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Maskenverweigerin muss wegen Schimpftiraden hinter Gitter - „Ihnen hat niemand die Rechte genommen“

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Von: Alexander Kraus

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Das ist kein Kindergarten Amtsrichterin Friederike Kirschstein-Freund
Die 52-Jährige muss für sieben Monate ins Gefängnis. © Arne Dedert

Sie hat die Justiz massiv beleidigt, wollte ohne Maske einkaufen, fühlt sich aber als Opfer von Hetzkampagnen: Für ihre fortwährenden Schimpftiraden und Beleidigungen wurde die 52-Jährige nun zu einer Freiheitsstrafe verurteilt – ohne Bewährung.

Landkreis – Es hat alles nichts geholfen – die stundenlangen Vorträge im Gerichtssaal, die Vorwürfe an die Justiz, ihre Anschuldigungen gegen Richter, Jugendamt und Presse, ihr Rundumschlag gegen alle, die sie belügen und benachteiligen würden. Letztlich hat Andreas Pfisterer die 52-Jährige wegen Beleidigung in mehreren Fällen und Verleumdung zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. „Eine günstige Sozialprognose kann ich hier nicht sehen“, begründete der Richter am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen seine Entscheidung.

Auf knapp zwölf Stunden an drei Verhandlungstagen erstreckte sich der Prozess gegen die Frau, die derzeit im Ammertal wohnt. Sie ist mehrfach vorbestraft, nach eigener Aussage als „amtsbekannte Maskenverweigerin“ tituliert worden und leidet an allergischem Asthma. Das erwähnte sie immer wieder und ließ sich nicht davon abhalten, ihre langatmigen Anklagen gegen vermeintliche Verleumder, Diskriminierer und Mobber vorzubringen. Gutachter Dr. Albrecht Stein attestierte der Angeklagten eine paranoide und eine querulatorische Persönlichkeitsstörung sowie seelische Abartigkeit. Sie sei vermindert schuldfähig, jedoch nicht schuldunfähig, stellte der Sachverständige fest.

Angeklagte bezeichnete Richterin als „rechtsbrüchig“, „korrupte Bande“ und „Nazi-Richter“ mit „Stasi-Methoden“

Die Vorwürfe, die gegen die Beschuldigte erhoben wurden, trug Staatsanwalt Hieber – seinen Vornamen will er nicht in der Zeitung lesen –vor. Unter anderem bezeichnete sie im Februar 2020 – zu dieser Zeit wohnte sie im Loisachtal – Richterin Maria Buck vom Amtsgericht als „rechtsbrüchige Richterin“, warf ihr „Prozessbetrug“ vor, unterstellte ihr, Akten gefälscht zu haben. In einer E-Mail beschimpfte sie Gerichts-Bedienstete als „korrupte Bande“, titulierte sie als „Nazi-Richter“, die mit „Stasi-Methoden“ arbeiteten.

Höhepunkt war das YouTube-Video der Angeklagten, das vor Gericht zweimal gezeigt wurde: Mit „Sodala, liebe Herrschaften“ schreitet die 52-Jährige in den Edeka-Markt in Farchant und wird von der Inhaberin des Hauses verwiesen. Zuvor hatte die Beschuldigte den Laden ohne Mund-Nasenschutz betreten und konnte ihr Attest nicht vorzeigen. „Sie können doch kurz die Maske aufsetzen, wenn sie einkaufen“, schlug der Vorsitzende vor. Die Antwort kam prompt. Sie fuhr ihn an: „So eine Einstellung. Schämen Sie sich nicht, Richter Pfisterer?“

Angeklagte hat sich bestens vorbereitet: Mit einem riesigen Reisekoffer voll mit Akten

Die Angeklagte hatte sich für die Verhandlung bestens vorbereitet. In einem riesigen Reisekoffer brachte sie Berge von Akten mit, die sie in Ordnern auf ihrem Tisch aufbaute. Immer wieder zog sie Zettel und Stellungnahmen heraus und verlas sie, verteilte Kopien an ihren Rechtsanwalt Cliff Radke, an Pfisterer und Hieber. Sie stellte Anträge – etwa, dass die Verhandlung auf Tonband aufgezeichnet oder der Ehemann der Marktbetreiberin als Zeuge geladen wird –, die Pfisterer jedoch ablehnte.

Angeklagte lebt von Hartz-IV und sieht sich einer Hetzkampagne ausgesetzt

Immer wieder kam der Vorwurf der Frau, dass ihr die Rechte genommen würden. Sie habe die „Zersetzungsmethoden der Justiz“ aufgedeckt, Hetzkampagnen liefen gegen sie, monierte sie. „Ihnen hat niemand die Rechte genommen“, betonte der Richter. Als die Angeklagte dann noch aufzählte, dass sie unter anderem als Veganerin und Hartz-IV-Empfängerin nicht mehr auf die Sonderangebote in den Supermärkten zurückgreifen könne und bei der Tafel nicht mehr erwünscht sei, wunderte sich Pfisterer: „Wie haben Sie seit der Pandemie überlebt?“

Hieber forderte sieben Monate Freiheitsstrafe für die Angeklagte, Verteidiger Radke hielt eine Geldstrafe für angemessen. Der Richter orientierte sich am Staatsanwalt und verordnete tatsächlich sieben Monate Gefängnis ohne Bewährung. „Ich kann nicht davon ausgehen, dass sie nicht wieder straffällig wird“, begründete der Richter. Schimpfend nahm die Beschuldigte das Urteil hin. Pfisterer rechnet damit, dass sie Berufung einlegen wird.

Erst vor einer Woche hatte eine Touristin in Mittenwald verweigert eine Maske in einem Geschäft aufzuziehen. Als die 77-jährige Italienerin darauf hingewiesen wird, rastet sie aus. Letztlich musste die Polizei sie fesseln. Übrigens: Alle Entwicklungen und Ergebnisse zur anstehenden Bundestagswahl aus Ihrer Region sowie alle anderen wichtigen Geschichten aus der Region GAP gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen GAP-Newsletter.

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