Stehen den Landwirten zur Seite: die Gebirgsschützen – hier beim Bataillonsfest 2019 in Murnau.
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Stehen den Landwirten zur Seite: die Gebirgsschützen – hier beim Bataillonsfest 2019 in Murnau.

Traditionsvereine unterstützen Bauernverband

Kundgebung im Skistadion: Schützenhilfe gegen den Wolf

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Der Bayerische Bauernverband stellt sich schützend vor die Weidewirtschaft und macht mit einer großen Kundgebung in Garmisch-Partenkirchen gegen den Wolf mobil. Mit den Landwirten solidarisieren sich auch Traditionsorganisationen wie die Trachtler und Gebirgsschützen – aus Heimatverbundenheit, wie es heißt.

Garmisch-Partenkirchen – In der Landwirtschaft ist der Wolf ein Reizthema. Der Grund liegt auf der Hand: In den vergangenen Monaten sind vor allem in Oberbayern vermehrt Tiere gesichtet worden. Auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen tappte im Juli ein Exemplar, das vermutlich Schafe riss, in eine Fotofalle – dem Vernehmen nach bei Graseck (wir berichteten). Die Almbauern schlagen Alarm, fürchten um ihre Existenz. Das Thema ist schwierig – und wird kontrovers diskutiert. Weil es um eine Abwägung zwischen dem Schutz der seltenen Raubtiere und dem Erhalt der Kulturlandschaft geht.

„Massive Bedrohung der Weidehaltung“

Der einflussreiche Bayerische Bauernverband (BBV) warnt: Die Ausbreitung des Beutegreifers sei eine „massive Bedrohung der Weidehaltung in der Landwirtschaft“, heißt es in einer Pressemitteilung. Um ihrer Position – im Kern geht es um die Forderung nach einer Regulierung der Wolfspopulation – Nachdruck zu verleihen, veranstaltet die Interessenvertretung am Sonntag, 13. September (11 bis 14 Uhr), eine große Kundgebung im Olympia-Skistadion Garmisch-Partenkirchen. Der Titel: „Zum Erhalt der Weidewirtschaft: Kommt der Wolf, stirbt die Weide!“. Erwartet werden bis zu 400 Teilnehmer, darunter auch BBV-Präsident Walter Heigl und Landrat Anton Speer (Freie Wähler).

Dem Bauernverband geht es offenbar darum, eine möglichst breite Unterstützerschaft hinter sich zu vereinen. Die Botschaft, die vermittelt werden soll, ist klar: Große Teile der Bevölkerung stehen auf unserer Seite. Man wolle ein „gesamtgesellschaftliches Bild“ abgeben, sagt Dagmar Wagner, die für die Öffentlichkeitsarbeit der Organisation im Bezirk Oberbayern zuständig ist.

Aus diesem Grund wurden auch Vereine aus dem Lager der Traditions- und Brauchtumspflege eingeladen – was manch einer mit einem Staunen vernommen hat. Denn es drängt sich die Frage auf, was etwa das Gebirgsschützenbataillon Werdenfels und die Oberländer Trachtenvereinigung, die beide am Sonntag Fahnenabordnungen schicken werden, mit dem Thema zu tun haben. Und wieso sie Partei für das BBV-Anliegen ergreifen.

Form der Heimatpflege

„Das kann man kritisch sehen“, räumt Josef Mayr, Gauvorstand der Trachtler, ein. Aber ihnen sei es wichtig, sich mit den Landwirten solidarisch zu zeigen. Denn viele Mitglieder betreiben seinen Angaben zufolge eine Almwirtschaft und seien daher von dem Wolf-Problem betroffen. Für den Schöffauer handelt es sich um Heimatpflege – wie es die Satzung vorgibt. „Die Weidehaltung ist nicht mehr möglich, wenn Wolfsrudel unterwegs sind“, sagt Mayr, selbst Landwirt. Die bislang streng geschützten Tiere müssten daher bejagt werden dürfen.

Ähnlich argumentiert Hans Jais, Bataillonskommandant der Gebirgsschützen. „Das ist im Sinne der Heimat“, betont der Eschenloher. Sein Urteil: „Der Wolf passt nicht in unsere Gegend.“

Das sieht Tessy Lödermann (Grüne), Dritte Landrätin und Tierschützerin, differenzierter. Bisher habe man es im bayerischen Alpenraum nur mit einzelnen, durchziehenden Jungwölfen zu tun gehabt, erklärt sie. In Zukunft könne es aber auch zu Ansiedlungen und Rudelbildungen kommen. Dann könne in Einzelfällen eine Entnahme Sinn machen, um die Weidetierhaltung nicht zu gefährden. Lödermann: „Man tut dem Wolf keinen Gefallen, wenn man ihn unter die Glasglocke stellt, die Diskussion nur pro Wolf führt und die auftretenden Probleme nicht ernst nimmt.“

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