafür bewerben können sich der Polizei zufolge Frauen und Männer jeder Nationalität, die mindestens 18 und höchstens 60 Jahre alt sind und eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung nachweisen. Zudem müssen sie „Zuverlässigkeit und Verantwortungsbereitschaft bewiesen haben und einen guten Ruf besitzen“. Darüber hinaus erklären sie sich mit ihrer Bewerbung bereit, im Durchschnitt zehn Stunden monatlich zu investieren. Auch sollten sie am Einsatzort oder in der näheren Umgebung wohnen und über gute Deutschkenntnisse verfügen. Für ihren Einsatz erhalten die Helfer eine Aufwandsentschädigung von acht Euro in der Stunde. Bereits seit 1994 setzt Bayern bei der Inneren Sicherheit auf die Hilfe der Bürger.

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