+
Mit Respekt und Vorfreude geht Fritz Dopfer seine neue Aufgabe im Weltcup-Team von Garmisch-Partenkirchen an. 

Es ist einfach die richtige Zeit

Ski-Weltcup Garmisch: Ära Peter Fischer geht zu Ende - Fritz Dopfer kommt ins Team

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
    schließen

Peter Fischer wird sich verabschieden. Nach 23 Jahren als Vorsitzender des Skiclubs Garmisch und Chef des OK Ski-Weltcup beendet er am 31. Dezember 2020 dieses Kapitel. Für das OK präsentiert er mit Ex-Rennläufer Fritz Dopfer einen neuen Mitarbeiter. 

Seine Ära endet zum Jahresende: Peter Fischer hört als Weltcup-Ok-Chef und Skiclub-Vorsitzender auf. 

Garmisch-Partenkirchen – Peter Fischer gibt sein erstes Interview. Kurz nach der Wahl zum Vorsitzenden des Skiclubs Garmisch. Vor 23 Jahren. Nach seinen Zielen hat man ihn gefragt. Seine Antwort: „Ich will der erfolgreichste Skiclub-Präsident Deutschlands werden.“ Die Reaktion vieler: „So ein arroganter Hund.“ War Fischer egal. Er hat sein Ziel erreicht. „Wir sind wer“, sagt er. Die Kandahar-Rennen gehören zu den Top-Veranstaltungen im Weltcup-Winter, 2011 hat Garmisch-Partenkirchen eine Vorzeige-Ski-Weltmeisterschaft ausgerichtet. „Wir sind wer.“ Fischer sagt’s noch einmal. Was er nicht ausspricht: In diesem „wir“ steckt viel „ich“. Fischer ist der Ski-Weltcup. Gerne bezeichnet er ihn als sein Lebenswerk. Davon trennt man sich nicht leicht. Bald will es der 66-Jährige tun, zumindest schrittweise. Bei der Vorstands-Wahl im Skiclub zum Jahresende tritt er nicht mehr an. Dann endet auch das Kapitel mit ihm als Chef des Weltcup-Organisationskomitees (OK).

Einfach gehen, ohne sauberen, geordneten Übergang – nicht Fischers Art. So präsentiert er mit dem ehemaligen Ski-Rennläufer Fritz Dopfer auch gleich einen potenziellen Nachfolger.

Zum 1. September kommt Ex-Skirennläufer Fritz Dopfer ins Weltcup-Team 

Der gebürtige Innsbrucker, der in Schongau aufgewachsen ist und für den SC Garmisch startete, kommt zum 1. September ins OK-Team. Zunächst als Angestellter mit der Option, zum Geschäftsführer aufzusteigen. „Er ist Berufsanfänger“, sagt Fischer. „Er kommt, um zu lernen.“ Nichts, was man Dopfer extra sagen müsste. Genau das will er tun, „genau darauf freue ich mich riesig“. Peu à peu wolle er sich einarbeiten – wie im Leistungssport. „Da kann man auch nicht gleich ganz oben einsteigen.“ Als Athlet wie als Mensch verkörpert Dopfer akribisches Arbeiten mit Hang zur Perfektion. An wen diese Eigenschaften wohl erinnern.  Sogar das Sternzeichen teilen sich Fischer und Dopfer: Jungfrau.

Viele Gespräche haben die beiden im Vorfeld geführt, jedes Mal habe sich Dopfer bestens vorbereitet, alles mitgeschrieben. Am Montag unterzeichnete er den Vertrag. Obwohl Fischer seinen Job nie schöngeredet hat. Offen sprach er über den Druck, der auf dem Mann an der Spitze lastet. Er hält den Kopf hin, wenn etwas schief geht. Er steht in der Kritik. Er trifft unbequeme Entscheidungen. Medien, Sponsoren, Verbandsoffizielle, Helfer und Nicht-Helfer, Politiker: viele Menschen, mit denen er in Kontakt steht. Bei Weitem nicht nur Freunde. In die Fraktionen „Super-Fischer“ und „Scheiß-Fischer“ teilte er selbst sie ein, wusste: Einer wie er – leidenschaftlich, stur auch, penibel und gnadenlos ehrlich – polarisiert. „Das musst Du aushalten.“

Peter Fischer über Wunschkandidat Dopfer: Ein „Coup für Garmisch-Partenkirchen und den Weltcup“

Dopfer traut es sich offenbar zu. Auch Fischers Mammut-Fußstapfen schrecken ihn nicht ab. Er habe sich das genau überlegt, sagt Fischer über seinen Wunschkandidaten, den er als „Coup für Garmisch-Partenkirchen und den Weltcup“ bezeichnet. Nicht nur, weil er Dopfer als Menschen schätzt. Sondern auch, weil er mit Sportmanagement eine passende Ausbildung mitbringt, den Skizirkus kennt – und der Skizirkus ihn. „Da muss man niemandem etwas erklären.“

Seit seiner schweren Verletzung 2016 – Dopfer brach sich das Schien- und Wadenbein und fand nie zu alter Form zurück – hatte Fischer den heute 32-Jährigen im Blick.Im selben Jahr brachte Fischer auch erstmals seinen Rückzug ins Gespräch. Im März dieses Jahres erklärte der Athlet seinen Rücktritt.

Was Dopfer beruhigt: Fischer steht an seiner Seite, zudem kommt er in ein erfahrenes Team. „Das ist ein super Umfeld, in dem ich mich entwickeln kann.“ In der Wintersaison samt Weltcup 2021 wird ihn Fischer einarbeiten. „Ich gehe nicht, ich bleibe.“ Er meint als Stütze, Ratgeber, Helfer. Darin liegt auch eine Herausforderung.

Peter Fischer: Nach den Wahlen im Skiclub Garmisch keine offizielle Funktion mehr 

Mitarbeiter und enge Partner hat Fischer am Dienstag über seinen Entschluss informiert. Manch einer schlug ihm vor, zumindest als SC-Vorsitzender und OK-Präsident – laut Satzung bekleidet eine Person beide Posten – weiterzumachen und nur als OK-Geschäftsführer aufzuhören. Fischer lehnte ab. Dafür kennt er sich zu gut. Als Verantwortlicher wäre er kein guter Lehrmeister, wäre vor allem Chef und Entscheider. „Da kommt der neben mir nicht auf die Füße.“ Doch das wünscht er sich. „Irgendwann muss das Boot von alleine fahren.“

Nach den Wahlen wird Fischer keine offizielle Funktion mehr bekleiden. Vorerst ernennen die Mitglieder auch keinen OK-Geschäftsführer. Läuft alles nach Plan, übernimmt diesen Posten einmal Dopfer. Über Fischers Nachfolge als SC- und OK-Präsident wird in der Versammlung Ende des Jahres jedoch entschieden. Namen nennt Fischer keine, gebe es noch nicht. Alles zu seiner Zeit, sagt er.

Warum jene für seinen Abschied gekommen ist? Fischer zuckt mit den Schultern. Jetzt passe halt alles. Vor allem die Reaktionen geben ihm recht. „Bleib doch“, sollen ihn viele gebeten haben. Wenn alle sagen „Gott sei Dank ist er weg“ sei es zu spät. „Ich will selbst bestimmen, wann ich gehe.“

Das könnte Sie auch interessieren: Doch kein Rückzug: Fischer bleibt Weltcup-Cheforganisator

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Totes Ziegenkitz: Der Wolf war es vermutlich nicht
Ein totes Ziegenkitz ist bei Obernach aufgefunden worden. Von einem Wolf ist das Tier jedoch nicht getötet worden.
Totes Ziegenkitz: Der Wolf war es vermutlich nicht
Schnelleres Internet im Ort: Bad Bayersoiens Bürgermeisterin wirbt für Breitband-Ausbau
Schnelleres Internet im Ort: Bad Bayersoiens Bürgermeisterin wirbt für Breitband-Ausbau
Häuser mit Geschichte: die Weilheimer Hütte am Krottenkopf
Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel: Die Weilheimer Hütte liegt am Fuße des Krottenkopfs. Ihre Geschichte kennen selbst viele alteingesessene Einheimische nicht.
Häuser mit Geschichte: die Weilheimer Hütte am Krottenkopf
Wegen Corona: Knackiger Start für Frank Bauer
Hundert Tage werden neuen politischen Amtsträgern in der Regel zugestanden, um sich einzuarbeiten, den einen oder anderen Erfolg vorzuweisen. Am Samstag läuft diese …
Wegen Corona: Knackiger Start für Frank Bauer

Kommentare