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Poller sind für Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer „grundsätzlich eine mögliche Maßnahme zur Verkehrsberuhigung“.

Poller für die Garmischer Fußgängerzone

Das Schüren von Ängsten nennt Meierhofer „geschmacklos“

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Poller könnten nach einem Beschluss des Hauptausschusses in der Garmischer Fußgängerzone in Zukunft dafür sorgen, dass der unerwünschte Lieferverkehr ausgesperrt wird. Nach der Amokfahrt von Münster kommt allerdings auch der Sicherheitsaspekt wieder ins Spiel.

Garmisch-Partenkirchen – Problem erkannt, Lösung gefunden – die Umsetzung lässt allerdings auf sich warten. Zwar hatte der Hauptausschuss des Garmisch-Partenkirchner Gemeinderats unter Vorsitz von Vize-Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) bereits Ende November vergangenen Jahres mit einer 9:1-Mehrheit beschlossen, dass Poller an den Zufahrten zur Fußgängerzone ein probates Mittel seien, den Lieferverkehr aus Garmisch-Partenkirchens guter Stube zu verbannen, geschehen ist noch nichts. „Grundsätzlich befürwortet der Hauptausschuss die Einrichtung von Pollern in der Garmischer Fußgängerzone. Momentan werden verschiedene Lösungen und die jeweiligen Kosten ermittelt“, teilt Rathaussprecherin Ute Leitner auf Tagblatt-Anfrage mit. Im nächsten Schritt solle der Dialog mit den Anliegern intensiviert werden, „um verschiedene Fragestellungen wie etwa Zufahrtsregelungen zu klären“. Anschließend muss Leitner zufolge die Vergabe der Leistungen ausgeschrieben werden. „In welchem Gremium dann der endgültige Beschluss gefasst wird, richtet sich nach dem finanziellen Rahmen, in dem sich die Angebote bewegen“, sagt Leitner.

Keine Rolle spielte bei den Beratungen vor Monaten der Sicherheitsaspekt, der nach der Amokfahrt von Münster wieder aktuell geworden ist. FDP-Gemeinderat Martin Schröter hatte damals per Antrag eine Pollerlösung wegen der Terroranschläge von Nizza, Berlin und Barcelona angeregt. Die Mitglieder des Hauptausschusses folgten einer anderen Intention. Schröter nimmt den Vorfall in seiner Geburtsstadt, bei dem drei Menschen getötet wurden, zum Anlass, den Einbau von versenkbaren Pollern, wie es sie schon in Murnau gibt, bis zum Beginn der Sommersaison zu fordern. „Damit sich Ähnliches in meinem Heimatort Garmisch-Partenkirchen nicht wiederholt“, schreibt Schröter auf seiner Facebook-Seite. Wer um die Gefahren wisse und nichts tue, mache sich gegebenenfalls „moralisch mitschuldig“, lautet sein Schlusssatz. Einen Text gleichen Inhalts hatte der Vize-Botschafter an der deutschen Vertretung in Luxemburg bereits Sonntagmittag auch seinen Gemeinderatskollegen zugemailt. Bei Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) kommen Schröters Worte, mit dem sie während der Sitzungen häufiger aneinandergerät, nicht gut an. „Wenn der furchtbare Anschlag in Münster zum Anlass genommen wird, um bei der hiesigen Bevölkerung Ängste zu schüren, halte ich das für geschmacklos.“ Poller sind für Meierhofer „grundsätzlich eine mögliche Maßnahme zur Verkehrsberuhigung“. Eine ähnliche Meinung vertritt Bauer. Er nennt Poller „eine sinnvolle Möglichkeit, um unerwünschtes Verkehrsaufkommen zu unterbinden.“ Sie könnten aber auch „eventuell für mehr Sicherheit sorgen“.

Elisabeth Koch, die Schröter in herzlicher Abneigung verbunden ist, kam nicht in den Genuss der Gedanken des Liberalen. Die CSU-Fraktionsvorsitzende hat sich aus Schröters E-Mail-Verteiler streichen lassen. Eine Poller-Lösung in der Fußgängerzone, um das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu befriedigen, müsse man sich durch den Kopf gehen lassen. Das dürfe allerdings „nicht reflexartig“ geschehen, sondern „mit Augenmaß“. Absoluten Schutz vor Gefahren gebe es nicht.

Robert Allmann macht deutlich, dass die Pollerlösung, für die sich die Mitglieder des Hauptausschusses stark gemacht haben, vor allem dazu dienen soll, unerwünschten Verkehr aus der Fußgängerzone fernzuhalten. „Der Schutzaspekt stand damals nicht im Vordergrund.“ Wenn der jetzt Teil der Lösung sein soll, müsse man bei den Angeboten darauf achten, dass auch schwere Fahrzeuge die Sperre nicht durchbrechen können.

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