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City-Biathlon Garmisch-Partenkirchen:
Sehnsucht nach einem Comeback 2022

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Von: Christian Fellner

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Johannes Kühn klatscht beim City-Biathlon in Garmisch-Partenkirchen mit jungen Zuschauern ab.
Einmaliges Flair – für Sportler wie für Fans bietet der City-Sprint in Garmisch-Partenkirchen. Hier klatscht Johannes Kühn, jetzt Deutschlands Top-Biathlet im Weltcup, mit den jungen Zuschauern ab. © Thomas Sehr-archiv

Gestorben ist er nicht, eher ein Corona-Opfer: der City-Biathlon von Garmisch-Partenkirchen. Seit drei Jahren hat er nun schon nicht stattgefunden. Die Organisatoren vom SC Garmisch geben die Hoffnung aber nicht auf.

Garmisch-Partenkirchen – Der Sport lebt von Emotion, von Stimmung. Wie sehr das der Fall ist, bekommt man besonder in diesen Corona-Zeiten zu spüren. Eishockey in leeren Hallen hat es schon gegeben – ein Graus. Zweimal das ehrenwerte Neujahrsspringen im leeren Stadion – trist. Nun nahmen die alpinen Weltcuprennen vor leeren Tribünen – da wird der Stadionsprecher wohl für Reh und Fuchs moderieren. Eines haben diese Veranstaltungen aber gemein: Sie haben stattgefunden oder stehen auf dem Plan. Zwei Höhepunkte hingegen sind komplett von der Bildfläche verschwunden: neben dem Hornschlittenrennen auch der City-Biathlon von Garmisch-Partenkirchen.

Man stelle sich vor: Ein weißes Band in der Fußgängerzone, ein Moderator plärrt über die Lautsprecher, ein paar Biathleten jagen die 500 Meter rauf und runter – und keiner kriegt’s mit außer ein paar Passanten. Eine Horrorvorstellung. Vor allem für Florian Fischer. Der neue Vorsitzende des Skiclubs Garmisch kennt das Rennen von klein auf. „Das Flair ist unglaublich“, betont er. Die Begeisterung seines Vaters, der den Wettbewerb mit dem Biathlonteam Werdenfels ins Lebens gerufen hatte, ist nahtlos auf den Sohn übergegangen. Daher will er ein Gerücht erst gar nicht aufkommen lassen: Dass der City-Biathlon tot ist. „Auf keinen Fall. Er ist auch nicht raus aus unseren Köpfen“, entgegnet Fischer, „sondern ein Corona-Opfer“.

Drei Jahre in Folge kein City-Biathlon in Garmisch-Partenkirchen

Drei Jahre in Folge musste Garmisch-Partenkirchen nun ohne das Wintersport-Spektakel auskommen. 2019 spielte das Wetter nicht mit. 2020 und 2021 verhinderte Corona die Austragung. Die Sehnsucht nach einer Neuauflage ist groß. „Aber es braucht ein kluges Konzept“, sagt Fischer. Derzeit steht alles in den Sternen. „Vor Mitte 2022 wird es überhaupt keine Tendenz geben können.“ Zum einen ist der Skiclub mit dem Organisationskomitee mit der Austragung der alpinen Weltcuprennen mehr als ausgelastet, zum anderen läuft aktuell auch die WM-Bewerbung für 2027, zu der im Mai 2022 die Entscheidung fällt. Da ist nicht allzu viel Platz für den City-Sprint.

Danach, da könnte der Biathlon-Wettkampf wieder in den Fokus rücken. Das Grundproblem ist ein altes. „Es geht immer um die Wirtschaftlichkeit“, sagt Fischer. „Für einen Verein wie unseren Skiclub darf so eine Veranstaltung kein Draufzahlgeschäft sein.“ Er könne es den Mitgliedern nicht verkaufen, am Ende ein Defizit mit dem Showrennen einzufahren, das letztlich den Nachwuchsbetrieb gefährden könnte. „Es ist ein leidiges Thema, das wissen wir alle.“ Fischer stellt eine klare Forderung – an sich und alle Beteiligten: „Wir brauchen die schwarze Null, dann können wir das machen.“

City-Biathlon: Es braucht ein Konzept für einen längeren Zeitraum

Immer wieder geht es um die Frage des Mehrwerts: „Wir machen das nicht für uns, sondern für Garmisch-Partenkirchen, für die Gäste.“ Erkannt hat das die Marktgemeinde. „Da bekommen wir Hilfe, wo es nur geht“, stellt Fischer klar. Auch viele langjährige Gönner sind bereit, finanziell zu unterstützen. Und trotzdem: „Wir brauchen ein Konzept über einen längeren Zeitraum.“ Man dürfe sich nicht immer von Jahr zu Jahr hangeln. Und dann gibt es in Garmisch-Partenkirchen eben immer noch diejenigen, die die Veranstaltung ablehnen. „Die sagen, was soll der ganze Schmarrn.“ Fischer glaubt zwar, dass die Kritiker in der Minderheit sind, dass „die stillschweigende Masse die Aktion sehr cool findet“, aber der Gegenwind bleibt.

Natürlich haben sich die Verantwortlichen Gedanken gemacht, ob die Veranstaltung vielleicht ein Auslaufmodell ist? Ob es ein Umdenken braucht in Zeiten des Klimawandels, einen Wechsel in den Sommer? Diese Fragen zu beantworten, da tun sich die SCG-Funktionäre jedoch leicht. Biathlon in kurzen Hosen – das sei eine halbe Sache, das steht für Fischer fest. „Da sind die Sportler auf einem ganz anderen Leistungsniveau, da fehlt das Flair.“ Der Abschied vom Winter ist für Fischer kein Thema.

Aus ökologischer Sicht keine Bedenken

Aus ökologischer Sicht hegt er keinerlei Bedenken. „Nachhaltiger geht es kaum“, sagt er überzeugt. Denn für den City-Sprint verwendet der SC Garmisch alljährlich Schnee, der als Abrieb im Olympia-Eissportzentrum entsteht. 40 Tonnen davon braucht es. Die wurden in der Vergangenheit am Wellenbad gelagert, dann in die Fußgängerzone verfrachtet. Anschließend wanderte der Schnee raus in die Wildenau zum Hornschlittenrennen. „Wir haben nie extra Schnee produziert.“

Fischer würde zu gerne den City-Biathlon schon 2022 wieder aufleben lassen. „Dieses Alleinstellungsmerkmal sollten wir uns behalten“, stellt er klar. Vor allem ein Faktor wird kurzfristig entscheidend sein: das Virus. „Mal schauen, wie es mit Corona weitergeht.“ Und was sich auf der Einnahmenseite tut.

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