Das Kriegerdenkmal steht erst seit 1952 auf dem Garmischer Marienplatz. Es stammt nach Auskunft von Marktarchivar Franz Wörndle aus dem Jahr 1873.
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Das Kriegerdenkmal steht erst seit 1952 auf dem Garmischer Marienplatz. Es stammt nach Auskunft von Marktarchivar Franz Wörndle aus dem Jahr 1873.

Nach Kritik über Tafel am Hinteren Hörnle

Wie geht man mit Kriegerdenkmälern um? Bezirk Oberbayern will „Sensibilisierungsbrief“ an Bürgermeister schicken

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Eine Holztafel auf dem Hinteren Hörnle bei Bad Kohlgrub hat eine Diskussion über den richtigen Umgang mit Kriegserinnerungen ausgelöst. Der Bezirk Oberbayern empfiehlt eine sensible Herangehensweise.

Landkreis - Sie sind fast allgegenwärtig – in Oberbayern und damit auch in Gemeinden im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Kleinere oder größere Denkmäler oder Gedenktafeln wie jenes am Hinteren Hörnle bei Bad Kohlgrub, mit denen an die Kriege der Vergangenheit mit teilweise nicht immer zeitgemäßen Worten erinnert wird. Ganz besonders an den Waffengang gegen Frankreich 1870/71 – nach dessen Gewinn die Gründung des Deutschen Reichs stand – und an den Ersten (1914 bis 1918) sowie den Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945).

Manche dieser Denkmäler vermitteln nicht Mahnung gegen den Krieg und Trauer um die Opfer. Sie wirken wie aus der Zeit gefallen. Es besteht deshalb die Gefahr, dass sie für eine undemokratische Heldenverehrung herangezogen werden können. „In nahezu jeder Gemeinde lassen sich derartige Gedenkstätten und Erinnerungstafeln finden“, sagt Dr. Norbert Göttler. „Das war damals der Zeitgeist.“

Mahnung gegen den Krieg

Als Bezirksheimatpfleger ist er auch mit diesen Dingen befasst. Der Bezirk, räumt Göttler unumwunden ein, ist selbst in Gräueltaten verstrickt, die sich während der Naziherrschaft in der Heimat ereigneten. Der Bezirk war damals Träger der psychiatrischen Krankenhäuser, in denen die Euthanasieprogramme der Nazis gnadenlos durchgezogen wurden. „Deswegen haben wir eine hohe Sensibilität, was Gedenkstätten und Kliniken angeht, deswegen sehen wir auch viele Erinnerungsschriften kritisch“, erklärt Göttler. „Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir damit umgehen?“

Die Bad Kohlgruber Holztafel, die am Gipfelkreuz am Hinteren Hörnle hängt – den Fall brachte Dr. Klaus Weber, Bezirksrat der Partei Die Linke, ins Rollen, er bezeichnet den Text als „kriegsverherrlichend und menschenverachtend“ – ist Göttler zufolge keine Ausnahme. „Von verschiedenen Seiten werden wir immer wieder einmal auf derartige Dinge hingewiesen.“ Er nimmt sie ernst, der Bezirk ebenfalls. Göttler zufolge befindet sich ein Schreiben, er nennt es „einen Sensibilisierungsbrief“ an alle Bürgermeister in Oberbayern, in Vorbereitung. Der Tenor: Die Rathaus-Chefs sollen sich, falls es in ihrer Gemeinde eine Gedenkstätte gibt, damit befassen. „Die meisten sind ja in kommunaler Hand“, sagt Göttler.

Historische Einordnung

Das ist allerdings nicht immer der Fall. Die Holztafel auf dem Hinteren Hörnle zum Beispiel befindet sich im Besitz des Gebirgs-Trachten-Erhaltungsvereins (GTEV) Edelweiß Bad Kohlgrub, die Krieggedächtniskapelle am Kramerplateauweg, mit der den Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs gedacht wird, errichtete 1952 der Volkstrachtenverein Garmisch. In Bad Kohlgrub hat sich Bürgermeister Franz Degele deshalb nicht für zuständig erklärt. Falls er sich eines anderen, Besseren besinnt: Für den Herbst dieses Jahres kündigt Göttler eine Broschüre an, die „zehn bis zwölf gute Beispiele enthält“, wie man mit problematischen Gedenkstätten und -tafeln richtig umgeht.

Göttlers Meinung dazu ist eindeutig. Er spricht sich dagegen aus, sie zu entfernen oder niederzureißen. „Tun sollte man das nur bei ganz extremen Fällen.“ Eine Lösung, die Göttler zufolge allen gerecht werde und die kaum Wunden schlagen dürfte: Neben dem Denkmal könne eine Stele angebracht werden, in dem zum Beispiel ein Historiker mit einem einordnenden Text eine ausgewogene Sicht der Dinge darstellt. Göttler sagt: „Geschichte geht weiter.“

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