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Fasziniert von der neuen Seilbahn Zugspitze: Werner Brunnthaler hat sich häufig an der Talstation am Eibsee selbst ein Bild vom Bau-Fortschritt gemacht.  

Bald endet für Werner Brunnthaler eine ganz besondere Zeit

Seilbahn Zugspitze: Baustelle hat einen Edelfan

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Am 21. Dezember wird sie eröffnet, die neue Seilbahn Zugspitze. Damit endet auch für Werner Brunnthaler eine ganz besondere Zeit. Der Garmisch-Partenkirchner hat den Bau des 50-Millionen-Euro-Projekts täglich im Internet verfolgt. Und er war häufig vor Ort, um den Fortschritt hautnah mitzuerleben.

Garmisch-Partenkirchen– Technik begeistert ihn. Schon von Berufs wegen. Werner Brunnthaler hat Mechaniker gelernt und ist dann fast 40 Jahre lang Taxi gefahren. Eine ganz besondere Faszination üben Baustellen auf den Garmisch-Partenkirchner aus. Nicht irgendwelche, keine schnöden Hausbauten. Das Besondere, das Einmalige ist es, was den 79-Jährigen in seinen Bann zieht. Wie die neue Seilbahn Zugspitze, eine einzigartige Baustelle.

„So etwas erlebe ich doch nie wieder“, sagt Brunnthaler. Denkt er an die vielen Eindrücke, die er in den vergangenen Monaten gesammelt hat, dann blitzen seine Augen. „Er war immer ganz begeistert, wenn er zurückgekommen ist“, verrät seine Frau Doris. Anhand der unzähligen Fotos, die ihr Mann an der Talstation, beim Bau der Stütze, beim Umschneiden der alten Stützen und vielen anderen Gelegenheiten knipste, blieb auch sie auf dem Laufenden. Vor Ort war sie nur einmal – per E-Bike ging’s zur Stütze und dann über die Törlen zurück. Werner Brunnthaler schwang sich dagegen häufig aufs Radl. „Drei-, viermal die Woche war ich schon oben.“ Eben immer, wenn etwas Besonderes passiert ist. Um tagesaktuell informiert zu sein, galt sein erster Blick am Morgen der Webcam und dem Baustellen-Tagebuch, das die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) im Internet veröffentlicht.

Auch 1961/62 live mit dabei

Einen solchen Service gab’s 1961/62 noch nicht. Da zog’s ihn auf gut Glück auf knapp 1000 Meter. Schon den Bau der Eibsee-Seilbahn hat Brunnthaler mitverfolgt. Wenn’s seine Zeit zuließ, schließlich stand er da noch mitten im Berufsleben. „Damals habe ich schon gedacht, so etwas erlebe ich nicht noch einmal.“ Ein Irrtum. Jetzt, knapp 54 Jahre später, geht das Nachfolger-Modell in Betrieb. Am Donnerstag, 21. Dezember, wird die neue Bahn eingeweiht. Noch ist nicht sicher, ob Brunnthaler dabei sein wird. Vielleicht ist’s ihm zu viel Trubel. Fahren will er mit seiner Bahn freilich schon. Möglichst bald sogar, als krönenden Abschluss eines spannenden Jahres.

In ein Loch fällt der Garmisch-Partenkirchner danach nicht. Die Baustellen gehen nicht aus im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Die Echelsbacher Brücke – „ebenfalls ein unbandiges Projekt“ – nimmt er sich als nächstes vor. Und der Oberauer Tunnel interessiert ihn. Beim Bau der Farchanter Ortsumfahrung Ende der 1990er Jahre war Brunnthaler selbstredend vertreten. „Mindestens jeden zweiten Tag“, erzählt er und lacht. Auch da kannte er viele der Arbeiter, durfte hinter die Kulissen schauen und erfahren, wie der Tunnel funktioniert.

„Harry hat mir auch oben am Berg alles gezeigt. Ein Wahnsinn“

Dieses Glück hatte er beim Neubau der Seilbahn Zugspitze ebenfalls. Harald Raich, Chefmonteur der Doppelmayr/Garaventa Gruppe, ermöglichte ihm unter anderem einen Blick in den Maschinenraum. „Einzigartig“, meint er. „Harry hat mir auch oben am Berg alles gezeigt. Ein Wahnsinn.“ Voller Bewunderung spricht Brunnthaler von den Männern, die hunderte von Metern über dem Abgrund „auf dem Seil herumkrabbeln“. Für ihn sind sie alle „tolle Burschen, die eine Spitzenleistung erbracht haben“. Aber auch Peter Huber, dem technischen Vorstand der BZB, zollt Brunnthaler seinen Respekt. „Er hat das Ganze von Anfang an begleitet und vorangetrieben. Das war schon eine Schau.“

Anpacken ist genauso Brunnthalers Sache. Vor allem, wenn es um den Ortsteil Partenkirchen geht. Die Hängebrücke über die Faukenschlucht beispielsweise hat er mit angestoßen. Mit einer Gruppe aktiver Partenkirchner Ruheständler engagierte er sich außerdem beim Bau eines Wegs am Wank – zwischen Zeileck, dem Ende des Adamwegs und dem „Hasenböderl“. Und er half beim Ausholzen der historischen Olympia-Bobbahn am Rießersee tatkräftig mit. Werner Brunnthaler ist eben tief verwurzelt in seiner Heimat. Auch deshalb fasziniert ihn, wenn in seinem Ort, in seinem Landkreis etwas vorangeht. „Das Allerschönste bei der Seilbahn Zugspitze aber war, dass nichts passiert ist und niemand verletzt wurde.“

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