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Medienrummel vor dem Gipfelkreuz: Innenminister Joachim Herrmann stellt sich nach der Jungfernfahrt der neuen Seilbahn Zugspitze der Presse.

Ein Wunderwerk geht in Betrieb

Seilbahn Zugspitze: Der Traum wird wahr

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Meisterleistung, ein technisches Wunderwerk, eine einzigartige Anlage – bei der Eröffnung prasseln Lobeshymnen auf die neue Seilbahn Zugspitze nieder. Zudem werden die Männer, die ihren Bau ermöglicht haben, herausgestellt.

Garmisch-Partenkirchen/Grainau – Erst einmal hat er geschluckt. Der Bau einer neuen Seilbahn auf die Zugspitze schien ihm doch zu kompliziert. Angesichts extrem schwieriger geologischer Verhältnisse und wenig Platz auf knapp 3000 Metern Höhe hielt Dr. Dr. Heiner Bertle das Vorhaben für wenig erfolgversprechend. Zunächst. Doch dann untersuchte sein Team sie näher, die „spröde Schöne aus Afrika, deren Seele vereist ist“. So beschreibt der Geologe den Berg liebevoll. Und er erkannte: Das Massiv, das vor 230 Millionen Jahren aus Kalkschlamm in Afrika hervorging, der dann 200 Millionen Jahre später durch die Verschiebung der Kontinente nach Bayern gelangt war, kann bezwungen werden.

Feierliche Einweihung der Seilbahn Zugspitze

Bertle zählte von Anfang an zu den Stützen, die den Bau der Anlage überhaupt erst ermöglicht hatten. Das hob auch Peter Huber, technischer Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB),  bei der Eröffnung hervor. Mit Nachdruck. „Ohne ihn wäre es nicht gegangen.“ Der Geologe erwies sich genau wie Dr. Alois Mitterer, der vor seinem Ruhestand beim Seilbahn-Hersteller Doppelmayr gearbeitet hatte, als wertvoller Experte. Ihnen, der gesamten Mannschaft der BZB, den Planer und den Bauarbeiter schreibt es Huber zu, „dass wir eine Anlage haben, die ihresgleichen sucht“.

Das ist das Ding: Stolz präsentiert Peter Huber (2. v. r.) die offizielle Betriebsgenehmigung für die Bahn, die Regierungspräsidentin Brigitta Brunner (l.) mitgebracht hat. Mit seiner Freude steckt er (ab 2. v. l.) die Minister Joachim Herrmann und Ilse Aigner sowie seinen Vorstandskollegen Matthias Stauch an.

Nicht die Weltrekorde – mit 1945 Metern größte Höhendifferenz, mit 127 Metern die höchste Stütze und mit 3213 Metern das längste freie Spannfeld – machen diese für den BZB-Vorstand aus. „Dafür kann ich auch gar nichts, die haben sich einfach so ergeben.“ Ihm ist wichtig, dem Gast ein besonderes Erlebnis zu bescheren. Das schafft das Unternehmen mit seinem 50-Millionen-Euro-Projekt.

Nach der Jungfernfahrt versinken alle Passagiere in Lobeshymnen. Mit glücklichen Gesichtern lassen sie sich von den BZB-Mitarbeitern in ihren schwarz-roten Anoraks durch die neue Bergstation führen, genießen das einmalige Panorama und schießen vor allem viele Fotos. Neben der Bahn und der Bergkulisse zählen insbesondere die Skistars Rosi Mittermaier und Christian Neureuther sowie die Polit-Prominenz zu den begehrten Motiven. Neureuther, der im Aufsichtsrat der BZB sitzt, war öfters auf der Baustelle, hat sich den Fortschritt angeschaut und war von der Technik fasziniert.

Jungfernfahrt: Die erste Kabine, in der sich zahlreiche Ehrengäste und Vertreter der Presse befinden, verlässt die Talstation am Eibsee.

Wie ihm ging es zahlreichen Besuchern der Zugspitze. „Das war für unsere Monteure etwas ganz Besonderes“, erzählt Arno Inauen, Mitglied der Geschäftsführung der der Doppelmayr/ Garaventa Gruppe. „Teilweise hatten sie 100 Zuschauer, die auch mal Szenenapplaus gespendet haben.“ Ungewöhnlich für die Arbeiter des Seilbahn-Herstellers, die sonst eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit wirken. Trotzdem schön. Und der Tatsache geschuldet, dass der Neubau bei laufendem Betrieb vonstattenging.

Das Ergebnis begeistert nicht nur die Gäste, sondern lässt auch Techniker-Herzen höher schlagen. „Großartig“ findet Günter Karl die Nachfolgerin der Eibsee-Seilbahn, die er während seiner Studienzeit kennengelernt hat. Bis zu seinem Ruhestand 2002 beschäftigte sie ihn dann als BZB-Vorstand. „Zuverlässig“ sei sie gewesen, „ein technisches Wunderwerk“. Ein ähnliches Prädikat vergibt er für das neue Modell. „Sie ist äußerst komfortabel.“ Und erlaubt den Zugspitz-Besuchern, künftig ohne stundenlange Wartezeiten auf den Gipfel zu schweben.

Ermöglicht haben das die BZB-Mannschaft um die Vorstände Huber und Matthias Stauch sowie Wotan Lichtmeß, Vorstand der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen. Deren Einsatz hebt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) hervor, die zudem Vorsitzende des Aufsichtsrats ist. Für die „logistische und organisatorische Meisterleistung“ seien aber auch Projektleiter Martin Hurm, die Bauleiter Jochen Rohrmoser (Berg) und Josef Grasegger (Tal) sowie die Betriebsleiter Sepp Ross und Karl Dirnhofer verantwortlich. Alle zusammen haben sie geschafft, wovon Huber seit den 1980er Jahren geträumt hat: eine neue Bahn auf Deutschlands höchsten Berg. „Davor verneige ich mich“, sagt Meierhofer. Vor allem den technischen Vorstand schaute sie dabei an, dessen Lebenswerk sich am Donnerstag erfüllt hat. Die „spröde Schöne“ ist bezwungen und kann nun noch mehr Gäste empfangen. 

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