Ein Landkreis der Großbaustellen: die geplanten oder bereits laufenden Tunnelprojekte.
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Ein Landkreis der Großbaustellen: die geplanten oder bereits laufenden Tunnelprojekte.

Viererbündnis fordert Moratorium

Schulterschluss gegen Auerbergtunnel

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Gegen den geplanten Bau des Auerbergtunnels bei Eschenlohe regt sich Widerstand: Ein Viererbündnis aus SPD, ÖDP, Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz fordert, das Millionenprojekt auf Eis zu legen. Gewarnt wird vor einer Autobahn durchs Loisachtal, die die Verkehrsprobleme nicht löst, sondern verschärft.

Landkreis – Für die Planer in den zuständigen Behörden ist die Sache eigentlich klar: Mit dem Auerbergtunnel soll die stauanfällige Engstelle am Autobahnende bei Eschenlohe beseitigt und ein wichtiges Puzzlestück gesetzt werden, um die Verkehrsströme im notorisch überlasteten Landkreis zu zähmen. Hinzu kommen bekanntlich die Ortsumfahrungen Oberau, Wank und Kramer – allesamt Großunternehmungen, die dem Steuerzahler Hunderte Millionen kosten.

Doch mit dem Mammutprojekt Auerberg – erste Vorarbeiten haben begonnen, die Fertigstellung ist für 2028 angepeilt – können sich Garmisch-Partenkirchens Altbürgermeisterin und Bundestagskandidatin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), Murnaus Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP), Axel Doering, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz, und Hans-Joachim Fünfstück, Regionalvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz, nicht anfreunden. Ihre Forderung: ein Moratorium, eine „Denkpause“, wie sie in einer Pressemitteilung erklären, die nicht mit dramatischen Worten spart. Man sollte, so der Tenor, die Pläne überdenken, um eine schonendere und nachhaltigere Lösung zu finden.

„Notruf an übergeordnete Politik“

„Ein vierspuriger Auerbergtunnel macht unser Loisachtal zum Autobahn-Transittal. Wir fordern, das Tunnelprojekt auf Eis zu legen“, fasst Beuting den Appell zusammen, der als „Notruf“ an die „übergeordnete Politik“ gedacht ist. Zwar erkennen er und seine Mitstreiter an, dass eine leistungsfähige B 2 für den Landkreis wichtig sei. Jedoch müsse „ein Ausbau mit Maß und Verstand erfolgen“.

Die Partei- und Verbandsvertreter werden konkret, schlagen beispielsweise als Alternative eine dreispurige Bundesstraße mit einer Mittelfahrbahn vor, die je nach Bedarf für die stärker frequentierte Richtung freigegeben werden kann.

Neue Transitstrecke München-Italien befürchtet

Meierhofer, Beuting, Doering und Fünfstück sind davon überzeugt: Moderne Verkehrspolitik sieht anders aus und setzt auf Verkehrsvermeidung. Die aktuelle Straßenbau-Agenda werde genau das Gegenteil bewirken, so ihre düstere Prognose, und zu einer deutlichen Zunahme des Aufkommens führen. Der Grund: Der Auerbergtunnel verlängere de facto die Autobahn 95 von Eschenlohe bis nach Garmisch-Partenkirchen. „Damit ist der Grundstein für eine neue Transitstrecke München-Italien gelegt, also eine Alternativroute zur regelmäßig überlasteten Inntal-Autobahn samt vor- und nachgelagerter Straßen“, heißt es in dem Schreiben.

Die Unterzeichner des Moratoriums befürchten außerdem Verkehrschaos in Garmisch-Partenkirchen und einen Schaden für den Tourismus. Denn: „Wer will schon Urlaub in einem Autobahn-Tal machen?“, fragen sie sich. Und schließlich verweisen sie auf die Finanzen: Die Baukosten explodierten – inzwischen seien für das Vorhaben 170 statt ursprünglich 102 Millionen Euro angesetzt –, während beim Bahnausbau das Geld fehle. Die vier sprechen sich generell für eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs aus. Gerade die Taktverdichtung der Werdenfelsbahn, verbunden mit einem zweigleisigen Ausbau, sollte ihrer Ansicht nach Priorität haben – nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes.

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