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Mit vereinten Kräften bringen die Arbeiter den Rollensattel in Position.

Neue Tradition in Weiß-Blau

Nächster Meilenstein bei der Seilbahn Zugspitze

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Der erste Rollensattel hängt – auf 127 Metern Höhe. In dem 22 Tonnen schweren und 29 Meter langen Stahlkonstrukt verlaufen künftig die Tragseile der neuen Seilbahn Zugspitze. Die Montage mittels Autokran, Flaschenzug und viel Manneskraft war eine Herausforderung.

Garmisch-Partenkirchen – Es ist ein Meilenstein. Wieder einer. Einer von vielen, den die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) schon erreicht hat. Und einer, den sich auch Peter Huber nicht entgehen lässt. Vor allem deshalb, weil er eine Mission verfolgt. Für den ersten Rollensattel – auch Tragseilschuh genannt –, der auf der 127 Meter hohen Stütze der Seilbahn Zugspitze montiert wird, hat er sich etwas Besonderes einfallen lassen. Am Schuhende soll eine weiß-blaue Fahne wehen. Acht mal zwei Meter ist das Exemplar groß, oben fest zwischen stabilen Holzbalken verschraubt und mit Seilen versehen. Auf dieses Symbol legt Huber Wert. „Großen Wert, schließlich sind wir eine bayerische Bahn.“

Tradition ist es nicht, dass die Landesfahne aufgehängt wird. Tradition hat eher der Baum, der bei der Fertigstellung an der Stütze angebracht wurde. Wie bei einem Haus. Hebauf eben. Harald Raich erfüllt Hubers Wunsch dennoch gerne. Einen, aus dem möglicherweise eine neue Tradition entsteht. Raich macht’s mit einem Lachen.

„Die ganze Mannschaft ist sehr professionell“

Montage auf 127 Metern: Nachdem der Rollensattel an seinem Platz ist, befestigen die Arbeiter das Stahl-Konstrukt.

Trotz aller Anspannung, die mit der Aktion einhergeht, das 29 Meter lange, 22 Tonnen schwere Trum an seinen künftigen Standort zu befördern. Der Kran, 140 Meter hoch, kann dieses Gewicht nicht heben. Also ist guter Rat teuer. Per Flaschenzug packen es der Chefmonteur der Doppelmayr/Garaventa Gruppe und sein Team an. Ein Unterfangen, das mit einigen Hindernissen verbunden ist. Die Tragseile der alten Eibsee-Seilbahn beispielsweise, die links und rechts neben der Stütze liegen und die Ende Juli für den Seilzug gebraucht werden. Und die Material-Seilbahn, gleich daneben. Platz ist Mangelware am Baufeld Stütze, weshalb der Rollensattel zunächst mithilfe eines Autokrans in die richtige Position bugsiert wird. Beim Ausrichten der Aufhängungen legt Raich selber Hand an. „Die Schwierigkeit ist, das Teil um die Ecke zu bringen“, sagt er. Und lacht. Seine gute Laune lässt sich der Pitztaler durch solche Widrigkeiten nicht verderben. Aus der Ruhe bringt den 57-Jährigen so schnell nichts. Das fasziniert Huber. „Die ganze Mannschaft ist sehr professionell.“

Ein Fernsehteam, etliche Fotografen, einige Schaulustige, die freilich mit dem nötigen Sicherheitsabstand, und ein Vertreter der Berufsgenossenschaft verfolgen das Geschehen auf 1285 Metern Höhe ganz genau. Der Mann von der Versicherung macht sich unentwegt Notizen, schießt viele Fotos und mahnt, als sich ein junger Monteur zu weit über das Stahlkonstrukt beugt. Ungesichert. Die fünf Seiten, die er schon gefüllt hat, bedeuten aber keinesfalls, dass es beim Bau der neuen Seilbahn jede Menge zu beanstanden gibt. Auch für die Berufsgenossenschaft ist das, was sich auf Deutschlands höchstem Berg abspielt, etwas völlig Neues. Deshalb will der Mann mit der blau-gelben Sicherheitsjacke möglichst jeden Schritt erfassen. „Um das Konzept zu verstehen.“

Und plötzlich gibt‘s einen Defekt

Einer, der das Vorgehen längst verinnerlicht hat, ist Raich. Der Bau der 50-Millionen-Euro-Anlage bedeutet auch für den erfahrenen Monteur, der seit 37 Jahren weltweit für den Seilbahn-Hersteller unterwegs ist, etwas Einmaliges. „Keine Bahn ist wie die andere, Routine gibt’s bei uns nicht“, sagt er. Nur einmal, nur ganz kurz kommt er aus dem Konzept. Der Rollensattel befindet sich längst an der Stelle, an der er per Flaschenzug weitertransportiert werden soll. Dann streikt eine Winde. Warum? Keine Ahnung. Per Telefon kontaktiert Raich einen Experten, gibt seinen Kollegen Anweisungen, lässt sie sämtliche Kabel und Verbindungen prüfen. Huber studiert derweil die Gebrauchsanleitung. Aus dem, was an dem elektrischen Gerät passiert, hält er sich aber raus. Auch hier hat Raich das Kommando. Und schafft es, das gute Stück wieder zum Laufen zu bringen. Wie? Kann er nicht sagen. Knapp eine Stunde hat ihn und sein Team der Defekt gekostet. Kein Problem, das Wetter passt. Zentimeter für Zentimeter wird der Rollensattel aufgezogen, bis er am frühen Abend auf der Stütze liegt und von einigen schwindelfreien Monteuren fixiert wird.

Ganz schön beeindruckend: Hier wird die Seilbahn Zugspitze neu gebaut

Die weiß-blaue Fahne – „fast hätten wir vergessen, sie anzubringen“, verrät Raich mit einem Augenzwinkern – flattert im Wind. „Die hängt jetzt, bis sie der Sturm oder die Bahn mitnimmt“, sagt Huber zufrieden. Auch das trägt zu seinem guten Gefühl bei. „Alles läuft planmäßig.“ Der Neubau der Seilbahn auf die Zugspitze ist sein persönliches Wunder. Seit den 1970er Jahren war klar, dass die alte Anlage an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen ist. Pläne für ihren Ersatz wurden geschmiedet, wieder verworfen. „Ich hab’ eigentlich nicht mehr an die Realisierung geglaubt“, gibt der BZB-Vorstand zu. Dass es nun doch so kommt, bringt auch ihn zum Strahlen. Dazu passt die bayerische Fahne, die Raich und Co. wunschgemäß am Schuhende befestigt haben.

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