Der kleine Waffenschein berechtigt den Besitzer zum Nutzen einer Schreckschusspistole.
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Der kleine Waffenschein berechtigt den Besitzer zum Nutzen einer Schreckschusspistole.

Vorfall klärt sich rasch auf

Nach Schüssen von Dachterrasse: Großeinsatz in Garmisch-Partenkirchen - Schreckmoment für Anwohner

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Einen Polizei-Großeinsatz in Garmisch-Partenkirchen hat ein Berliner ausgelöst. Der 38-Jährige feuerte von einer Dachterrasse mehrere Schüsse ab.

  • Plötzlich fallen Schüsse: Schreckmoment für die Anwohner der Hauptstraße in Garmisch-Partenkirchen.
  • Berliner (38) wollte nur seine neue Schreckschusspistole ausprobieren.
  • Restaurant-Besitzer müssen an der Polizeisperre ausharren und sorgen sich um ihren Pizzabäcker.

Garmisch-Partenkirchen – Plötzlich fallen Schüsse. Gleich mehrere. Woher sie kommen? Der Mann weiß es nicht. Als Munitionshülsen an seinem Fenster vorbei auf den Gehsteig fallen, ist ihm allerdings klar, der Schütze befindet sich in unmittelbarer Nähe. „Erschreckend“, sagt der Garmisch-Partenkirchner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die Polizei ist am späten Mittwochnachmittag schnell vor Ort. Mit einem wahren Großaufgebot. „In voller Montur, mit Maschinengewehren“, beschreibt der Anwohner das Szenario.

Nach Schüssen in Garmisch-Partenkirchen: Polizei-Großeinsatz ausgelöst

Für die Beamten, die gegen 16.45 Uhr alarmiert worden waren, ist der Vorfall alles andere als alltäglich. Zunächst stand nur fest, dass im Bereich Hauptstraße, konkret zwischen Hindenburgstraße und Kankerweg, geschossen wird. „Das einzugrenzen, war zunächst schwierig“, erklärt Markus Stückl, Sprecher der hiesigen Inspektion. „Deshalb haben die Kollegen einen relativ großen Bereich abgesperrt.“ So konnten sie sich dem möglichen Täter nähern und vor allem klären, was da vor sich geht.

Wie sich herausstellte, hatte ein Berliner seine frisch erworbene Schreckschusspistole mehrfach auf seiner Dachterrasse abgefeuert. „Gefährdet oder bedroht hat er dabei niemanden“, heißt es von Seiten der Polizei. Der 38-Jährige wollte seine neue Waffe offenbar einfach nur ausprobieren – das jedoch ohne die entsprechende Erlaubnis.

Großeinsatz in Garmisch-Partenkirchen: Berliner probiert neue Schreckschusspistole aus

Dafür erwartet ihn nun eine Anzeige. Außerdem wird Stückl zufolge geprüft, ob der Berliner auch für die Einsatzkosten aufkommen muss. Die waren nicht unerheblich: „Durch sein fragwürdiges Verhalten hat er 14 Streifen gebunden.“ Und dafür gesorgt, dass die Anwohner und Geschäftsleute in diesem Bereich ihre Häuser und läden gut eine Stunde nicht verlassen durften, beziehungsweise nicht erreichen konnten.

Davon waren auch die Inhaber der Pizzeria Antica Roma betroffen. „Wir wollten gegen 17.15 Uhr zu unserem Restaurant, wurden aber von der Polizei aufgehalten“, sagt die Frau des Wirts. Warum, dazu gab’s zunächst keine Informationen. Den Pizzabäcker, der bereits vor Ort war, erreichte sie per Handy und bat ihn eindringlich, „drin zu bleiben, die Tür geschlossen zu halten und vor allem kein Licht anzumachen“.

Schüsse in Garmisch-Partenkirchen: Restaurant sorgt sich um Pizzabäcker

Für sie und ihren Mann eine ungewöhnliche Situation, die „auch ein bisschen Muffensausen“ hervorrief. „Da fragt man sich schon, in welchem Film sind wir denn gelandet.“ Das Restaurant konnte das Ehepaar schließlich mit einer Stunde Verspätung um 18.30 Uhr öffnen. „Hätte es gar nicht gebraucht, wir hatten den ganzen Abend nur vier Gäste“, sagt die Frau. Wahrscheinlich „hat sich niemand mehr rausgetraut“.

Nur am Rande bekam Wolfgang Mühldorfer, Leiter der St.-Irmengard-Realschule, mit, was sich vor dem Schulkomplex abspielte. „Zu der Zeit war praktisch niemand mehr im Haus.“ Er selbst saß bis 19.30 Uhr in seinem Büro, dachte aber bei dem Blaulicht und Martinshorn eher an einen Unfall. Dass ein Mann auf einem der gegenüberliegenden Häuser herumgeschossen hat, erfuhr Mühldorfer erst später.

Jeder über 18 kann sich Schreckschusspistole kaufen

Eine Schreckschusspistole kann sich übrigens jeder kaufen, der volljährig ist. Wer die Waffe allerdings außerhalb der eigenen Wohnung und Geschäftsräume oder des eigenen befriedeten Besitztums nutzen will, bedarf zwingend einer behördlichen Erlaubnis. Nötig ist der sogenannte kleine Waffenschein, den das Landratsamt ausstellen kann.

„Dafür fragen die Kollegen beim Bundeszentralregister, der Staatsanwaltschaft, dem Verfassungsschutz, der Gemeinde und der Polizei nach“, verdeutlicht Behördensprecher Stephan Scharf das Vorgehen. Erst, wenn all das passt und zudem geklärt ist, dass die Waffe sicher aufbewahrt wird, wird besagte Erlaubnis erteilt. Der Berliner konnte diese nicht vorweisen.

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